Eveline Petraschka  mit Susanna Tausenfreund
+
Hier noch friedlich vereint: Eveline Petraschka (li.) mit Susanna Tausenfreund bei einer Veranstaltung in der Gemeindebücherei. Archivbild: Brouczek

Personalratsvorsitzende rückt Amtsführung der Bürgermeisterin in Nähe totalitärer Systeme

Faschismus-Vergleich löst Entsetzen aus

  • vonAndrea Kästle
    schließen

Pullach kommt nicht zur Ruhe: Die Auseinandersetzungen zwischen Eisenmann/Betz einerseits und der Verwaltung gehen jede Woche im „Isar-Anzeiger“ weiter. Jetzt sorgt ein Schreiben von Bücherei-Leiterin Eveline Petraschka für großen Wirbel.

  • Ein Leserbrief im „Isar-Anzeiger" sorgt für großen Ärger in Pullach
  • Büchereileiterin Eveline Petraschka hat die Rathausspitze in die Nähe des Faschismus gerückt
  • Gemeinderäten sind fassungslos

In dem Anzeigenblatt hat Eveline Petraschka, die Leiterin der Bücherei, die Rathausspitze in die Nähe des Faschismus gerückt und geschrieben, wie der FDP-Gemeinderat Alexander Betz spüre auch sie in der Gemeinde den „eisigen Hauch Nordkoreas und des Stalinismus“. Was sie nicht nur ihre Funktion als Personalratsvorsitzende kosten könnte.

Im Rathaus, das momentan vom Zweiten Bürgermeister Andreas Most (CSU) regiert wird, weil Susanna Tausendfreund (Grüne) in Urlaub ist, überlegt man, ob die Inhalte, die Petraschka verbreitet hat, nicht strafrechtlich relevant sein könnten. Auch eine Abmahnung gegen die streitbare Büchereileiterin wird erwogen. „Das geht gar nicht“, meinte Most gestern zu dem, was Eveline Petraschka geschrieben hat.

Irritation und Unruhe im Rathaus

Brisant ist das Ganze umso mehr, als Petraschka ihre Ausführungen, die als Brief an Betz formuliert sind, als Personalratsvorsitzende unterschrieben hat. Im Rathaus habe das „zu Irritation und Unruhe“ geführt, meinte Most. Die Kollegen fühlten sich von der Bücherleiterin jedoch schon länger nicht mehr gut vertreten, im Rathaus kursierte schon vor dem Artikel eine Unterschriftenliste, in der die Abwahl von Petraschka in einer Personalversammlung gefordert wird. 40 Leute haben unterzeichnet, das ist gut ein Drittel der Belegschaft.

In ihrem Beitrag holt Eveline Petraschka weit aus, sie bezieht sich auf ihre Zeit an der Uni, als sie mal erlebt habe, wie der Geschichtsphilosoph Ernst Nolte „von einem entfesselten linksradikalen Studentenmob brutal niedergeschrien“ wurde. Weiter zitiert sie den italienischen Schriftsteller Umberto Eco, der in einem Essay Merkmale des Faschismus zusammengetragen habe, unter ihnen auch „Kritikunfähigkeit“ und die „Unterdrückung anderer Meinungen mittels Zensur“.

Vorwurf der Zensur

Auch in Pullach, fährt sie fort, habe man in letzter Zeit „so einiges an Zensurversuchen“ erleben können. Etwa, als Tausendfreund in der letzten Sitzung der vergangenen Wahlzeit dem FDP-Gemeinderat Betz angedroht hat, ihm das Mikro abzustellen – als der drauf und dran war, Nichtöffentliches öffentlich auszuplaudern. Das sei, so Petraschka, eine „schockierende öffentliche Hinrichtung“ gewesen. Der Liberalen-Gemeinderat habe als Einziger „wie ein Bollwerk“ Christine Eisenmann unterstützt, die gescheiterte CSU-Bürgermeisterkandidatin, die sich eigentlich zu spät überlegt hatte, dass sie wenigstens ihr Gemeinderatsmandat annehmen wollen würde. Dafür aber hätte sie ihren Job in der Bautechnik im Rathaus früher kündigen müssen. Betz hat sich von Anfang an für Eisenmann eingesetzt. Allerdings manövrierte er sich damit in letzter Zeit immer mehr auch ins Abseits, so dass sich im letzten „Isar-Anzeiger“ auch die eigenen Fraktionskollegen von ihm distanzierten.

Petraschka seit 2018 Personalratsvorsitzende

Eveline Petraschka ist seit Februar 2018 Personalratsvorsitzende. Gewählt worden ist sie mit 37 Stimmen, nachdem der vorige Personalrat, geführt von Eisenmann, im Oktober 2017 geschlossen zurückgetreten war. 70 von 114 Kollegen hatten sich daraufhin an den Neuwahlen beteiligt, außer Petraschka wurde nur noch ein Kollege ins Gremium gewählt, er arbeitet im Schwimmbad.

Seit sie im Amt ist, kann man im Rathaus erfahren, habe Petraschka erst eine einzige Personalversammlung einberufen – und noch nie einen Rechenschaftsbericht abgeliefert. „Sie vernachlässigt ihre Aufgaben“, sagt Most.

Ebenso perfide wie substanzlos

Gemeinderat Holger Ptacek, SPD

Derweil haben ihre Ausführungen bei anderen Gemeinderäten mehr oder weniger Fassungslosigkeit ausgelöst. „Ich bin geschockt, traurig und enttäuscht, mir fehlen die Worte“, sagte am Freitag Dritte Bürgermeisterin Cornelia Zechmeister, WiP. Holger Ptacek, SPD, sagt, die Faschismus-Vorwürfe seien „ebenso perfide wie substanzlos“. Fabian Müller-Klug, Grüne: „Die Monstrosität der Geschichtsvergleiche gehen an allem vorbei, was mal der Ausgangspunkt eines Konflikts gewesen sein könnte. Petraschka wird ihrer Rolle als Personalratsvorsitzende nicht gerecht.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

„H’ugo’s“: Bekannter Promi-Wirt eröffnet Lokal in Grünwald
Das Eboli gehört endgültig der Vergangenheit an: In Grünwald hat ein neues Lokal eröffnet. Nicht irgendeins, sondern ein Ableger des Münchner Promi-Lokals „H’ugo’s“.
„H’ugo’s“: Bekannter Promi-Wirt eröffnet Lokal in Grünwald
Coronavirus im Landkreis München: Vier neue Infektionen, Zahl der aktiven Fälle bleibt stabil
Das Coronavirus ist immer noch präsent im Landkreis München. Doch die Infektionen werden deutlich weniger. Alle Informationen gibt es hier im Ticker.
Coronavirus im Landkreis München: Vier neue Infektionen, Zahl der aktiven Fälle bleibt stabil
Um Auffahrunfall zu vermeiden: Motorradfahrer legt Vollbremsung ein und stürzt
Beim Versuch, einen Auffahrunfall zu vermeiden, ist ein Motorradfahrer in Haar gestürzt und hat sich dabei schwer verletzt.
Um Auffahrunfall zu vermeiden: Motorradfahrer legt Vollbremsung ein und stürzt
Abschied von einem Oberhachinger Urgestein
Magnus Schelle, der Vater von Bürgermeister Stefan Schelle, war tief verwurzelt in seiner Heimatgemeinde Oberhaching und Zeit seines Lebens politisch und sozial …
Abschied von einem Oberhachinger Urgestein

Kommentare