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Eine Bibel-Ausgabe von 1662, die ein Pullacher Bürger für die Ausstellung zur Verfügung gestellt hat.

Ausstellung

Die Bibel ertasten

Pullach - Wissenswertes über das Buch der Bücher ist im Pfarrheim Heilig Geist zu sehen

Wie riecht eigentlich Tragakant, ein Gewürzstoff, gewonnen aus Harz, aus dem schon vor 2000 Jahren Heilsalben gemacht worden sind? Wie fühlt sich ein Ziegenfell an im Vergleich zu dem vom Schaf? Solche Sachen – und mehr – kann man dieser Tage im Pfarrheim Heilig Geist in Pullach erfahren, wo gerade die schöne Wanderausstellung „Expedition Bibel“ Station macht. Und noch bis zum 28. Februar vor allem gefühltes Wissen vermittelt: Indem sie in erster Linie Exponate zum Anfassen bereithält und die Schautafeln mit Fakten eher Beiwerk sind. 

Das Ganze, wie es im Prospekt heiß, ist eine „Entdeckungsreise mit allen Sinnen“, die den Zweck verfolgt, die Besucher „zu berühren“. Weshalb es mitnichten, wie Christine Salfer, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, am Tag der Eröffnung sagt, nur „Super-Christen“ sind, die angesprochen werden sollen. Die Expedition will vielmehr all jene mitnehmen, „die ein bisschen offen sind für die Bibel“, die vielleicht schon wissen, dass am Buch der Bücher an sich kein Vorbeikommen ist, wie auch Salfer meint. Und die dann anhand des Erlebten den eigenen Glauben bei Bedarf vielleicht ein wenig nachjustieren. So riecht, tastet, rätselt sich also auch der nur ansatzweise Bibelfeste durchs Untergeschoss der Kirche. Streichelt hier mal übers doch eher struppige Ziegenfell, steckt dort mal die Nase in die diversen Gewürzsäckchen, die gleich beim Eingang ausliegen. Schnuppert an Kräutern, mit denen auch schon vor 2000 Jahren gekocht worden ist. Befühlt die bereitgelegten Hölzer, die alle irgendwo vorkommen in der Heiligen Schrift wie etwa die Tamariske, die auch schon Abraham seinerzeit gepflanzt haben soll. 

Zu sehen außerdem: ein Modell von einem Haus, in dem die Leute typischerweise mit ihren Tieren gelebt haben zu Zeiten Jesu Geburt. Viele Bibel-Ausgaben aus aller Welt, eine Braille-Bibel für Blinde und dann gleich beim Eingang eine Riesen-Bibel aus dem Jahr 1662, die dieser Tage erst ein Pullacher der Ausstellung übereignet hat. Das Werk kann es jederzeit mit einem Ziegelstein aufnehmen, schwer und groß wie es ist. Allein der lederne Einband ist zentimeterdick. Ehe man dann zur letzten Station kommt, die sich mit dem Judentum befasst und verschiedene Kultgegenstände wie die Menorah (siebenarmiger Leuchter) oder die Mesusa (Schriftkapsel am Türpfosten)zeigt, hat man – wenn auch eher im Vorbeigehen – ein wenig Grundlagenwissen vermittelt bekommen. Weiß jetzt also, dass die Bibel aus 73 Einzelschriften besteht; dass das Alte Testament sich zusammensetzt aus den fünf Büchern Mose, den weisheitlichen und den geschichtlichen Büchern sowie den Schriften der Propheten. Dass die Bibel ursprünglich auf Hebräisch und Griechisch aufgeschrieben worden ist – und dass wiederum die älteste dieser Überlieferungen vom Neuen Testament, die erhalten ist, aus dem Jahr 120 stammt. 

Andrea Kästle

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