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Gutscheine statt Essen: Die Caritas hat für ihre Tafeln wie hier in Unterschleißheim eine Lösung gefunden.

Hilfe wird neu organisiert

Coronakrise trifft Tafeln im Landkreis hart

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Besonders hart trifft die Corona-Krise die Ärmsten, die bisher nur mit Hilfe der Lebensmittel-Tafeln über die Runde gekommen sind. Die Lebensmittelausgaben sind geschlossen. 

Landkreis/Pullach– In Pullach war Johannes Schuster, erster Vorsitzender der Isartaler Tisch e.V., die letzten Tage vor allem mit Telefonieren beschäftigt. 177 Menschen, die nachgewiesen als bedürftig gelten, versorgt der Tisch normalerweise mit Lebensmitteln. Jetzt mussten Schuster und seine Mitstreiter den Leuten mitteilen, dass die Lebensmittelausgabe erst einmal diese und nächste Woche geschlossen ist. „Die meisten unserer ehrenamtlichen Helfer gehören selbst zur Risikogruppe“, sagt Schuster. Dazu komme, dass Lebensmitteldiscounter wegen der vielen Hamsterkäufe keine Lebensmittel mehr zum Spenden übrig hätten. Es blieb keine andere Lösung, als die Ausgabe zu schließen. 

Tafeln arbeiten an alternativen Lösungen

Einige kommen wohl vorerst über die Runden, doch es gibt auch besonders harte Fälle, wo schnelle Hilfe von Nöten ist. Längst sind es nicht nur arme Rentner, die auf die kostenlosen Lebensmittel angewiesen sind. „Wir haben als Kunden die ganze Bandbreite von der Alleinerziehenden bis zur Großfamilie mit acht Kindern“, sagt Schuster. Viele der Kunden seien auch krank oder hätten andere Schwierigkeiten. Fest steht für Schuster: „Wir können sie nicht hängen lassen.“ Daher arbeiten er und sein Team gerade an einer alternativen Lösung. So hatte er bereits Kontakt zu einer Firma, die normalerweise die Gastronomie und Catering-Services beliefert und die jetzt Bestand an verderblichen Waren abbauen muss. Auch stabile Tüten hat er bestellt, in welche Lebensmittel abgepackt und verteilt werden können. „Wir überlegen gerade, wie wir das organisieren, ob wir eventuell auch ausliefern“, sagt Schuster. Angebot von möglichen Helfern gebe es schon einige. „Die Gemeinde bündelt das gerade.“ Doch neue Helfer müssten auch angeleitet werden. „Wir brauchen jetzt die Tage, um da ein Modell zu entwickeln.“

Großzügige Spenden von Firmen und Lebensmittelmärkten

Positive Nachrichten kommen von der Caritas im Landkreis München. Über ihre sechs Lebensmittelausgaben im Landkreis versorgt sie mehr als 10 000 Menschen. Vergangene Woche mussten die Ausgabestellen schließen. Dank einer „riesen Teamleistung“, wie Antje Spilsbury, stellvertretende Kreisgeschäftsführerin, betont, sei nun eine Lösung gefunden. Mithilfe großzügiger Spenden von Firmen und Lebensmittelläden können die Bedürftigen in den Gemeinden nun mit Gutscheinen für Lebensmittelmärkte versorgt werden. „Viele Unternehmen waren sehr großzügig, einige Lebensmittelmärkte haben auf die Gutscheine, die wir gekauft haben, nochmal so viele gratis draufgelegt“, freut sich Spilsbury. Einen 10 Euro-Gutschein soll nun jeder Kunde mit Berechtigungsschein pro Person pro Woche bekommen, also eine Familie mit zwei Kindern demnach 40 Euro. „Wobei wir jeden Einzelfall anschauen“, sagt Spilsbury. Die Gutscheine werden an den Ausgabestellen verteilt. „Im Notfall werden wir sie bei Leuten, die schlecht zu Fuß sind, auch mal in den Briefkasten werfen.“

Bis nach Ostern Angebot gesichert

Die Ausgabe funktioniert gut. Caritas-Kreisgeschäftsführer Matthias Hilzensauer schaute am Freitag selbst beim Hachinger Tisch vorbei. „Das lief sehr gesittet ab“, berichtet er. „Jeder hat den Sicherheitsabstand von zwei Metern eingehalten.“ Bis nach Ostern sei das Angebot gesichert. Ab Montag werde zudem in Ottobrunn eine Telefonzentrale für Bürgerschaftliches Engagement eingerichtet, worüber man jüngere Ehrenamtliche für die Ausgabestellen suche.

Spendenkonto der Caritas

Um das Angebot in dieser Krisenzeit aufrecht erhalten zu können, ist die Caritas weiterhin auf Spenden für Lebensmittelgutscheine angewiesen: Spenden an: Caritas Dienste Landkreis München, Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE46 7002 0500 8850 0004 20

BIC: BFSWDE33MUE, Zweck: 410 500 Corona.

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