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Bei den Dreharbeiten für den ersten Film: Birgit Rätsch und Erwin Deprosse im „Holländischen Zimmer“ der Burg Schwaneck.

Pullach hat Historikerin mit Fortsetzung der „Pullacher Geschichte(n)“ beauftragt

Drehgenehmigung des BND

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In den letzten Monaten waren einige Orte in Pullach Schauplätze von Dreharbeiten – im Auftrag der Gemeinde. Die bei der Regisseurin und Historikerin Birgit Rätsch eine Fortsetzung bestellt hatte von ihren „Pullacher Geschichte(n)“ mit dem Archivar und Alles-Wisser, wenn es um die Gemeinde geht, Erwin Deprosse.

Pullach– Der Pullacher quasi aus Überzeugung, der sein Berufsleben bei der Gemeindeverwaltung verbracht hat, dort jahrelang geschäftsleitender Beamter war, der in der Gemeinde außerdem den Lauftreff initiiert, die Skigymnastik geleitet hat, kennt sich nicht nur bestens aus in der Vergangenheit seiner Heimatgemeinde. Sondern er ist auch ein begnadeter Erzähler, wie man unter anderem weiß von den Ortsspaziergängen, die er im Rahmen der VHS regelmäßig angeboten hat. Es lag also wirklich nahe, dass die Verwaltung schon vor Jahren einen Film mit dem wandelnden Gedächtnis der Gemeinde in Auftrag gegeben hat. Der ist 2013 herausgekommen – und mit dem hat es nur ein einziges Problem gegeben: Die 90 Minuten, die er dauerte, reichten bei weitem nicht aus, um darin unterzubringen, was Deprosse alles zu berichten weiß.

Deshalb also jetzt ein zweiter Teil, der auch wieder, wie schon die ersten „Pullacher Geschichte(n)“ eine Rahmenhandlung bekommen hat. Die spielt diesmal auf der Auer Dult bei einem Postkartenhändler, was sich jetzt einfacher hinschreibt als es letztlich umzusetzen gewesen ist – denn der Trödler, den Rätsch im Auge hatte und bei dem Deprosse auch regelmäßig Kunde gewesen ist, hatte nur einen winzigen Laden, in dem man schlecht drehen hätte können. In recht komplizierten Verhandlungen erreichte die Regisseurin glatt, dass der Mann dann am Mariahilfplatz eine Dependance eröffnen konnte, die dreimal im Jahr geöffnet ist.

Waren im ersten Filmprojekt Großhesselohe, Pullach selbst und Höllriegelskreuth die Schauplätze gewesen, an denen Deprosse seine Geschichten aus der Geschichte vor der Kamera zum Besten gab, so wurde diesmal in der Wenz-Siedlung, beim BNB und vor der Sternheim-Villa gedreht – Mitte Juni war der letzte Aufnahmetag. Nicht einfach war es freilich gewesen, die nötigen Genehmigungen zu bekommen für die Aufnahmen auf dem Gelände des Bundesnachrichtendienstes. Zwei Tage konnten sich Birgit Rätsch und ihr Team am Ende dort aufhalten, für sie ist auch der „Führerbunker“ geöffnet worden, den Bormann dort hatte anlegen lassen. Er wollte Hitler, sagt die Historikerin, enger an Pullach binden. Deprosse hat ihr eine ganz andere Episode in dem Zusammenhang erzählt – die darum geht, dass Bormann Katzen nicht gemocht hat. Dann aber legte sich eine Bewohnerin der NS-Mustersiedlung „Sonnenwinkel“, die ja in Pullach von den Nazis gebaut worden war und in der auch Bormann seine Villa hatte, doch eine Katze zu. Und der Leiter der Parteikanzlei konnte dagegen nichts sagen, denn die Frau war persönlich befreundet gewesen mit Hitler.

Sehr interessant, meint Birgit Rätsch, sei auch Bormanns Garten, bestückt mit einigen nackten Nymphen. Und für sie und ihre Leute wurde auch eines der Einfamilienhäuschen aufgesperrt, in denen Parteikader mit ihren Familien quasi ein arisches Musterleben führen sollten mit Gemüsebeeten und Gemeinschaftseinrichtungen. Das gemähte Gras hatte man für Bormanns Schafe bereitzustellen. Die meisten dieser Häuschen, die alle gleich geschnitten sind, werden jetzt als Büros genutzt.

Beeindruckend fand Rätsch auch das „Riesen-Foyer“ der Bormann-Villa, im Speisesaal oder im ehemaligen Musikzimmer dort finden heute noch Besprechungen statt. Für den neuen Film haben die Filmleute auch vor dem Pater-Rupert-Mayer-Gymnasium gedreht, dem ehemaligen Berchmanns-Kolleg der Jesuiten. Das wurde in den letzten Kriegstagen von Brandbomben getroffen, es wurde dann auch genutzt als Lazarett. Und Erwin Deprosse, der bei Kriegsende ein Jugendlicher war von 14 Jahren, wurde von der Mutter dorthin geschickt, um den Verwundeten Tee zu bringen. Im Herbst sollen die „Pullacher Geschichte(n), Teil zwei“ im Bürgerhaus gezeigt werden.

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