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"Richtig glücklich" in Pullach ist Hannah Stegmayer. Sie ist seit 2010 Kulturamtsleiterin.

20 Jahre Bürgerhaus Pullach

Glaspalast mit hohem Anspruch

Pullach - Das Bürgerhaus Pullach wird 20. Und feiert. Freilich mit Kultur. Hausherrin Hannah Stegmayer hat zur Feier des Ereignisses ein Klassikkonzert im Terminkalender eingetragen, das Ende April gleich zweimal über die Bühne mit dem roten Samtvorhang gehen wird.

Am 19. April 1996 ist seinerzeit der Kulturtempel am Isarhochufer eröffnet worden. Nachdem es Gerangel gegeben hatte im Gemeinderat über seine Architektur. Und irgendwann, in einer Sitzung gegen Mitternacht, der atemberaubende Entwurf von Jakob Fahr gekippt worden war. Und die etwas günstigere Variante von Christoph Wortmann schließlich abgesegnet wurde.

14 Jahre lang hat hier, schräg gegenüber vom Kirchplatz, Wolfgang Buttmann Regie geführt als Programm-Macher – und damals die heute noch bewährte Mischung aus Theater, Musik und Kabarett etabliert. Eine der spektakulärsten Geschichten aus seiner Amtszeit, die Hannah Stegmayer gern erzählt, handelt davon, dass er eines Tages mit Rolf Becker, dem Baierbrunner Verleger und Kunst-Mäzen, und dem Pianisten Gerhard Oppitz in dessen Privatflieger nach Hamburg jettete. Um dort innerhalb weniger Stunden einen Flügel zu erwerben, einen Steinway D, von dem Oppitz fand, er habe den idealen Klang. Schon damals wurde der große Saal im Glaspalast am Isarhochufer, der auch als Seminar- und Kongresszentrum genutzt wird und freilich auch den örtlichen Vereinen für ihre Veranstaltungen zur Verfügung steht, an rund 100 Tagen im Jahr bespielt.

Sie hat 2010 ein bestens bestelltes Haus übernehmen können und ist seither „richtig glücklich“ in Pullach. Man muss sich nicht lange mit Hannah Stegmayer unterhalten, um das von ihr zu hören zu bekommen. „Meine große Stärke ist mein Team“, sagt sie dann – und lobt schließlich auch gleich noch das Publikum hier heraußen, das Ansprüche stelle, aber auch experimentierfreudig sei, dem sie durchaus auch mal zeitgenössische Musik zumute. Das auch mit Jazz etwas anfangen könne. Und letztlich zu schätzen wisse, dass vom Niveau her sich die Aufführungen in Pullach nicht groß unterscheiden von denen in der Stadt. „Das ist auch mein Anspruch, sonst würde das Ganze hier nicht funktionieren.“ 

Stegmayer kommt aus Kiefersfelden, sie hat Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte studiert in München und Innsbruck, später Kulturmanagement gelehrt an der Fachhochschule in Kufstein. Zwischendurch widmete sie sich über einen von ihr geleiteten Kunstverein der Vermittlung von Konzeptkunst, „auch als Kritikerin hab ich mal gearbeitet“. Sie ist also breit aufgestellt, hält noch heute mal eine Ringvorlesung an der Uni Innsbruck oder unterrichtet an der Donauuniversität in Krems. Und besucht freilich eifrig die Festivals der näheren, auch mal ferneren Umgebung – immer auf der Suche nach neuen Talenten. Die sie dann gern nach Pullach holt. Und die, weil sie gut betreut werden, gerne wiederkommen, wenn sie zwischenzeitlich Karriere gemacht haben. Wie die norwegische Violinistin Vilde Frang etwa, die Stegmayer beim Richard-Strauss-Festival in Garmisch-Partenkirchen erstmals gehört und 2011 sogleich engagiert hat. Auch Michael Wollny, der „Sonnyboy des Jazz“, war schon in Pullach zu hören – lang bevor er die großen Konzertsäle weltweit gefüllt hat. Überhaupt, welche Höhepunkte haben die Veranstaltungskalender der letzten Jahre bestimmt? 

Besonders war, sagt Stegmayer, ganz sicher die Lesung mit Schauspieler Rolf Boysen, der auch in der Gemeinde gewohnt hat und für seine Nachbarn „Die Marquise von O.“ von Kleist zum Vortrag gebracht hat von Kleist. Für Kinder herausragend war das Theater „Ente, Tod und Tulpe“ nach einem Bilderbuch von Wolf Erlbruch. Eher spektakulär wiederum: Die „Hamlet“-Aufführung des Neuen Globe-Theaters aus Potsdam im vergangenen Jahr, bei der der junge Prinz seiner Mutter, die kurz vor der Eheschließung mit seinem Onkel steht, in einem bemerkenswerten Outfit und mit High Heels gegenübertritt. „Das war sehr anrührend und mitreißend, es gab stehende Ovationen.“ Ebenfalls herausragend war das Konzert, das unlängst das Szymanowski-Quartett aus Hamburg gegeben hat – und dabei den Bogen spannte von experimenteller Musik über die Klassik bis zur Wiener Salonmusik. 

Klar gab es auch die eine oder andere Veranstaltung, die schwieriger zu vermitteln gewesen ist als ursprünglich gedacht. Das Theaterstück „Super immer nie am Meer“ etwa, das Hannah Stegmayer bei den Ruhrfestspielen gesehen und nach Pullach geholt hatte. Dabei ging es um drei Menschen, die eingesperrt sind in einem Auto – und sich zunehmend gehen lassen. Letztlich benimmt sich dann ausgerechnet der Gebildetste von allen, ein Professor, am schlechtesten. „Das war ein bisschen extrem und kam dann nicht so gut an.“

Gefeiert wird bei einem Konzert des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks mit David Geringas, einem der weltbesten Cellisten. Am 23. April findet es für geladene Gäste statt und wird am Tag darauf ab 11 Uhr fürs breite Publikum wiederholt.

Andrea Kästle

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