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Geothermie Pullach: Bürger in Sorge wegen Schwefelgestanks

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Sonden am Bohrplatz belegen laut dem Pullacher Umweltamt: keinerlei Gesundheitsgefahr. © brouczek

Pullach - Man mochte kein Pullacher sein in diesen Tagen. Bei Geothermiebohrungen wurden große Mengen faulig riechenden Schwefelwasserstoffs freigesetzt. Eine Gefahr für die Gesundheit? Kein Grund zur Sorge, heißt es von offizieller Stelle. Ein Rest Unsicherheit bleibt.

Die Antwort, die die Mitarbeiter des Umweltamts ihren besorgten Bürgern am Telefon geben, ist immer die gleiche: Wegen des äußerst störenden Geruchs müsse man sich entschuldigen. Eine Gesundheitsgefährdung bestehe allerdings nicht. Entwarnung also? Schon der Begriff sei falsch, meint Normen Görlitz, der als Mitarbeiter im Umweltamt bereits den ganzen Vormittag Telefondienst schiebt. „Eine Gefahr hat nie bestanden.“

Das sind klare Worte. Ein Rest von Verunsicherung bleibt jedoch. Auch in unserer Redaktion gehen Anrufe ein. Ein besorgter Vater aus Solln berichtet, seine kleine Tochter habe sich in der vorigen Nacht mehrfach übergeben müssen. In ihrer Pullacher Kindergartengruppe habe es ähnliche Fälle gegeben. Ein Zufall? Gerade bei Kindern könne schon der faulige Geruch der Schwefelwasserstoff-Verbindung (H2S) Übelkeit auslösen, erklärt Professor Conrad Boley, der den Lehrstuhl für Grundbau und Bodenmechanik an der Universität der Bundeswehr inne hat. „Aber man muss schon zwischen Geruchsschwelle und einem gesundheitsgefährdenden Wert unterscheiden.“

Dass dieser zu keinem Zeitpunkt überschritten wurde, ist die Überzeugung von Ralph Baasch, Leiter des Pullacher Umweltamts. „Am gesamten Bohrplatz sind Messsonden angelegt“, sagt er. Und selbst dort sei die am Arbeitsplatz zulässige H2S-Höchstkonzentration, die bei 10 ppm (parts per million) liegt, nur vereinzelt leicht überschritten worden. Allerdings gesteht Baasch ein, dass während des nun durchgeführten Testlaufs, mit dem die Fündigkeit des Bohrlochs gemessen wurde, mehr Schwefelwasserstoff freigesetzt wurde als ursprünglich erwartet. Bei einer Schüttung von bis zu 80 Litern Thermal-Wasser pro Sekunde kein Wunder, findet er. Mit der Menge des Wassers steige schließlich auch die Menge des zutage geförderten Schwefelwasserstoffs. Das Gas werde aber direkt bei seinem Austritt durch zwei Fackeln verbrannt. „Was die Leute da riechen, können nur Spuren sein“, erklärt er .

Ein Standpunkt, der der Erfahrungswirklichkeit der betroffenen Bürger nicht entspricht. Seit Tagen kämpfen sie mit dem beißenden Geruch und sorgen sich um ihre Gesundheit. Schlechte Informationspolitik, klagt Baasch. und fügt an, eine Vergiftung durch H2S sei „absolut auszuschließen“.

Erwin Knapek, Unterhachings Alt-Bürgermeister und promovierter Physiker, hat selbst Erfahrungen mit Geothermiebohrungen. Und äußerst sich kritisch zu den Vorgängen in Pullach: „Ich verstehe das nicht. In Unterhaching wurde damals ein spezieller Filter eingebaut. Und es ist nichts passiert.“ Ein Filter? Ralph Baasch ist von einer solchen Vorrichtung nichts bekannt: „Das können sie letztlich nicht filtern.“

Seit gestern Dienstagabend, 18 Uhr, ist vorerst Schluss mit den Bohrungen. Das Geruchs-Problem ist damit vorerst erledigt.

Marcus Mäckler

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