Erwartungen „übererfüllt“

Geothermie: Neue Bohrungen geplant - Wasser heißer als bei bisherigen Quellen

  • schließen

Ein „spektakulärer Schritt“ in Sachen Geothermie in Pullach: Bei Untersuchungen ist die Gemeindetochter  IEP auf eine mögliche Bohrstelle mit bis zu 140 Grad heißem Wasser gestoßen.

Pullach– Wenn es im Pullacher Gemeinderat um die IEP und ihre Projekte geht, dann macht sich in der Regel Zufriedenheit breit im Gremium. Das war dann auch bei der vergangenen Sitzung nicht anders, als Aufsichtsratsvorsitzender Andreas Most, gleichzeitig Fraktionsvorsitzender der CSU, die Bilanzen der Geothermie fürs vergangene Jahr vortrug und bei der Gelegenheit ankündigte, „dass in der nahen Zukunft weitere spektakuläre Schritte erfolgen werden“. Überdies hat die hundertprozentige Gemeindetochter mittlerweile von den Bayernwerken auch noch die Stromversorgung der Kommune übernommen und dafür die „Stromnetz Pullach GmbH“ gegründet.

Derweil führen die „spektakulären Schritte“ über die eigenen Gemeindegrenzen hinaus – Richtung Süden, wo die Pullacher sich schon vor einiger Zeit einen weiteren Claim sichern haben können. Zusammen mit der Erdwärme Grünwald und den Münchner Stadtwerken wurden dort im letzten Jahr auf beiden Seiten der Isar umfangreiche seismische Untersuchungen vorgenommen. Die „hohen Erwartungen“, die man dabei hatte, seien am Ende, berichtete Andreas Most am Tag nach der Sitzung, noch „übererfüllt“ worden. Es ist etwa an einer möglichen Bohrstelle im Forstenrieder Park westlich von Baierbrunn mit Wasser zu rechnen, das 135 bis 140 Grad heiß ist und damit um einiges heißer als die 102 Grad heißen thermischen Quellen, die in der Gemeinde bislang angezapft werden.

Gemeinde stellt der IEP 26 Millionen Euro bereit

An Abnehmern für die umweltfreundlich zu gewinnende Wärme, die über zwei bis vier Bohrdubletten, von denen bislang die Rede war, gewonnen werden könnte, mangelt es unterdessen nicht. Zum einen haben sich die Münchner das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2040 ihr gesamtes Stadtgebiet mit regenerativer Energie zu versorgen. Und dann ist da auch noch das kleine Baierbrunn, das sich schon seit Jahren interessiert dafür, angeschlossen zu werden an die Geothermie der großen Nachbarn im Norden – was sich bislang jedoch nicht gelohnt hätte. 26 Millionen Euro wurden in Pullach zunächst einmal für die nächsten drei Jahre beiseite gelegt, um der IEP ihre ambitionierten Vorhaben zu ermöglichen.

Auch vor der Haustür war die Gemeindetochter in der Zwischenzeit nicht untätig. In Pullach selbst wurde das Fernwärmenetz weiter verlängert auf mittlerweile 47 Kilometer. Seit 2005, rechnete Most dem Kommunalgremium vor, seien im Ort „dank der Geothermie“ stattliche 130 000 Tonnen CO2 vermieden worden. Die momentan mit der so beworbenen „Wohlfühlwärme aus der Tiefe“ versorgten 1500 bis 2000 Haushalte in 999 Gebäuden (von 4100 Haushalten in 2626 Anwesen in ganz Pullach) bewirken, dass am linken Isarhochufer die Kohlenstoffdioxid-Emission pro Kopf um 1,8 Tonnen niedriger ist als im Bundesdurchschnitt, der bekanntlich 9,6 Tonnen beträgt. Damit leiste die Gemeinde, so Most, einen „entscheidenden Beitrag für das Weltklima“, garantiere aber auch „saubere und gesunde Luft vor Ort“.

Rubriklistenbild: © dpa / Boris Roessler

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Überraschendes Comeback: Bela Bach (SPD) zieht in den Bundestag ein
Was für eine Überraschung: Für Bela Bach (29), die ehemalige Kreisvorsitzende der SPD, geht unverhofft nun doch noch ein politischer Herzenswunsch in Erfüllung. Sie …
Überraschendes Comeback: Bela Bach (SPD) zieht in den Bundestag ein
Streit ums Trinkwasser:  Der Hahn für Neubiberg und Unterhaching bleibt vorerst auf
Die Trinkwasserzufuhr für Neubiberg und Unterhaching würde man an der Quelle im Loisachtal gerne zurückdrehen. Nun gab es ein Treffen vor Gericht.
Streit ums Trinkwasser:  Der Hahn für Neubiberg und Unterhaching bleibt vorerst auf
Überfall und Schüsse im Landschaftspark? Polizei warnt vor Panikmache
Drei Jugendliche sollen am Montagabend im Landschaftspark in Unterhaching überfallen worden sein. In den sozialen Netzwerken kursieren Gerüchte um Schüsse, die gefallen …
Überfall und Schüsse im Landschaftspark? Polizei warnt vor Panikmache
Porschefahrer erwischt Autoknacker auf frischer Tat
Auf frischer Tat hat ein 59-Jähriger in Höhenkirchen-Siegertsbrunn einen Autoknacker erwischt, der gerade seinen Porsche stehlen wollte. Die Polizei konnte den Autodieb …
Porschefahrer erwischt Autoknacker auf frischer Tat

Kommentare