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„Es kann sich alles einspielen“: die Erkenntnis nach zwei Wochen Homeoffice von Janina Decke. Ihre beiden Mädchen sind zwei und fünf Jahre alt.

Coronavirus

Job und Kinder unter einem Dach: So meistern diese vier Mütter ihren Arbeitsalltag im Homeoffice

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Homeoffice mit kleinen Kindern, Arbeiten in Zeiten von Corona. Noch nie mussten so viele Menschen ihren Alltag neu organisieren. Vier Mütter aus Pullach berichten aus ihrem Arbeitsalltag im Homeoffice.

Pullach– Das war wieder einer dieser Momente. Michaela Karakelle war grade in einer Video-Konferenz mit ihrer Kollegin Swantje Schütz, sie schaute auf den Laptop, da sagte Frau Schütz: „Jetzt drehst Du Dich mal um und schaust, was Deine Tochter macht.“ Karakelle konnte grade noch verhindern, dass ihre Zweijährige, die auf dem Bügelbrett rumturnte, mit dem Ding auf den Boden geknallt ist.

Homeoffice mit kleinen Kindern, Arbeiten in Zeiten von Corona. Noch nie mussten so viele Menschen ihren Alltag neu organisieren, mussten eine Form finden, wie sie daheim die Kinder bei Laune halten – ohne dabei den eigenen Job zu vernachlässigen.

„Es ist eine absolute Herausforderung“

Swantje Schütz, seit Mai 2007 in der Presseabteilung der Gemeinde Pullach tätig, nach zehn Tagen: „Die erste Zeit war grenzwertig für alle, wir sind zum Teil in die Knie gegangen.“ Janina Decke, die wie Michaela Karakelle und auch Sophia Schreib bis vor kurzem mit ihr ein Büro im Erdgeschoss links im Rathaus geteilt hat, sagt: „Es ist eine absolute Herausforderung.“ In der ersten Woche habe sie ihre Kinder „permanent vertrösten“ müssen, inzwischen sei klar geworden: Ein „strukturierter Plan“ muss her, für alle Beteiligten.

Swantje Schütz an ihrem improvisierten Arbeitsplatz. Nach rund zehn Tagen Berufstätigkeit zuhause haben sie und ihr Mann das Wohnzimmer mal wieder umgeräumt.

Denn das kommt ja auch noch dazu: Die Männer sind natürlich ebenso daheim. Müssen auch arbeiten. Müssen manchmal aber auch zusätzlich abgeschirmt werden von den lieben Kleinen. Der Partner von Frau Schütz hatte an dem Tag, an dem man mit ihr telefoniert, ein hoch-wichtiges Gespräch. Da machten sie für den Kleinsten ihrer drei Buben, der sechs ist und nicht immer versteht, warum er keine Antwort bekommt von den Erwachsenen, wenn er sie was fragt, vorsichtshalber einen Film an. „Das war uns zu heikel.“

Voraussetzung ist eine funktionierende Technik

Dabei, dies vorweg: Die technischen Voraussetzungen für die vier Kolleginnen, die alle junge Mütter sind, sind ideal. Die Gemeinde Pullach hat ihre 64 Mitarbeiter in Rekordzeit mit Laptops ausgestattet, die IT-Abteilung in der Johann-Bader-Straße, die eigentlich nur aus zwei Leuten besteht, hat die Laptops alle eingerichtet. Und gleichzeitig auch noch eine neue Telefonanlage zum Laufen gebracht, die jetzt Kommunikation in vielen Formen ermöglicht – nur halt nicht persönlich. Swantje Schütz sagt: „Ich kann arbeiten, als wäre ich im Büro.“

„Die jetzige Situation schweißt uns auch auf eine Art zusammen, auch wenn es super stressig ist.“ Michaela Karakelle mit ihren Töchtern, zwei und sechs Jahre.

Einen „strukturierten Plan“, wie sie ihn bei Janina Decke daheim erstellt und sogar für die Kinder aufgemalt haben – den haben inzwischen alle vier Presse-Verantwortlichen in der Isartalgemeinde gemacht. Swantje Schütz spielt mit den beiden großen Buben, neun und elf, daheim den Schulalltag genau nach, bis 13 Uhr werden Aufgaben gemacht, sie schickt ihre Kinder sogar zur gewohnten Zeit in die Pause nach draußen. „Da toben die dann und spielen.“

Geschwister beschäftigen sich mehr miteinander

Sophia Schreib ist die andere im Team, die schon ein Schulkind hat – Luise geht in die zweite Klasse. „Wenn ich ihr einfach die Arbeitsblätter in die Hand drücke und sag: mach mal – das klappt nur, wenn sie Schönschrift üben soll.“ Mit Mathe gehe allein bei der Tochter wenig vorwärts, das wird dann halt geübt, wenn Frau Schreib ihre 27 Wochenstunden für die Gemeinde runtergeradelt hat. „Da sitzen wir dann am Wochenende drüber.“ Sie sagt: „Es ist noch chaotisch.“ Wie sie berichten auch die Kolleginnen, dass neuerdings die Geschwister mehr miteinander zu tun haben, was schön sei. Sophia Schreib: „Vor ein paar Tagen musste Luise ein Referat machen über Hamster, dann hat ihr kleiner Bruder am Tisch gleich mitgebastelt.“ Spielfreunde werden nirgends mehr getroffen, die große Tochter von Michaela Karakelle, die sechs ist, unterhält sich neuerdings mit ihrer besten Freundin über Facetime, auch der Kontakt mit den Großeltern wird so aufrecht erhalten.

Sophia Schreib beim Arbeiten zuhause – umgeben von ihrem Sohn und ihrer Tochter. „Inzwischen fragen die Kinder nicht mehr, ob sie auf den Spielplatz dürfen.“

Über Corona haben sich alle Mütter mit ihren Kindern unterhalten, jedenfalls mit den älteren. Wie sollten die Kleinen denn auch sonst verstehen, dass die Eltern zwar zuhause sind, aber keine Zeit haben für sie, dass zwar der Kindergarten zu hat, aber man trotzdem nicht ins Schwimmbad gehen kann? Bei Karakelles zuhause wird im Zusammenhang mit der Pandemie nur noch vom „blöden Virus“ geredet.

Vom Durcheinander zur Routine

Inzwischen ist in allen vier Haushalten das anfängliche Durcheinander einer ersten Form von Routine gewichen. Swantje Schütz berichtet mit einer Reihe von Smileys per Mail, dass zuhause ja der Kaffee besser schmecke. Janina Decke, deren Kinder zwei und fünf sind, vermerkt: „Woche zwei läuft schon besser als Woche eins.“ Und bei Michaela Karakelle ist klar geworden: Gleichzeitig arbeiten können sie und ihr Mann auf keinen Fall, „wir müssen uns abwechseln“. Weil sonst die Zweijährige auf die Idee kommt, das Bad mit Zahnbürste und Zahnpasta zu putzen.

Man rückt innerlich enger zusammen

Ansonsten? Hat diese schlimme, schwierige Zeit auch kleine schöne Effekte. Janina Decke sagt: „Auch wenn man Abstand halten soll, rückt man innerlich enger zusammen.“ Michaela Karakelle ist erst jetzt aufgefallen, seit sie immer zusammen essen, dass ihre Zweijährige das Essen sortiert – und verschiedene Schüsselchen für verschiedene Beilagen braucht. Ob sie einen Tipp haben für andere Eltern, denen es ja allen ähnlich geht im Moment? Durchaus. Nie die Penatencreme im Kinderzimmer liegen lassen. Weil Kinder sich damit gern zusätzlich einschmieren. Und dann ins Wohnzimmer tapsen und aussehen wie ein Schlossgespenst.

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