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Über die Koppel konnte das Pferd wegen seiner Verletzung wohl nie galoppieren.

Prozess am Oberlandesgericht

Pferd steht nur im Stall: Besitzerin verklagt Tierärztin, weil sie Zyste nicht erkannt haben soll

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Karin H hat sich ein Pferd gekauft, es aber nie geritten. Das Tier hat eine Zyste im Bein. Nun verklagt, die Besitzerin die Tierärztin, der der Defekt entgangen war.

Landkreis – Karin H. (Name geändert) aus der Nähe von Schwabmünchen (Kreis Augsburg) gefiel das braun-weiße Quarter Horse „Whiteface“ wahnsinnig gut. Die Verwaltungsangestellte beschloss, das sieben Jahre alte Reitpferd für 6000 Euro zu kaufen. Vor dem Kauf ließ sie es von einer Tierärztin aus dem östlichen Landkreis München untersuchen, um sicher zu gehen, dass das Tier gesund und fit ist. Die Veterinärin gab ihr Okay. Geritten hat H. das Pferd nie. Kurz nach dem Kauf stellte die neue Besitzerin fest, dass es an einem Defekt in einem der vorderen Beine leidet.

Nun streiten sich H. und die Tierärztin seit über zwei Jahren vor Gericht darüber, ob die Fachfrau den Defekt hätte erkennen müssen. Das Landgericht München I gab der Klägerin in erster Instanz Recht. Es verurteilte die Veterinärin zu rund 12 800 Euro Schadenersatz – den Kaufpreis plus Kosten für Unterhalt und Pflege. Doch die Tierärztin legte Berufung beim Oberlandesgericht (OLG) München ein, wo der Fall diese Woche erneut auf den Tisch kam.

Tier ist als Reitpferd nicht zu gebrauchen

Karin H. hatte den Wallach am 23. März 2017 von einer Steuerberaterin gekauft. Im Kaufvertrag war geregelt, dass er von einem Tierarzt untersucht werden sollte. Die beklagte Veterinärin untersuchte das Pferd, röntgte es und stufte es in die Rötgenklasse zwei bis drei ein. Die Käuferin holte es Ende Mai 2017 in den eigenen Stall.

Gut zwei Wochen später stellte sie Bewegungseinschränkungen am Hals des Wallachs fest. In einer Tierklinik wurde ein zystoider Defekt diagnostiziert. Demnach wurde das Pferd nun in Röntgenklasse vier eingestuft. Ein solches Pferd hätte sie nie gekauft, sagt H.. Denn das Tier sei nicht als Reitpferd zu gebrauchen, sondern nur als sogenanntes Beistellpferd.

Röntgenbilder hatten „ungenügender Qualität“

Das Landgericht schaltete einen Sachverständigen ein. Der kam zu der Überzeugung, dass das tierärztliche Gutachten mangelhaft war. Die Röntgenbilder seien von „ungenügender Qualität“ gewesen. Auf ihnen habe man den Defekt am Strahlbein nicht eindeutig identifizieren können. Man könne die Zyste aber trotz der schlechten Bildqualität erkennen. Dass die Röntgenbilder im Stall gefertigt wurden, ändere nichts daran – geschuldet gewesen sei eine verlässliche Diagnose.

Auch das OLG machte der Tierärztin wenig Hoffnung für ihre Berufung. „Die Röntgensituation in der Klinik ist eine andere als im Stall, das ist klar“, sagte der Vorsitzende Richter. Die schlechten Bilder seien sicher der Situation geschuldet. Es handle sich auch um keinen groben, sondern nur um einen einfachen Behandlungsfehler. Aber: „Wir werden das als Fehler werten.“ Auch wenn es ein bisschen gegen ihre Ehre gehe, werde sich wohl am Landgericht-Urteil nichts ändern.

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Die Tierärztin ärgerte sich wegen der Einteilung in Röntgenklassen – diese wurden inzwischen abgeschafft. „Hätte ich eine andere Röntgenklasse hingeschrieben, würden wir hier nicht sitzen“, sagte sie. „Sie hätten das Risiko hinschreiben müssen“, erwiderte der gegnerische Anwalt. Die Veterinärin: „Ich habe hingeschrieben, dass dieser Fuß von mir schlechter bewertet wurde.“ Doch es hilft nichts. Sie hat zwei Wochen Zeit, mitzuteilen, ob sie die Berufung zurücknimmt. Wenn nicht, urteilt das OLG. Offen ist auch, was mit dem Pferd passiert.

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