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Theater-Chefin Sonja Bahner (l.) als überkandidelte Kreszentiana von der Mühl nebst Gatten Hannes Petrus (Charly Neumeier). Beide wollen der Baronin (Maria Rinderer) den Gutshof abluchsen.

Theater im Brückenwirt

Kumpel Vladi schätzt guten Wein

Pullach - Knoblauch und Kreuze gegen einen bayerischen Vampir? Da kann Vladi nur lachen, da müssen schon andere Geschütze her. Was den „Vampir von Zwicklbach“ umtreibt, zeigt das Theater Lampenfieber in einem Dreiakter im Brückenwirt in Pullach.

Das Stück hat alles, was ein kurzweiliger Theaterabend braucht. Humor, Wortwitz und engagierte Laiendarsteller, denen die Spielfreude erfrischend anzusehen ist. Der geborene Münchner Autor Ralph Wallner schrieb den Schwank vor sechs Jahren als sein drittes Werk. Wallner ist ein Vollblutkünstler, verdient sein Brot als Sänger, Schauspieler, Tänzer und Autor. Bei ihm steht der Spaß an erster Stelle. Wie auch bei Sonja Bahner, die die Story auswählte. Gemeinsam mit Ehemann Kurt (57) leitet die 55-Jährige das kultige Volkstheater Lampenfieber. 1998 ging auf der Bühne im Brückenwirt erstmals ihr Vorhang auf. Kein „krachlederner Klamauk“ kommt den beiden auf die Bühne, sie setzen auf Unterhaltung mit Niveau – und das dreimal jährlich. „Im Frühjahr und Herbst spielen wir Lustiges, zum Jahresauftakt eher Ernstes und gern auch mal Krimis“, erzählt die Chefin. Bauen kann sie dabei auf ein generationenumfassendes Ensemble. Mit 23 Jahren jüngstes Mitglied und heuer erstmals dabei ist Benedikt Frank, der sich mit Angelika Sellner als Vampirjäger-Duo manchen Szenenapplaus einfing. Senior im Team und zum Stammtrio gehörig ist Charly Neumeier (67). Er spielt als Hannes-Petrus den Ehemann der neureichen Krezentiana von der Mühl (Sonja Bahner). Beide wollen der Baronin Theres (Maria Rinderer) ihre 150 Jahre alte Immobilie abluchsen. Spinnweben, alte Weinfässer – zweifelsfrei ist der alte Gutshof von Zwicklbach seit langem verlassen. Umso verheißungsvoller ist die gruselige Location für ein junges Pärchen. Der schüchterne Martl (Robert Schehl) lockt seine Betti (Helene Edmaier) in den Keller des Gemäuers. In einer verstaubten Chronik lesen sie über den Graf von Dracul, der hier hausen soll. Schon bald sollen sie ihn treffen. Er nennt sich Vladi, und sein Biss hat magische Kräfte. Anders als seine Filmkollegen Nosferatu oder Dracula ist er eher der kumpelhafte Typ, der einen guten Wein schätzt. Herbert Froschauer, seit 2006 im Ensemble, glänzt sympathisch in der Rolle. Und die hat Biss: Oft genug wird sein Talent im Verlauf des Stückes gefordert. Niemand kommt freilich zu Schaden. Der Biss ermöglicht es ihm jedoch, für eine Stunde in die Gestalt seines Opfers zu schlüpfen. Wer ist denn jetzt wer? Was für ein Potenzial. Freilich erwachsen daraus die schönsten Verwicklungen. Es gilt, den Verkauf des Gutshofes zu verhindern, Vladi würde obdachlos. Der hat sich mittlerweile in die Baronin verguckt, und auch sie hat bei ihm schon angebissen. Wird Martl das Herz seiner Betti gewinnen? Und kann ein Untoter sich unsterblich verlieben? Natürlich endet der dritte Akt mit einem Happy-End. Nur für wen? Das Publikum im mit 150 Personen restlos ausverkauften Brückenwirt kam auf seine Kosten. Langanhaltender Applaus als Quittung für überzeugende Darsteller und einen originellen Abend im Volkstheater. Kathrin Kohnke

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