Das Wohnzimmer von Pullach: Der Kirchplatz ist bei den Bürgern beliebt. Die Grünen wollten mit einer Verkehrsberuhigung mehr Platz für die Menschen schaffen. Doch einige Gemeinderäte sehen das Geschäftsleben in Gefahr.
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Das Wohnzimmer von Pullach: Der Kirchplatz ist bei den Bürgern beliebt. Die Grünen wollten mit einer Verkehrsberuhigung mehr Platz für die Menschen schaffen. Doch einige Gemeinderäte sehen das Geschäftsleben in Gefahr.

Gemeinderat nicht begeistert

Kirchplatz in Pullach: Beleben statt beruhigen

  • vonAndrea Kästle
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Der Gemeinderat in Pullach lehnt einen Antrag der Grünen ab, den Kirchplatz zeitweise für den Verkehr zu sperren.

Pullach – Der Kirchplatz ist das Wohnzimmer von Pullach, und nicht nur in Corona-Zeiten sitzen die Leute, kaum zeigt sich ein wenig die Sonne, auf den Bänken. Es gibt hier eine Eisdiele und zwei Cafés, und rund um einen Brunnen, auch wenn der kein Schmuckstück ist, haben Kinder genug Platz, um zu spielen. Die Grünen im Gemeinderat haben deshalb beantragt, die Aufenthaltsqualität in der Ortsmitte weiter zu verbessern – und den Kirchplatz zeitweise mit fahrzeughemmenden Pollern für den Verkehr zu sperren.

Der Antrag ging in der jüngsten Sitzung aber nicht durch.

Fabian Müller-Klug begründete die Initiative seiner Fraktion: „Auch im Ortsentwicklungsplan ist die Verkehrsberuhigung ein zentrales Ziel, wir wollen den Menschen mehr Platz geben.“ Seine Fraktionskollegin Renate Grasse meinte, es gehe darum, die Perspektive zu wechseln – weg vom Auto, hin zum Menschen.

Maßnahmen der Grünen gehen Verwaltung zu weit

Aber die Maßnahmen, die die Grünen vorgeschlagen hatten, gingen selbst der grün-geführten Verwaltung zu weit. Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund schlug eine Art Kompromiss vor, sie wollte drei Schrägparkplätze in der Münchner Straße beim Kirchplatz quasi stilllegen – indem diese Parkplätze umgewidmet worden wären als Behindertenparkzone, die vermutlich meist frei bliebe. Dann hätten Fußgänger und Passanten mehr Platz, argumentierte sie.

Auch ihre Idee wurde vom Gremium jedoch für nicht gut befunden. Caroline Voit (Pullach Plus), selbst Mutter von zwei Kindern, meinte: „Ich kann doch meinem Dreijährigen nicht sagen, hier auf diesem Parkplatz darfst Du spielen, aber gegenüber der Parkplatz ist verboten. Die Parkplätze umzuwidmen: Das bringt überhaupt nichts.“

Parkplätze aus dem Verkehr ziehen: Gemeinderat ist nicht begeistert

Auch andere Gemeinderäte waren von der Idee, Parkplätze quasi aus dem Verkehr zu ziehen, nicht begeistert. Die Geschäfte und Ärzte am Kirchplatz seien dringend darauf angewiesen, dass Leute ihr Auto abstellen könnten, Cornelia Zechmeister von der WiP sagte: „Wir haben am Kirchplatz um jeden Parkplatz gekämpft.“ Ihre Fraktionskollegin Angelika Metz meinte sinngemäß, man könne halt einfach nicht alles haben – auf einem Platz: „Die Eier legende Wollmilchsau gibt es nunmal nicht.“ Uwe Eisenmann, CSU, wiederum argumentierte, soviel Handlungsbedarf bestehe nun auch wieder nicht in der Ortsmitte: „Wir sollten stolz sein auf unseren Platz.“

Andreas Most: „Thema zu komplex“

Andreas Most (Pullach Plus) sagte in der Diskussion, das Thema sei zu komplex, um es auf die Schnelle im Gemeinderat zu besprechen. Die künftige Verkehrsführung am Kirchplatz sei auch nicht losgelöst zu denken, man müsse bei den Überlegungen immer auch das Bahnhofsareal mitdenken, das Pullach ja irgendwann mal bebauen wird. Er plädierte dafür, mit der Angelegenheit die Mobilitätsbeauftragte zu betrauen, die in der Gemeinde dieses Frühjahr anfangen wird.

Nicht glücklich war Most auch mit der Tatsache, dass aus dem Grünen-Antrag gefolgt wäre, dass neun Parkplätze am Kirchplatz entfallen. „Ich glaube nicht, dass die Leute dann alle mit dem Rad zum Einkaufen kommen werden“, sagte er nach der Sitzung. Viele kämen dann halt gar nicht mehr, das sei den Geschäftstreibenden nicht zuzumuten.

Die Poller, die die Grünen vorgeschlagen haben, hätten den Kirchplatz auf zwei Seiten quasi abgeriegelt – einmal auf Höhe der Bäckerei Brotzeit, gegenüber dann ungefähr bei der Raben-Apotheke. Der Platz wäre auch zu Geschäftszeiten nicht mehr anzufahren gewesen.

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