Umstritten sind die Um- und Ausbaupläne der Firma United Initiators in Höllriegelskreuth. Jetzt wird es in Pullach und in Baierbrunn Info-Veranstaltungen geben.
+
Umstritten sind die Um- und Ausbaupläne der Firma United Initiators in Höllriegelskreuth. Jetzt wird es in Pullach und in Baierbrunn Info-Veranstaltungen geben.

Bauleitverfahren von United Initiators läuft weiter

Bürgerbegehren und Bürgerversammlung: So geht‘s weiter beim Pullacher Chemieriesen

  • VonAndrea Kästle
    schließen

Während die Bürgerinitiative „Haselmaus“ Unterschriften für einen Bürgerentscheid gegen die Aus- und Umbaupläne des Höllriegelskreuther Chemieriesen United Initiators sammelt, hat der Gemeinderat am Montag in einer viereinhalbstündigen Sondersitzung die nächsten Schritte im Bauleitverfahren beschlossen.

Pullach - Allerdings ist dem Gremium in den zwei Jahren, in denen nun über „Big Wings“, wie der Konzern die neue Logistik und die dafür nötigen Baumaßnahmen nennt, diskutiert wird, die Einstimmigkeit zum Thema verloren gegangen. FDP, CSU und die WiP-Vertreter Reinhard Vennekold und Angelika Metz hätten jetzt gern das Verfahren erstmal ausgesetzt, um die Bürger über eine Info-Veranstaltung „mit ins Boot zu holen“.

Die Info-Veranstaltung wurde dann auch beschlossen, das Bauleitverfahren wird aber trotzdem weiterlaufen. Ebenso wenig fand der Antrag von FDP-Mann Alex Betz, den Info-Abend als außerordentliche Bürgerversammlung abzuhalten, eine Mehrheit.

Einfluss auf Planungen

Gleichzeitig war sich das Gremium einig darin, dem neuen Bebauungsplan 23 b, den die Gemeinde aufstellt, um überhaupt Einfluss auf die Planungen von United Initiators nehmen zu können, einen „städtebaulichen Vertrag“ hinzuzufügen. In dem dann, das ist die Hoffnung von Grünen, Pullach Plus und SPD, Dinge geregelt werden können, die im Bebauungsplan einfach keinen Platz haben. Etwa, dass United Initiators regenerative Energiequellen stärker nutzt, dass Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagert wird. Florian Gering von den Grünen: „Wir nehmen die Bedenken der Bevölkerung ernst. Wenn wir das Verfahren abbrechen, werden unsere Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt.“

Die ganze Geschichte ist ein nicht Pullach-untypischer Aufreger, der zum einen auch deshalb so hohe Wellen schlägt, weil United Initiators anfangs meinte, auf Öffentlichkeitsarbeit komplett verzichten zu können. Zum anderen ist aber dem Gemeinderat, der 2019 überhaupt den Gang der Dinge ausbremste, indem er die vier Bauanträge, die United Initiators beim Landratsamt eingereicht hatte, nicht einfach abnickte, das eigene Engagement auf die Füße gefallen. Weil viele Bürger meinten, mit dem neuen Bebauungsplan wolle die Gemeinde genau das Gegenteil erreichen – nämlich dem Konzern bereitwillig den Boden dafür bereiten, sich zu vergrößern.

Falschinfos kursieren

Entsprechend ging etwa die Hälfte der Sitzung am Montagabend dafür drauf, dass Jürgen Weiß von der Bauverwaltung „Falschaussagen“ zum Thema, die unter anderem im örtlichen „Isar-Anzeiger“ kolportiert worden sind, richtig stellte. Teils hatten die Leserbrief-Schreiber schlicht Quadratmeter und Kubikmeter durcheinander gebracht. Der neue Bebauungsplan bedeute eben keine „Baurechtsmehrung“, sagte Weiß, im Gegenteil: United Initiators mit derzeit 499 200 Kubikmetern Baumasse auf 109 600 Quadratmetern werde künftig über 497 950 Kubikmeter Baumasse verfügen – auf 107 500 Quadratmetern.

Wie mit der Stimmung in der Bevölkerung umzugehen sei – genau darum drehte sich dann im Bürgerhaus die Diskussion. Als einzige Fraktion im Gremium ist sich die WiP darin nicht einig. Während Vennekold sogar meinte, man solle auf das Bürgerbegehren mit einem Ratsbegehren reagieren, verlas Johannes Schuster ein schriftlich vorbereitetes Plädoyer dafür, sachlich zu bleiben. „Wir können nur über ein Schwimmbad diskutieren, weil wir auch ein Gewerbegebiet haben.“ Die Forderung nach mehr Transparenz „erschließt sich mir nicht, alle Informationen liegen auf dem Tisch“. Gemeinderäte müssten damit leben, „nicht von allen Bürgern geliebt zu werden“. Ihm schloss sich aus der Fraktion Cornelia Zechmeister an, die überdies feststellte, so groß könne das Interesse der Pullacher am Thema nicht sein – im Bürgerhaus waren nur vier Besucherreihen locker besetzt.

Emotionales Thema

Auch Holger Ptacek, SPD, hatte das Dilemma, in dem sich die Gemeinde befindet, auf den Punkt gebracht: Ein nüchternes Bauleitverfahren sei halt weniger sexy als der Aufruf, die Haselmaus, die auf dem zu bebauenden Teilareal in Höllriegelskreuth zuhause ist, zu retten. Jedoch: „Ich kann mich als Gemeinderat nicht davonschwemmen lassen von der Emotion.“ Pullach habe sich mit United Initiators zu einer „attraktiven Gemeinde“ entwickelt, auch die Belegschaft habe betont, wie wichtig das Projekt fürs Unternehmen sei. Wohl vor den Sommerferien wird der Bebauungsplan ein weiteres Mal ausgelegt, ebenfalls vor August soll dann auch die Info-Veranstaltung über die Bühne gehen.

Bürgerbegehren läuft

Vor einiger Zeit schon hat sich in Baierbrunn die Bürgerinitiative „Haselmaus“ gegen die Um- und Ausbaupläne von United Initiators gegründet – jetzt strengen die Initiatoren Christian Boeck und Walter-Viktor Adolf einen Bürgerentscheid an. Das dafür nötige Bürgerbegehren läuft. Die Frage, über die die Pullacher dann abstimmen können sollen, lautet: „Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Pullach alle rechtlich zur Verfügung stehenden, sowie baurechtlichen und planungsrechtlichen Maßnahmen ergreift, um eine (weitere) Expansion der Chemiefirma (Peroxid) United Initiators in Pullach zu verhindern?“ Es gehe darum die „permanente Expansion“ des Konzerns über einen „klaren Ausbaustopp“ zu beenden; der Bestand der Firma werde dadurch nicht gefährdet. 

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare