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Publizist Scholl-Latour spricht in Neubiberg über Krisenherd Afghanistan

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Großes Interesse erfuhr der Publizist Peter Scholl-Latour (l.) bei seinem Vortrag in der Bundeswehruniversität Neubiberg. Er berichtete von Reisen nach Afghanistan.
Großes Interesse erfuhr der Publizist Peter Scholl-Latour (l.) bei seinem Vortrag in der Bundeswehruniversität Neubiberg. Er berichtete von Reisen nach Afghanistan. © BIG

Neubiberg - In seinem Vortrag entführte Scholl-Latour seine Zuhörer in die hohen Berge im Nordosten des Landes. Dorthin, von wo es in den verschneiten Wintern kein Entkommen gibt.

Die Entstehung großer Krisen erklärt Peter Scholl-Latour mit kleinen Anekdoten. Mit leicht gebückter Haltung sitzt er vor den vollen Reihen im Auditorium Maximum. Der Hörsaal der Bundeswehruniversität in Neubiberg bietet längst nicht allen Zuhörern einen Platz. Zu viele möchten erfahren, was der 84-jährige Journalist und Publizist über den Krisenherd Afghanistan zu erzählen weiß.

Die Wirksamkeit des NATO-Einsatzes in Afghanistan stuft Scholl-Latour als gering ein. Noch dazu, wenn er während einer achtstündigen Fahrt durch den Norden Afghanistans keinen einzigen NATO-Soldaten sichtet. Dass er auf seinen Reisen dem ein oder anderen afghanischen Polizisten begegnet, beruhigt den Journalisten dabei nicht: "Die afghanische Polizei ist ein Sauhaufen.“

Bis heute hat der 84-Jährige etliche Krisenherde bereist. Er erzählt von seinem mongolischen Leibwächter auf einer Tour durch das Land, gibt Einblicke in die Mentalität und Lebensweise der Afghanen und erklärt die Konflikte verschiedener Stammesführer. Seine Erlebnisse verknüpft der Journalist mit Erfahrungen aus dem Irak, Iran oder aus Pakistan zu einem Mosaik. Einfache Wahrheiten gibt es für ihn nicht.

Dass die Wurzel des Terrorismus in Afghanistan liegt, hält der Journalist für den größten öffentlichen Irrtum: "Kein einziger Attentäter kam aus Afghanistan.“ Scholl-Latour kommen andere Länder in den Sinn, die er mit dem Terror verbindet, wie Somalia, Algerien oder Pakistan. In seinen Erzählungen werden die Gefahren deutlich: "Der asymmetrische Krieg ist ein schmutziger Krieg, der keine Fairness kennt." Und dann ist Scholl-Latour wieder im verschneiten Hochgebirge Afghanistans angelangt, wo es keinen Ausgang zu geben scheint.

Für Scholl-Latour gibt es nur einen Weg aus dem unpassierbaren Gebirge: "Wir brauchen nicht die Kapitulation, sondern eine neue Strategie.“

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