Wollen den Bolzplatz für die Jugendlichen frei halten: Peter Walzuch (r.) und sein Nachbar Trutz Haslinger. „Wir haben nur unter der Hand erfahren von den Planungen. Ich bin der Meinung, dass wir eine öffentliche Diskussion brauchen, in die dann alle eingebunden sind“, sagt Peter Walczuch. Foto: privat

Protest gegen Asylbewerberheim am Bolzplatz Neukeferloh

Grasbrunn - Mit den Asylbewerbern, die seit letzten Herbst in Grasbrunn sind, ist bisher alles „hervorragend gelaufen", wie Bürgermeister Klaus Korneder (SPD) sagt. Jetzt gibt es doch Ärger ums Thema in der Gemeinde. Weil feste Unterkünfte für Flüchtlinge gebaut werden sollen. Es geht um den Standort.

48 Menschen, meist in Familien, sind seit einem dreiviertel Jahr in Grasbrunn untergebracht - am äußersten Rand der Gemeinde auf einem Parkplatz der Kfz-Zulassungsstelle. An der Wasserburger Landstraße. In Containern. Keine sehr gute Lösung - und von Anfang an nur als Provisorium gedacht. Trotzdem, sagt Bürgermeister Korneder, sind die Leute, die dort leben, bestens integriert im Ort. Die Kinder in Schule und Kindergarten, beim Sport. Die Eltern im Schützenverein. Und viele Kinder kommen auch einfach nachmittags zum Bolzplatz im Technopark.

Und gerade das wird sich demnächst vielleicht ändern. Wegen des Bolzplatzes gibt es jetzt auch in Grasbrunn Diskussionen um die Unterbringung von Flüchtlingen. Obwohl noch gar nichts beschlossen worden ist.

Aber dieser Bolzplatz, 50 mal 30 Meter groß, ist nunmal eine von drei Flächen, die als Standort für weiter zu schaffende Asylbewerber-Unterkünfte in der Gemeinde in Frage kommen. Weil es ja nicht nur darum geht, für die 48 Menschen, die schon da sind, endlich anständige Quartiere bereitzustellen. Sondern weil auch nach Grasbrunn noch mehr Asylsuchende kommen werden, laut Quote müsste die Gemeinde bis Jahresende 75 bis 100 aufgenommen haben.

Entsprechend hat Klaus Korneder schon vor Monaten einen Arbeitskreis Asyl einberufen, mit Vertretern aller Gemeinderatsfraktionen, der seither den Ort durchkämmte. Nach Bauplätzen für unkompliziert zu errichtende Häuser in Holzständerbauweise, in denen je vier Wohnungen Platz fänden.

Letztlich kommen dafür, so das Ergebnis der Beratungen, der Bolzplatz infrage, der zwei dieser Häuser beherbergen könnte, und ein Grundstück im Norden von Grasbrunn, auf das man ein Haus pflanzen würde. Und in Harthausen würde die Gemeinde ihr Haus am Hauptlatz 1 zur Verfügung stellen. Soweit die Überlegungen. Alle noch angestellt im Konjunktiv. Am Dienstag soll dazu ein Grundsatzbeschluss im Gemeinderat gefasst werden.

„Und im nächsten Gemeindeblatt informieren wir über den Stand der Dinge“, sagt Bürgermeister Klaus Korneder. Im September steht dann eine Bürgerversammlung zum Thema im Kalender, zu der auch Vertreter des Landratsamtes, des Helferkreises vor Ort und Asylbewerber selbst kommen sollen.

Derweil haben die Anwohner im Technopark schon einmal Unterschriften gesammelt gegen das Vorhaben, die sie am Dienstag dem Gemeinderat übergeben wollen. „Wir sind nicht gegen die Flüchtlinge“, stellt Peter Walczuch klar, der wie die meisten hier in Neukeferloh-Nord seit Ende der 80er Jahre wohnt, dessen Kinder groß geworden sind auf dem Fußballplatz am Rand der Siedlung, auf dem jetzt dreimal die Woche seine Enkel spielen. Im Gegenteil, die Menschen, die bei der Zulassungsstelle in Containern wohnten, „stören überhaupt nicht, die fallen gar nicht auf“, sagt Peter Walzuch. Aber: „Wir sind der Meinung, wir brauchen eine Auslauffläche für unsere Kinder, wo sie nicht durch Verkehr gefährdet sind.“ Der Bolzplatz sei das einzige Areal im Ortsteil, auf dem sie richtig toben können. Alle anderen Sportflächen - auf dem Schulsportgelände, am Wertstoffhof, im Sportpark Grasbrunn - liegen jenseits der Bundesstraße 304.

„Hier im Technopark gibt es viele leerstehende Bürogebäude, die meines Erachtens relativ einfach und schnell in Unterkünfte umgewandelt werden könnten“, wandte sich Walczuch an den Münchner Merkur. Dass die Quartiere bei der Zulassungsstelle auf Dauer nicht haltbar sind, findet er auch. „Das steht außer Frage.“ Zusätzlich ärgert ihn, dass die Bürger bisher noch gar nicht informiert worden seien. „Die Diskussion wird unter der Hand geführt, am Ende werden wir dann vor vollendete Tatsachen gestellt“, argwöhnt Peter Walzuch.

Die leerstehenden Bürogebäude, sagt Rathauschef Korneder, seien gerade wieder auf den Markt gebracht worden. Und: Vom Technopark führten zwei Unterführungen und eine Brücke ins restliche Gemeindegebiet. Kinder ab dem Grundschulalter könnten den Weg durchaus schon allein bewältigen und so zu Sportflächen kommen.

Zusätzlich hat im Ort ein Flugblatt der BfG für Irritation gesorgt, der „Bürger für Grasbrunn“ (BfG), die mit zwei Mann im Gemeinderat vertreten sind - und schon vor Wochen die Anwohner im Technopark fragten, was sie hielten von einem Flüchtlingsquartier auf dem Bolzplatz. Ein BfG-Mitglied wohne in der Nähe. „Er hilft uns“, sagt Walczuch. „Das Flugblatt konterkariert die Bemühungen der Gemeinde“, sagt Korneder. ak

Gemeinderat heute Abend

Heute um 19.30 Uhr tagt der Gemeinderat. Die Sitzung ist öffentlich und beginnt um 19.30 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses in Neukeferloh, Lerchenstraße 1.

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