Das Plakat für die diesjährige Redoute, das Bild ist den „Fliegenden Blättern“ entnommen, einer Satirezeitschrift aus der Zeit um die Jahrhundertwende. Und hat den frechen Titel: „Der Arterien-Onkel“. Beginn ist am Samstag um 20 Uhr, Einlass eine Stunde vorher. Karten kosten 20 Euro, Vorverkauf im Bürgerhaus.
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Das Plakat für die diesjährige Redoute, das Bild ist den „Fliegenden Blättern“ entnommen, einer Satirezeitschrift aus der Zeit um die Jahrhundertwende. Und hat den frechen Titel: „Der Arterien-Onkel“. Beginn ist am Samstag um 20 Uhr, Einlass eine Stunde vorher. Karten kosten 20 Euro, Vorverkauf im Bürgerhaus.
Ein frühes Plakat des Salonorchesters, als es schon La Rose Pauillac hieß. Vier der abgebildeten Musikern sind immer noch mit von der Partie: Susanne Storek am Klavier, Querflötistin Petra Rossius, Irmi Mallach (3.v.r.) und Daniela Heisel (2.v.r.), beide Geige. Inzwischen gibt es vom „großen“ Salonorchester auch einen Ableger, La Rosette Pauillac.
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Ein frühes Plakat des Salonorchesters, als es schon La Rose Pauillac hieß. Vier der abgebildeten Musikern sind immer noch mit von der Partie: Susanne Storek am Klavier, Querfl ötistin Petra Rossius, Irmi Mallach (3.v.r.) und Daniela Heisel (2.v.r.), beide Geige. Inzwischen gibt es vom „großen“ Salonorchester auch einen Ableger, La Rosette Pauillac.

Ballsaison

Tanzmusik im Namen der Rose aus Pullach

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Wie das ungewöhnliche Pullacher Tanzorchester „La Rose Pauillac“ zum Namen der Rose gekommen ist samt Taufe in einem französischen Schloss - das ist eine ganz besondere Geschichte.

Pullach – Kommenden Samstag, 16. Februar, ist wieder Redoute in Pullach. Im Bürgerhaus werden dann, zum 15. Mal, wohl wieder 100 bis 150 Leute antanzen zur Münchner Francaise, werden sich munter im Walzertakt drehen oder temperamentvolle Polkas aufs Parkett legen. Nach Anweisung von „Tanzmeister“ Johannes Schuster – und zu schwungvoller, alter Tanzmusik, gespielt vom Salonorchester La Rose Pauillac. Das heuer ein besonderes Jubiläum feiert.

Und zwar ist das Ensemble mit der Rose im Namen vor 20 Jahren getauft worden. Mit allem Drum und Dran, besonders feierlich sogar in einem richtigen Schloss, in Frankreich.

Namensgeber: Die Winzer der Partnergemeinde

In der dortigen Partnergemeinde von Pullach heißen nämlich rund 80 Winzer, die sich zusammengeschlossen haben zu einer Genossenschaft, um neben der übermächtigen Konkurrenz der dort kultivierten Grand Crus mit ihren Produkten überhaupt bestehen zu können, auch La Rose Pauillac. Die Pullacher Musiker haben sich den Namen von ihnen ausgeliehen, weil sie fanden, er klingt „schwungvoll und altmodisch“ zugleich, und gefallen hat Irmi Mallach, die die Formation leitet, die Bezeichnung auch deshalb, weil die Rose im Französischen ein Symbol ist für tänzerische Leichtigkeit. Alle fanden, dass man die Namens-Übernahme gescheit feiern muss.

Von Unterhaltungsmusik erst keine Ahnung

Überhaupt, zur Geschichte des zehnköpfigen Orchesters, das seit Mitte der 90er am linken Isarhochufer immer wieder zu Tanztees lädt und vor 15 Jahren dann eben auch die Redoute im Veranstaltungskalender verankert hat, gibt es nette Geschichten zu erzählen. Allein die Gründung des Ensembles fand schon unter besonderen Umständen statt: Anlass war ein Straßenfest, das mit Besuchern aus Pauillac und Baryschiwka, den beiden Partnergemeinden, gefeiert werden sollte. Mit Musik, die sich die damalige CSU-Kulturreferentin Renate Seidel „schwungvoll und heiter“ wünschte, als sie zu Irmi Mallach sagte: „Du musst da spielen.“

Ungewöhnlicher Notenbestand

Was erstmal gar nicht so einfach war, die ehemalige Musiklehrerin am Gymnasium Pullach, die zu der Zeit die Musikschule in der Kommune leitete, war ja klassisch ausgebildet, ebenso ihre Lehrer. „Wir hatten“, erzählt sie einem heute lachend, „von Unterhaltungsmusik keine Ahnung.“ Was sie immerhin schonmal besaßen und auch gleich hervorkramten, als sie sich zu zehnt zu einer ersten Probe einfanden: Das waren Noten. Es hatte nämlich, wieder Jahre vorher, als wenn er gewusst hätte, was kommen würde, ein älterer Herr seinen Notenbestand der Schule übergeben. Der Mann war Fagottist gewesen, er konnte wegen seiner Zähne nicht mehr spielen, er hatte Angst, dass seine Familie die Sachen einfach wegwerfen würde. Irmi Mallach übernahm die Papiere, dachte aber: „Das werd ich nie brauchen!“ – und stopfte alles erstmal in den nächsten Schrank. Jetzt waren sie und die Kollegen hoch erfreut über die Schätze, die sie in den diversen Mappen vorfanden. Hier ein Charleston, da ein Black Bottom, jede Menge Foxtrotts, dazwischen das „Spatzenkonzert“ von Peter Igelhoff sowie viele Schlager aus den 20er und 30er Jahren wie „Zum Abschied reich ich Dir die Hände...“

Die Formation bleibt zusammen

Das Ganze also: „ein Glücksfall“, weshalb nicht nur die Proben „großen Spaß“ machten, sondern auch die Festivität vor der Feuerwehr „ein voller Erfolg“ geworden ist: „Ukrainer, Franzosen und Deutsche tanzten wild durcheinander und wollten immer noch mehr“. Irmi Mallach: „Da beschlossen wir zehn Lehrer, weiter in dieser Formation zu spielen.“ Sie waren bei offiziellen Veranstaltungen zu hören, gaben auf Privatfesten den Takt vor. Machten sich also durchaus einen Namen – aber leider: Sie hatten ja noch gar keinen. Als „Salonorchester der Musikschule Pullach“ traten sie auf, das klang natürlich eher spröde.

Idee zum Namen kam bei einer Flasche Wein

Dass der schöne Name der Rose für sie, die Ensemblemitglieder, eigentlich wie geschaffen ist: Das wiederum kam Irmi Mallach und ihrem Mann irgendwann Ende der 90er, an einem Abend bei sich zuhause. Als sie grade einen Wein aufmachten, von den vereinigten Winzern. „Das ist es!“, erzählt die Musikerin, haben sie beide mit Blick aufs Etikett im selben Moment gesagt. Also? Fragte sie vorsichtig in Pauillac an, ob man sich die Bezeichnung denn ausleihen dürfe? Na klar, kam zur Antwort, „nous sommes flattés“, wir fühlen uns geehrt. Anbei: die Einladung zur Taufe. Zu der wiederum reisten nicht nur die Orchestermitglieder an, sondern die damalige Bürgermeisterin Sabine Würthner (FDP) kam auch gleich mit auf Schloss Grand Puy Ducasse. Im Lauf der Feierlichkeit bekam der Täufling auch eine richtige Taufurkunde, geschrieben in schnörkeliger Schrift, mit vielen Unterschriften und Wappen.

Ansonsten? Haben die Musiker von La Rose Pauillac inzwischen ihren Noten-Fundus noch einmal beträchtlich erweitert. Für 300 Mark erwarben sie den Nachlass eines Kapellmeisters, dessen Papiere ein ganzes Gartenhaus in Germering füllten und dort zwei Weltkriege überstanden hatten. Jetzt reichten nicht mehr, um die Sachen zu verstauen, ein paar Schränke in der Musikschule. Jetzt räumte Mallach deshalb vorübergehend ihre Garage aus. 

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