Nostalgischer Gag oder Geschmacklosigkeit? Optiker Holm Ohlendorf wirbt mit einem Bild Erich Honeckers für Hornbrillen. foto: rmf

Jetzt hagelt's Kritik

Dieser Optiker wirbt mit Honecker für Brillen

Ottobrunn - Er trug eine dicke Hornbrille. Aber darf Erich Honecker deshalb als Werbegesicht herhalten? Sicher, dachte sich Optiker Holm Ohlendorf (50), dekorierte sein Ottobrunner Geschäft mit einem DDR-Plakat - und handelte sich heftige Reaktionen ein.

Wutentbrannt stürmt eine ältere Dame in den Optikladen am Margreider Platz. Genau wie ihr Ehemann ist die Ottobrunnerin empört über die Dekoration im Geschäft von Holm Ohlendorf. Sowohl im Schaufenster als auch direkt im Laden hängt ein Plakat, das das Gesicht Erich Honeckers zeigt. Außerdem ziert die Flagge der ehemaligen DDR den Laden. Zwei Anblicke, die in dem Rentnerpaar böse Erinnerungen wecken.

Das Ehepaar hat in der DDR gelebt und unter dem Honecker-Regime massiv gelitten. Bis zur Haftstrafe. Den hornbebrillten Ex-Staatsratsvorsitzenden samt Flagge als nostalgischen Werbegag zu nutzen, finden Menschen wie sie gar nicht witzig. Der olle Erich mit der Hornbrille - der steht für viele ehemalige DDR-Bürger für Stasi-Spitzel, politische Verfolgung, Mauer, Schießbefehl - für „Republikflüchtlinge“, die im Todesstreifen verbluten. So traumatisiert, möchte man dem Ex-Staatsratsvorsitzenden auch nicht als piefiger Werbefigur begegnen.

„Diese Reaktion verstehe ich und akzeptiere sie auch“, sagt Ladenbesitzer Ohlendorf. Die Kritik des traumatisierten Ehepaares kann er allerdings schwer nachvollziehen. „Das ist doch ein Teil der Geschichte“, sagt der gebürtige Bremer über den 1994 verstorbenen Honecker, der am gestrigen Samstag 100 Jahre alt geworden wäre.

Der Geschäftsmann sah vielmehr eine gute und polarisierende Werbemaßnahme für sein Geschäft. Brillen, wie sie Honecker einst trug, seien im Moment „total in“. Deshalb habe er die Dekoration, die seit Anfang August in Schaufenster und Laden stehe, auch installiert. Von seinen Kunden habe er „bis auf einen Mann und das Ehepaar“ bisher eher positive Reaktionen bekommen.

Mit der erzürnten Rentnerin hätte er gerne das Gespräch gesucht. „Man konnte da gar nicht reden“, sagt der 50-Jährige, der die Frau schließlich aus seinem Laden komplimentierte. Vor allem die Flagge, die seit der Vorwoche im Laden hing, habe die Frau in Rage gebracht.

Das Ehepaar, dass zunächst wegen der Werbung mit Honecker ins Rathaus gelaufen war und auch unsere Zeitung informiert hatte, wollte sich anschließend trotz mehrerer Anfragen nicht mehr zum Thema äußern. Ihr Zorn und ihre Empörung dürften aber mit Sicherheit nicht verflogen sein.

Holm Ohlendorf, der nicht damit gerechnet hätte, „dass es solche Reaktionen geben würde“, wäre zu einem Gespräch mit dem Ehepaar bereit. „Wenn mir das jemand vernünftig erklärt, dann würde ich die Dekoration schon wegmachen“, sagt er. Seine Mitarbeiter habe er zudem darum gebeten, im Falle weiterer negativer Reaktionen das Bild von Honecker und die DDR-Flaggen abzunehmen.

von Robert M. Frank

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