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Dem Parasiten Dampf machen: Das Gerät von Erfinder Richard Rossa (l.) erhitzt die Temperatur im Bienenstock, wodurch die für die Bienen so gefährlichen Milben absterben. Sie landen auf dem Pappkarton. Die Hobbyimker überzeugen sich in Pullach von der Wirkung der 2000 Euro teuren Sauna, suchen nach den toten Schädlingen.

Das Gerät kostet 2000 Euro

Ein Saunagang als Wellness-Kur für Bienen

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Mehr Honig und ein längeres Leben dank der Bienensauna: Das Gerät von Imker Richard Rossa tötet gefährliche Milben in den Stöcken ab und erhöht die Leistungsfähigkeit der Bienen.

Pullach – Nachmittags in einem Garten in Pullach. Von hier aus kann man runterschauen ins Isartal. Neben einem Schuppen steht eine Handvoll Menschen, die sich über ein schubladengroßes Gerät beugen. „Diesen Boden schiebt man unter den Stock, wie ein Backblech in den Ofen“, sagt Richard Rossa, ein Mann in weißer Jacke, mit Bart und Nickelbrille. Er erklärt gerade die von ihm entwickelte Bienensauna. Ein Gerät, das Bienen-Leben verlängern, ja sogar retten soll.

Spätestens seit dem Film „More than honey“ ist bekannt, dass die Biene einerseits die „wichtigste Ernährerin des Menschen“ ist; aber auch, dass ihr Überleben andererseits alles andere als gesichert ist. Einer der Faktoren, die ihr am meisten zu schaffen machen, ist die Ende der 1970er Jahre aus Asien eingeschleppte Varroamilbe. Ein zeckenähnlicher Parasit, der sich längst in jedem Bienenstock, auch in den bayerischen, eingenistet hat. Um wirksam gegen diese Milbe vorzugehen, hat Rossa, der selbst seit Jahren imkert, eine Sauna entwickelt.

Eine Bienensauna kostet 2000 Euro

In Pullach erklärt er den Besuchern, die für die Demonstration sogar bis aus Dorfen im Landkreis Erding gekommen sind, seine Erfindung. Drei Stunden dauere eine Behandlung. Dabei wird die Temperatur im Bienenstock auf 42 Grad hochgefahren, was für die Bienen „keinen Stress“ bedeute – für die Varroamilbe allerdings den Tod. Er zeigt eine Pappe voller Brösel, ein Teil dieser Brösel sind Pollen, die klitzekleinen dunkelbraunen Punkte dazwischen: verendete Milben.

Seit sieben Jahren arbeitet Rossa an seinem Gerät. Seit drei Jahren ist die 2000 Euro teure Bienensauna auf dem Markt. 450 Stück hat er bislang verkauft. „Ich habe alles selbst erforscht“, sagt er. Momentan haben Rossa und seine Frau – „die Biene lebt im Matriarchat, da braucht man einfach eine Frau“ – selbst 70 Bienenvölker, denen sie mit inzwischen zehn Geräten zweimal im Jahr einheizen. Die Erfahrung zeigt: Eine warmgehaltene Biene fliegt zehnmal öfter aus dem Stock und auch bis zu 15 Kilometer weit – die normale Biene schafft gerade einmal 1,5 Kilometer.

„Dann müssen die Bienen nicht selbst wie blöd heizen.“

Rossa empfiehlt, die mit Saunagängen behandelten Bienenstöcke auch zusätzlich unterm Jahr mit Folien warm zu halten. „Dann müssen die Bienen nicht selbst wie blöd heizen.“ Regelmäßig behandelte Bienen würden doppelt so lang leben wie solche in herkömmlicher Haltung. 21 Tage wird eine Durchschnitts-Biene alt, wird sie warmgehalten, kann sie auch 40 Tage leben. Rossa: „Das will niemand glauben. Es kennt ja niemand mehr gesunde Bienen.“

Gut sei an der Sauna auch, dass der Imker quasi nicht eingreift in die Gewohnheiten des Stocks. Das Ganze sei „ein passives System“, das wiederum der Biene, weil sie jetzt nicht mehr selbst für angenehme Temperaturen sorgen muss, die Konzentration aufs Wesentliche ermöglicht. Das heißt: „Sie bringt mehr Honig ein.“ Regelmäßig behandelte Stöcke würden bald das doppelte an Ertrag liefern.

Die Bienen von Gerhard Hoheneder produzieren 300 Kilo Honig

Wie eine Schublade schiebt man das Gerät in den Bienenstock, dann wird sauniert. Regelmäßig warmgehaltene Bienen leben laut Rossa teils doppelt so lange wie normale.

Die Zuhörer in Pullach, einige Männer und zwei Frauen, schreiben teils fleißig mit oder holen sich eins der ausgelegten Info-Blätter. Mit kleinen Ventilatoren inspizieren sie das Gerät, das vor ihnen auf einem Tisch steht. Und wer noch immer nicht so ganz überzeugt ist, der lässt sich vom Gastgeber, dem Pullacher Hobbyimker Gerhard Hoheneder, berichten, wie gut die Sauna funktioniert.

Hohenender hält seit zehn Jahren Bienen. Im vergangenen Herbst hat er sich die Sauna angeschafft, seine elf Stöcke seither zweimal damit behandelt und schon erste Erfolge verzeichnet. „Meine Bienen sind sehr stark aus dem Winter ins Frühjahr gegangen“, sagt er. Momentan generiert er so rund 300 Kilogramm Honig im Jahr. Künftig soll es noch mehr werden. Der nächste Schritt hin zu einem noch produktiveren Bienenvolk: „Ich werde die Stöcke jetzt mit Folien auskleiden“, sagt Hoheneder.

Rossa hat sich seine Erfindung mittlerweile patentieren lassen, inzwischen auch eine Firma gegründet, „Apisystems“ mit Sitz in Augsburg. Dort stellen acht Angestellte die Mini-Heizungen her. Auch Behindertenwerkstätten sind in die Produktion eingebunden. Die verwendeten Materialien sind laut Rossa sehr hochwertig, was dazu führe, dass die Sauna eine Lebensdauer von bis zu 30 Jahren habe. „Ich gehe davon aus, dass Sie das Gerät auch vererben können“, sagt er.

Dass Hitze tatsächlich gegen die Varroamilbe hilft, sei längst bekannt, sagt Rossa auf Nachrage: „Wir setzen nur bekannte Sachen um.“ Gerade wird die Wirksamkeit seiner Sauna auch wissenschaftlich geprüft, drei Dissertationen zu diesem Thema seien in Arbeit.

Zum Abschluss des Tages kaufen die Besucher dann allerdings keine Bienensauna sondern erst einmal den Pullacher Honig von Gastgeber Hoheneder. Der Preis für die Sauna scheint abzuschrecken. Einer der Besucher aus Dorfen, Mitglied im dortigen Imkerverein, meint: Das Gerät sei sicher eine „super Sache. Aber für 2000 Euro kann ich mir soviel Honig kaufen, wie ich in meinem ganzen Leben brauche“.

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