1. Startseite
  2. Lokales
  3. München Landkreis
  4. Pullach

Frau aus Steilhang gerettet: Passanten beschimpfen Feuerwehr

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Stefan Weinzierl

Kommentare

Mit einer Schleifkorbtrage retteten die Brandhelfer letztlich die erschöpfte Frau aus dem Isarhang.
Mit einer Schleifkorbtrage bargen die Brandhelfer die erschöpfte Frau aus dem Isarhang. © Feuerwehr Pullach

Die Feuerwehr Pullach ist mitten in einem Einsatz beschimpft worden: Ausflüglern passte nicht, dass die Einsatzkräfte, um eine Frau aus einem Steilhang zu retten, einen Weg und eine Straße gesperrt hatten

Pullach - Erneut sind Einsatzkräfte der Feuerwehr beim Ausüben ihres Ehrenamtes von Passanten beschimpft und beleidigt worden. Dieses Mal hat es Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Pullach erwischt. Die Brandhelfer wollten am Donnerstag am Isarhang eine Frau retten, die beim Aufstieg im steilen Gelände weder vor noch zurück konnte und letztlich mit einer Schleifkorbtrage den Hang hochgezogen werden musste.

Dass die Feuerwehr während des Einsatzes den Teilabschnitt des Burgweges sowie der Heilmannstraße sperrte, passte einigen Fußgängern und Radfahrern nicht. So kam es laut Einsatzleiter Stephan Driesen zu zahlreichen Unmutsbekundigungen und minutenlangen Diskussionen: „Das ist echt traurig“, so der stellvertretende Kommandant.

Frauen verließen sich auf Google Maps

Doch der Reihe nach: Die Pullacher Wehr war um 15.42 Uhr alarmiert worden, dass eine Person im steilen Gelände gestürzt sei. Wie sich bei der Ankunft der Brandhelfer herausstellte, waren zwei Frauen aus München im Alter von 56 und 61 Jahren entlang des Isarkanals gewandert und wollten dann zur Burg Schwaneck aufsteigen. Gegenüber der Polizei sagten die beiden Frauen später aus, sie seien dafür einem Weg gefolgt, der auf Google Maps eingezeichnet gewesen wäre.

Was für einem Pfad sie letztlich auch folgten – er führte sie am Ende in unwegsames und so steil abfallendes Gelände, das die beiden Frauen ohne Hilfe nicht mehr den Hang verlassen konnten. Während es der 56-Jährigen laut Polizei schließlich mithilfe von Passanten doch gelang bis zum befestigten Burgweg hochzuklettern, blieb die 61-Jährige völlig entkräftet zurück.

Feuerwehrmitglied betreut Frau bis zur Rettung

Zum Glück, erzählt Driesen, sei unter den Passanten auch ein Mitglied einer anderen Freiwilligen Feuerwehr gewesen. Der sei zu der 61-Jährigen hinabgestiegen und habe sie bis zu ihrer Rettung betreut.

Kurz darauf stieg ein speziell ausgebildeter Pullacher Feuerwehrler zu der Frau hinab. Da die 61-Jährige keine Kraft mehr hatte, den Hang in Begleitung herauf zu gehen, wurde letztlich eine Schleifkorbtrage zu ihr heruntergelassen und die Frau mit dieser hochgezogen.

Absperrung sollte vor Gaffern schützen

Um die Frau vor den Blicken von Gaffern zu schützen und um die eigene Sicherheit beim Einsatz zu gewährleisten, sperrten die Brandhelfer während der Rettung den Burgweck in diesem Bereich. Auch die enge Heilmannstraße wurde gesperrt, um ohne Gefahr Bergungsmaterial aus dem dort abgestellten Feuerwehrfahrzeug holen zu können, wie Driesen berichtet.

Das hat wohl einigen Ausflüglern nicht gepasst. Weil mehrere Radfahrer und Fußgänger nicht mehr durchkamen und einen Umweg hätten nehmen müssen, fingen sie – laut Driesen teilweise minutenlang – mit den Einsatzkräften zu diskutieren an. Trotz des Hinweises auf den Einsatz hätten mehrere Nörgler keine Ruhe gegeben und die Brandhelfer sogar beschimpft – für den Vize-Kommandanten eine Unart: „Wir waren dort ja nicht zur Gaudi da.“ Allerdings hätten die meisten Bürger Verständnis für die Sperrung gezeigt. Driesen: „Leider gibt es einige Leute, die wollen einfach diskutieren.“

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis München finden Sie auf Merkur.de/Landkreis München.

Auch interessant

Kommentare