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Prominente Geburtstagsgäste: Altlandrat Joachim Gillessen (2.v.l.) umringt von (v.l.) Werner-Hans Böhm, ehemaliger Regierungspräsident, Marlies Gillessen, Landrats-Gattin Ochmaa Göbel und Landrat Christoph Göbel.

80. Geburtstag von Altlandrat Joachim Gillessen

"Der Größte aller Zeiten"

Landkreis - Alte Weggefährten haben sich zur Feier des 80. Geburtstags von Altlandrat Joachim Gillessen im Landratsamt die Ehre gegeben. 26 Jahre lang war der fünf Mal ins Amt gewählte Gillessen Chef des Landkreises München. Nicht immer waren es für ihn leichte Zeiten.

Als der Landkreis während der Gebietsreform 1972 aus den Karten getilgt werden sollte, formierte Gillessen den gemeinsamen Widerstand von Verwaltung und Bürgern. Seinem Nachfolger und heutigem Landrat, Christoph Göbel (CSU), gilt der von 1970 bis 1996 ohne Unterbrechung amtierende Gillessen daher nicht nur körperlich als „der Größte aller Zeiten“: „Es ist sein Verdienst, dass der Landkreis noch existiert.“

Die Liste der Gäste, die sich gestern im 3. Stock von Gebäudeteil B versammelten, war ebenso lang wie prominent besetzt. Vornehmlich Mitstreiter aus alten Tagen feierten den Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse, des Bayerischen Verdienstordens und des Ehrenrings des Landkreises nur wenige Meter von seinem einstigen Amtszimmer entfernt. Kollegen aus Landratsamt und Innenministerium, frühere und amtierende Abgeordnete, Kreisräte und Bürgermeister sowie die drei nachfolgenden Landräte staunten nicht schlecht, als der hochgewachsene 80-Jährige mit den markanten Zügen das Jugendstil-Treppenhaus wie ein Mitdreißiger nahm. „Er ist der Idealtypus eines Landrat schlechthin“, stellte Göbel den Gästen seinen Vorgänger vor.

Gillessen formte den Landkreis zu einem der beliebtesten Regionen für Wohnen und Gewerbe. Der in Pullach lebende Gillessen verlieh der Verwaltung neue, moderne Strukturen, errichtete ein Schulsystem, wie Göbel anmerkte: „Eine Herkulesaufgabe.“ Seine kompetente Art würde bis heute über Parteigrenzen hinweg geschätzt.

Personalführung und Amtsverständnis sind Begriffe, die Werner-Hans Böhm mit Gillessen verbindet. Der Regierungspräsident a.D. hatte es während seiner Amtszeit mit dem Jubilar zu tun und erinnert an einen Landrat, der laufend den Kontakt zu den Mitarbeitern suchte. „Man hat es oder man hat es nicht“, das Gen einer Führungspersönlichkeit, so Böhm: „Don Gille hat es!“ Gillessen selbst sah sich stets als Dienstleister. 26 Jahre lang lud er Bürger zwei Mal wöchentlich zur Sprechstunde ein. Bürger rasch und gerecht zu bedienen, verstand er als Verpflichtung Als zweite, nicht minder wichtige Aufgabe nannte er das Delegieren von Verantwortung an seine Abteilungsleiter: „Eindeutige Zuständigkeiten schaffen.“ Selbständiges Arbeiten schätzte er als effektiven Weg, Probleme zu lösen. Gern blickt Gillessen auf seine fünf Amtszeiten zurück. Genauso intensiv nutzt er heute die Zeit mit seiner Gattin. „Es wäre schön wenn ich noch mal so viele Ruhestandsjahre hätte, wie ich aktive Jahre hatte.“

Andreas Sachse

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