Hinter der dicken Stahltür im Keller des ehemaligen Sparkassengebäudes in Ebersberg lagert der Impfstoff gegen das Coronavirus. Einer der wenigen, die den Zugangscode kennen, ist Liam Klages, der Chef im Haus.
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Hinter der dicken Stahltür im Keller des ehemaligen Sparkassengebäudes in Ebersberg lagert der Impfstoff gegen das Coronavirus. Einer der wenigen, die den Zugangscode kennen, ist Liam Klages, der Chef im Haus.

Liam Klages

Junger Pullacher ist der Chef des Ebersberger Impfzentrums

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Der 20-jährige Liam Klages aus Pullach ist der Chef im Ebersberger Impfzentrum. Mit Souveränität und Selbstbewusstsein zeigt er, dass Alter keine Rolle spielt, um einen verantwortungsvollen Job meistern zu können.

Pullach/Ebersberg - Liam Klages ist der Hüter über den begehrten, raren Impfstoff, der im Keller des ehemaligen Sparkassengebäudes hinter dickem Stahl lagert. Nur drei Leute kennen den Code, zur Sicherheit ist die insgesamt 16-stellige Zahlenkombination außerdem in einem verschlossenen Umschlag im Ebersberger Landratsamt hinterlegt.

Immer gut vorbereitet

„Kein Mensch hat bisher gewusst, wie man ein Impfzentrum aufgebaut.“ Denn natürlich wird der 20-Jährige immer wieder auf sein Alter angesprochen. Gern schwingen dann Zweifel an seiner Eignung und Erfahrung mit. Zumal man ihm rein äußerlich ein paar Jahre weniger auf dem Buckel auch noch abnehmen würde. Das war schon so, als er mit 15 bei der Jugendfeuerwehr mehr machen wollte, als er damals durfte. Darüber, dass er meistens viel, viel jünger ist als die anderen um ihn herum, sagt er: „Das muss ich aufwiegen mit Fleiß, Flexibilität und Engagement.“ Ein auffälliger Zug an Klages: Er spricht druckreif, ist einer, der sich vorbereitet.

Um 5.30 Uhr klingelt täglich der Wecker, erzählt er. Eine Stunde später sperrt er das Impfzentrum auf, wirft als erstes die Kaffeemaschine an. „Ohne Kaffee läuft hier gar nichts.“ Er räumt die Arztzimmer auf, zählt und portioniert den Impfstoff, teilt das Personal ein. Wenn die Mitarbeiter um dreiviertel acht eintreffen, ist der Tag schon durchgeplant. In der Früh und vor Feierabend gibt es eine Ansprache darüber, was war und was wird.

Zusammen mit zwei Freunden Firma in Taufkirchen

Bisher läuft der Laden. Das sagt nicht nur der Chef im Haus, das sagt auch das Landratsamt, und das sagen die Menschen, die nach der Impfung über den Sparkassenplatz davon schlendern. Die allermeisten wirken zufrieden mit der Organisation vor Ort, fühlen sich gut aufgehoben. Dabei war die Betreiberfirma Tresec aus Taufkirchen ein Drei-Mann-Unternehmen, bevor sie den Zuschlag für das Impfzentrum bekam; Klages und die beiden Geschäftsführer sind gute Freunde. Jetzt beschäftigen sie rund 90 Angestellte – vom Arzt bis zum 450-Euro-Jobber.

Zuvor hatten die Drei andere Unternehmen beraten, was Datenschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit angeht. Dann war plötzlich Pandemie und sie berieten Firmen, die im vergangenen Frühjahr auf einen Schlag Corona-Testzentren aus dem Boden stampften und dafür das Personal auftreiben mussten. „Die Erfahrung hat uns geholfen“, sagt Klages. Als die Ausschreibung für den Betrieb des Ebersberger Impfzentrums publik wurde, entschloss sich die Firma, selber mitzumischen. Klages arbeitete er ein Angebot aus, Tresec bekam den Zuschlag. „Wir hatten das Selbstbewusstsein, Großes auf die Beine zu stellen“, sagt er.

Eigentlich kommt er aus dem Rettungsdienst

Das Organisieren und Kommunizieren hat der 20-Jährige nicht im BWL-Studium gelernt, er ist im 5. Semester, momentan lässt er es ruhen, hat Dringenderes zu tun. Eigentlich kommt der Pullacher aus dem Rettungsdienst, ist Rettungssanitäter sowie Atemschutzträger und Drehleiter-Maschinist bei der Pullacher Feuerwehr. In seinem Social-Media-Profilbild steht er in Feuerwehruniform neben einem Notarztauto. „Beruf und Berufung verbinden“, nennt er das, was er tut.

Für den privaten Rettungsdienst MKT hat die Katastrophen-Großübungen mit hunderten Teilnehmern mitorganisiert, die schon mehrfach nahe Lampferding (Kreis Rosenheim) an der südlichen Landkreisgrenze stattgefunden haben. Dafür hat er auch schon mal zwischen zwei Abiturprüfungen die Kulisse für einen simulierten Flugzeugabsturz aus Österreich herangekarrt. „Ich versuche, jedem zu beweisen, dass das Alter egal ist“, sagt er.

Geld für eine bevorzugte Impfung wurde ihm noch nicht angeboten

Bevor er irgendwann seine eigene Firma gründen will, verspricht Klages, mit aller Kraft dafür zu sorgen, dass die Impfkampagne so gut läuft, wie es eben geht. „Gerade könnte ich mir nichts Geileres vorstellen“, sagt er über den Job als Leiter des Impfzentrums – und hört sich dabei ausnahmsweise an wie 20. Das ist vorbei, als er über die Härten spricht, die die Impfstoffknappheit mit sich bringt. Über die Ängste, die manche Patienten mit ins Impfzentrum bringen. Über die vielen Menschen, die ohne Termin kommen und die er wegschicken muss. Über die zwei, drei Spezialisten am Tag, die die Hotline angelogen haben, was Alter oder Berechtigung angeht und dann vor Ort abblitzen.

Geld für eine bevorzugte Impfung habe ihm bisher keiner angeboten. „Unbezahlbar“, sagt Klages auf die Frage, bei welchem Preis er schwach würde. Er habe sich geschworen, verantwortungsvoll mit dem raren Impfstoff umzugehen und die vorgegebene Reihenfolge einzuhalten. Dazu gehört, dass er sich selbst hat impfen lassen – er fällt wegen seiner Tätigkeit in die höchste Priorität.

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