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Prügelattacke in der S-Bahn

Unterschleißheim - Kampfsport, Alkohol und eine unausgereifte Persönlichkeit: Auf dem Heimweg von der Wiesn 2013 hatte ein heute 20-jähriger Echinger einen Fahrgast der S1 brutal verprügelt. Jetzt musste er sich wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten.

Rund ein Jahr lang war es ihm gelungen, unterzutauchen. Inzwischen verbüßt er wegen früher Gewalttaten eine Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Polizisten eskortierten ihn aus der Justizvollzugsanstalt Ebrach in Oberfranken nach Freising. Der 20-Jährige ist dem Gericht durchaus bekannt. Er habe vorher gewusst, dass der Angeklagte einen vernüftigen Eindruck hinterlassen werde, sagte Richter Boris Schätz - und verurteilte ihn. Die Haftstrafe, die er derzeit verbüßt, wird um sechs Monate auf vier Jahre aufgestockt.

Besonders viel Gelegenheit, frühere Straftaten zu diskutieren, bekam der Angeklagte nicht. Aus den Akten freilich ist bekannt, dass er nicht lange fackelte. Er beleidigte, schlug und biss Polizisten. Wenn ihm danach war, eine Zigarette zu rauchen, nahm er sich, wonach ihm verlangte. Als ihm ein Mann einmal eine Zigarette verweigerte, prügelte er ihn nieder, riss ihm den angerauchten Glimmstengel aus dem Mund. Alkoholisiert kannte er keine Hemmungen.

An dem Mann, dem er im Oktober 2013 in der S1 begegnete, missfielen ihm dessen Tätowierungen. Er nannte ihn Knastbruder, verhöhnte ihn. Der Angegriffene wehrte sich, schlug als erster zu. Wahrscheinlich aber hatte der Echinger es genau so gewollt. Bilder von der Überwachungskamera am S-Bahnhof zeigen, wie er auf sein Opfer eindrosch, ihm auf den Bahnsteig in Lohhof folgte, wohin der Angegriffene zu fliehen versuchte. Der Echinger hatte 1,8 Promille Alkohol im Blut. Vor Gericht zeigte sich jetzt ein ganz anderes Bild: Die erfahrene Mitarbeiterin der Jugendgerichtshilfe bescheinigte dem Angeklagten eine 180-Grad-Wende. In der Haft beteilige er sich am Sucht-Programm, lasse sich zum Facharbeiter ausbilden. Sogar verlobt sei er. Vater und Verlobte verfolgten den Prozess im Publikum.

Vor der Urteilsverkündung sagte der 20-Jährige, wie sehr ihm leid tue, was er seinem Opfer angetan hat. Ausdrücklich bedauerte er, dass der Geschädigte nicht zum Prozess erschien. Er hätte sich gerne bei ihm entschuldigt. Richter Schätz fiel es nicht leicht, es bei der Mindeststrafe von sechs Monaten zu belassen. Die Worte der Jugendgerichtshelferin überzeugten ihn aber offensichtlich. Dennoch warnte er ihn. Noch eine Gewalttat und der 20-Jährige müsse mit einem Prozess vor dem Landgericht und Urteilen ab vier Jahren aufwärts rechnen. „Gerade in Verbindung mit Kampfsport ist irgendwann einer tot“, sagte der Richter. 

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