Das Podium: Von der Gemeinde Jürgen Weiß (oben l.) und Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (unten l.), United Initiators Geschäftsführer Andreas Rutsch (oben, 2.v.l.), neben ihm Christian Boeck von der Bürgerinitiative und Peter Kloeber von der Agenda 21 sowie unten (v.r.) Bert Eisl von der Agenda 21, Walter-Viktor Adolph von der Bürgerinitiative und die von United beauftragte Stadtplanerin Bettina Gerlach.
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Das Podium: Von der Gemeinde Jürgen Weiß (oben l.) und Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (unten l.), United Initiators Geschäftsführer Andreas Rutsch (oben, 2.v.l.), neben ihm Christian Boeck von der Bürgerinitiative und Peter Kloeber von der Agenda 21 sowie unten (v.r.) Bert Eisl von der Agenda 21, Walter-Viktor Adolph von der Bürgerinitiative und die von United beauftragte Stadtplanerin Bettina Gerlach.

Bürgerversammlung

United Initiators: Die Fronten bleiben verhärtet

  • VonAndrea Kästle
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Die Expansionspläne des Chemieriesen United Initiators in Pullach verunsichern die Anwohner. Eine Bürgerinitiative hat sich formiert. Die Gemeinde versucht, mit einer Bauleitplanung Einfluss zu nehmen. Jetzt trafen auf einer Bürgerversammlung alle Seiten aufeinander. Unsicherheiten sollten geklärt, Sorgen ausgeräumt werden. Doch die Fronten bleiben verhärtet.

Pullach – „Die Gemengelage ist komplex, viele Faktoren bündeln sich, verknoten sich, es gibt Sorgen“: So fasste bei der Bürgerversammlung zu den Um- und Ausbauplänen von United Initiators in Pullach Moderator Markus Lanz die Lage der Dinge durchaus treffend zusammen. Dabei war die Stimmung an dem dreieinhalbstündigen Abend zum Teil aufgeheizt. Irgendwann meinte Lanz zu den rund 100 Besuchern im Bürgerhaus: „Es ist erstaunlich, dass soviel Mist über die Verwaltung ausgekippt wird, die versucht, mit der Neuplanung die verschiedenen Interessen zu koordinieren.“

Erstmals hatte auch die Bürgerinitiative „Haselmaus“, deren Bürgerbegehren „Expansions-Stopp der Chemiefirma United Initiators Pullach“ am Abend zuvor vom Pullacher Gemeinderat für nicht zulässig erklärt worden war, einen öffentlichen Auftritt. Ihre Sprecher Christian Boeck und Walter-Viktor Adolf saßen zusammen mit Vertretern der Agenda, United-Geschäftsführer Andreas Rutsch, Jürgen Weiß von der Bauverwaltung, Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne) und Bettina Gerlach, der von United beauftragten Stadtplanerin, auf dem Podium – und gaben sich kämpferisch. Boeck sagte: „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, die Bürger aufzuwecken“, die Ablehnung des Bürgerbegehrens sei „absolut rechtswidrig“. Kathrin Vögl, eine Mitstreiterin, die im Publikum saß, sagte: „Wir werden es zum Bürgerentscheid schaffen. Wir Bürger werden wahrscheinlich die Mehrheit bilden.“

„Keine Mehrung der industriell nutzbaren Flächen“: eine der Empfehlungen der Agenda 21, wie auf einer Infotafel bei der Bürgerversammlung zu lesen ist. 

Sorge, dass sich die Produktion erhöht und das Risiko steigt

Letztlich ging es auch diesmal in immer neuen Varianten um die Frage, ob das Bauleitverfahren, das die Gemeinde eingeleitet hat, um planerisch die Vorhaben von United mitgestalten zu können, impliziert, dass der Chemiekonzern auch die Produktion ausweiten kann. Peter Kloeber, Agenda 21, sagte: „Für uns heißt der neue Bebauungsplan, dass Expansion möglich ist. Und wenn sich die Produktion erhöht, erhöht sich auch die Störfallwahrscheinlichkeit.“ Dabei ist konkret eine Teilfläche im Westen des Firmenareals umstritten, die bislang Gewerbegebiet war, die jetzt Industriegebiet mit eingeschränkter Nutzung werden soll. Hier wären dann auch neue Produktionsanlagen erlaubt. Big Wings, wie die Umstrukturierungsmaßnahme firmenintern genannt werden, sieht das aber erstmal noch nicht vor.

Entsprechend bedeuten, erklärte Jürgen Weiß von der Bauverwaltung, die beiden neuen Bebauungspläne für den Konzern jedenfalls zunächst genau keine Baurechtsmehrung. Sondern im Gegenteil, dass sich die zu bebauenden Flächen um 2100 Quadratmeter und die erlaubte Baumasse um 1200 Kubikmeter reduzieren.

Besucher regt Obergrenzen für Produktions- und Lagermengen an

Ein Ergebnis des Abends könnte sein, dass, wie von einem Besucher angeregt, Obergrenzen für Produktions- und Lagermengen im städtebaulichen Vertrag, der flankierend zum Bauleitverfahren mit United geschlossen werden soll, festzuschreiben. Tausendfreund meinte, so was sei zwar nicht Aufgabe der Verwaltung, „ich nehme es aber mit in die Verhandlungen“. Dem Chemieriesen das Baurecht auf dem südlichen Wäldchen, das seit 1995 besteht und jetzt ja genutzt werden soll, einfach zu entziehen, erachte sie indes als „schwierig“. Der Gemeinderat habe „diesen Weg nicht gehen wollen“, die Gemeinde würde sich damit auch entschädigungspflichtig machen.

Reges Interesse am Infostand: Geschäftsführer Andreas Rutsch (l.) und Werksleiterin Iris Nagl (Mitte) am Infostand von United vor Beginn der Bürgerversammlung.

Ansonsten wurden von den Besuchern angesprochen: der Schwerlastverkehr, der zur Firma und von der Firma wegfährt, und der durch Big Wings ja nur in geringem Maße abnimmt, die Art der Produkte, die gelagert werden (organische Peroxide), das angestrebte Firmenwachstum (2,5 Prozent im Jahr), die Tatsache, dass das Firmengelände ein wenig ungeordnet wirkt und mancher United-Container ziemlich abgenutzt ist.

Stimmen der Bürger

Immer wieder lief die Diskussion auf Beiträge hinaus, die teils beklatscht wurden und lauteten: „Die Gemeinde kann das Waldstück retten und das Industriegebiet verkleinern“, „Die Pläne der Verwaltung sind bei weitem nicht überzeugend“, „Dass die Produkte von United auch für die Herstellung von FFP2-Masken gebraucht werden, kann mich nicht beruhigen“, „Wenn Störfälle unwahrscheinlich sind, sind sie noch lang nicht unmöglich.“ Ein Mann sagte zu United-Geschäftsführer Rutsch: „Wenn Sie der Welt helfen wollten, würden Sie ihre Produktion um die Hälfte reduzieren.“

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