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Am Ende stimmte die Mischung: Vorplattler Andreas Tschermak und Vize-Vereinschefin Petra Haller durften die Trophäe küssen – den Bayerischen Löwen aus Porzellan.

Trachtenverein Pullach

„D’Hochleitner“ Trachtler aus Pullach sind Weltmeister im Schuhplatteln und Dirndldrehen

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Die weltbeste Trachtengruppe im Schuhplatteln und Dirndldrehen kommt aus dem Isartal: „D’Hochleitner“ aus Pullach haben im Allgäu gegen hunderte Mitbewerber im Preisplatteln gewonnen. Die Gegner kommen nicht nur aus Bayern, sondern sogar von jenseits des Atlantiks.

Pullach – Vier Rote Dirndl-Röcke rotieren über Pressspan-Bodenplatten, Vier Paar Burschen-Hände schnalzen über krachlederne Hosenschenkel – alles im strengen Takt der Ziach. Jeder Schlag, jeder Schritt muss sitzen, es geht um was. Als nach knapp drei Minuten das Festzelt von Haldenwang im Allgäu klatscht und johlt, ist für die Pullacher Trachtler das Schwierigste überstanden.

Wobei, für Andreas Tschermak und seinen Trupp von den „Hochleitnern“ Pullach ist das Warten auf das Urteil der Preisrichter nervenaufreibender als der Wett-Tanz selbst, davon zeugen geballte Fäuste und versteinerte Mienen, als die Platzierungen ausgerufen werden. Dann bricht auf einen Schlag der Jubel-Wahnsinn aus, die Fäuste fliegen in die Höhe und die Burschen und Dirndl fallen sich um den Hals. D’Hochleitner Pullach sind Weltmeister im Preisplatteln.

Sogar in Kanada gibt es Trachtler, wie die „Volkstanzgruppe Almrausch“

Vor Bierzelt-Kulisse haben vier Paare des Trachtenvereins „D’Hochleitner Pullach“ im Allgäu gemeinsam eine weltmeisterliche Vorstellung aufs Pressspan-Parkett getanzt. Bewertungskritierien: Geschwindigkeit, Kraft, Ausstrahlung, Tracht und Musikalität.

Dirndldrehen und Schuhplatteln – keine globalen Leistungssportdisziplinen, möchte man meinen. Dass es sich bei dem Turnier trotzdem um eine veritable Weltmeisterschaft handelte, ist den Amerikanern zu verdanken. Der dortige „Gauverband Nordamerika“ hat Dutzende Mitgliedervereine – von den „Bavarian Sports Club Holzhackerbuam Toledo“ aus Ohio im Norden bis zu den „Original Auerhahn Schuhplattler of Miami“ im Südosten. Sogar in Kanada gibt es welche, wie die „Volkstanzgruppe Almrausch“ aus Brampton, Ontario.

Gut 250 bis 300 Trachtler, viele davon mit deutschen Wurzeln, sind für die Weltmeisterschaft über den Atlantik bis ins Festzelt des 4000-Einwohner-Ortes Haldenwang gereist. In voller Tracht und bestens trainiert, versteht sich. „Von den Bayern kennst du die erst weg, wenn sie den Mund aufmachen“, erzählt Pullachs Ober-Plattler Tschermak. Deutsches Trachtler-Vokabular wie „Kropfkette“ oder „Joppe“ beherrschen die Amerikaner mangels entsprechender englischer Begriffe sowieso.

Die Preisrichter hören jedes Klatschen oder Stampfen der Tänzer

Und Andreas Tschermak, im zivilen Leben Friseurmeister mit Salon in München, ist eine Art transatlantischer Schuhplattel-Botschafter. Seit mehr als zehn Jahren ist er Mitglied im kalifornischen Trachtenverein „Golden Gate San Francisco“, war mal mit einem Amerikaner verheiratet und war vor vier Jahren der erste Deutsche, der jenseits des Atlantiks Weltmeister im Einzel-Schuhplatteln geworden ist – als dort der Wettbewerb stattfand.

„Definitiv“ können auch die Amis platteln, sagt er. „Die sind eine starke Konkurrenz.“ Aber 2018, im Allgäu, sind die bestplatzierten aus Cleveland, Ohio, halt nur Dritter geworden. Weltmeister sind die Pullacher. Und Andreas Tschermak ist ihr Vorplattler – so etwas wie ein Spieler-Trainer beim Fußball. Oder, wie er selber sagt: „Tanzlehrer, Coach, Kasperl für alles, der den Haufen zusammenhält.“

Es ist das zweite Mal, dass der 32-Jährige seine vier Dirndl und drei Mitburschen – der Jüngste ist 14, der Älteste 52 – des Pullacher Vereins auf Weltspitzenniveau gedrillt hat. Jede Bewegung muss synchron sein, die Hände immer auf der gleichen Höhe, die Preisrichter hören jedes Klatschen oder Stampfen, das einen Sekundenbruchteil zu früh oder zu spät kommt. „Wir sind ein bisserl verrückter als andere Vereine“, sagt Tschermak. „Uns packt der Sportlertrieb, wir wollen gewinnen.“

Die Siegertrophäe hat vor 15 Jahren Edmund Stoiber gestiftet

Im vergangenen Jahr hat das schon einmal geklappt, nach einer elfjährigen Siegesserie des Erzrivalen der Pullacher Trachtler – dem Trachtenverein Almfrieden aus Steingaden (Kreis Weilheim Schongau). „Das war ein Mega-Schmankerl“, sagt der Pullacher Vorplattler. „Aber wir mussten unbedingt ein zweites Mal gewinnen und klarstellen: Das war kein Zufallssieg.“

Jetzt sind sie also Weltmeister und Titelverteidiger, die Pullacher. Sie dürfen sich ein weiteres Jahr mit der entsprechenden Trophäe schmücken: dem Bayerischen Löwen aus weißem Porzellan mit dem weiß-blauen Rautenwappen zwischen den Pranken. Gestiftet hat den vor gut 15 Jahren der damalige Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Wer ihm das schmucke Stück bei der Preisverleihung übergeben hat, ob es überhaupt Politprominenz ins Festzelt geschafft hat, ist Andreas Tschermak im Freudentaumel übrigens entgangen. „Ist ja auch wurscht“, sagt er. „Hauptsache, das Ding ist wieder in Pullach.“

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