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„Ich stell mich prinzipiell allen Jugendlichen vor“: Patrick Garcia, der „mobile Jugendarbeiter“ von Pullach.

Patrick Garcia kümmert sich im „Freiraum“ um die Heranwachsenden

Den Respekt muss er sich erarbeiten

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In einigen Gemeinden gibt es schon mobile Jugendarbeiter. Einer von ihnen ist Patrick Garcia aus Pullach. Der 25-jährige, der mit Bart und Käppi einen äußerst entspannten Eindruck macht, ist seit Februar 2016 beim Kreisjugendring-Team, das auch die Freizeitstätte „Freiraum“ betreibt.

Pullach – Patrick Garcia hat hier in der Freizeitstätte, nachdem er fünf Jahre Erzieher gelernt hat, eine volle Stelle. Von der er, berichtet er, etwa die Hälfte auf der Straße verbringt. Um auch für all die jungen Leute ansprechbar zu sein, die sich nicht in den Freiraum hineintrauen. Oder einfach nicht dorthin wollen, weil das Programm sie nicht anspricht.

„Man muss sich“, sagt der Pädagoge, „den Respekt der Jugendlichen schon erarbeiten. Dafür braucht man eine sehr offene Art. Und verstellen darf man sich auch nicht“. Die Heranwachsenden würden sofort merken, wenn man ihnen etwas vorspielt. Weshalb er sich auch nie aufdrängt, er stellt sich den angehenden Erwachsenen vor – und schaut, ob sie etwas brauchen von ihm. Mal bei den Bänken an der Mittelschule, mal im Umfeld des Gymnasiums, am Skaterpark sowieso. Manchmal radelt Garcia auch zum Grundelberg oder lässt sich sonstwo in Großhesselohe blicken. Sein Einstand sei vergleichsweise einfach gewesen, meint er. Damals, im letzten Frühjahr, stand ja gleich ein Projekt an, das er mit den jungen Leuten durchziehen sollte: Es wurden mit dem Profi-Sprayer Nils Jänisch am Skaterpark die Rampen bunt gestaltet. Später, im Sommer, durften die Heranwachsenden dann auch einige Unterführungen am Ort mit Graffiti versehen – diesmal mit dem bekannten Künstler Loomit. In hochoffiziellem Auftrag des Gemeinderats, mit Genehmigung der Bahn. Da sei das Eis gebrochen, meint Garcia, der während des Gesprächs immer mal wieder jungen Leuten zuwinkt, die vorbeikommen am Hof der Freizeitstätte, dem Treffpunkt des Gesprächs.

Auch wenn man ihn als Kontaktbeamten bezeichnen könnte im insgesamt achtköpfigen Pädagogenteam – das Letzte, was er will, ist freilich, die Jugendlichen zu beaufsichtigen. Er will sich auch nicht anfreunden mit ihnen, wenn er auch hofft, die Beziehung würde in Richtung einer „freundschaftlichen Schiene“ gehen. „Die wissen alle, dass das mein Beruf ist. Und: Sie vertrauen mir natürlich nicht alles an. Aber manches.“

Patrick Garcia hat es schon erlebt in den letzten Monaten, dass Jugendliche, die von einem Hobby lange nur geträumt haben, sich endlich durchringen, dieses Hobby wirklich auch anzufangen. Andere trauten sich, nachdem sie wenigstens ihn schon kannten, doch in den „Freiraum“ hinein. Und immer mal wieder erzählen ihm die jungen Leute auch von Sorgen, die sie zuhause haben oder davon, was sie sich vom Leben erhoffen, wie sie sich dieses Leben einmal vorstellen – das seien, sagt der Pädagoge, der auch Streetworker ist, die besonders schönen Momente in seiner Arbeit.

Man hatte sich in Pullach, als dort der Gemeinderat über den Skaterpark diskutiert hat, der für einige Anwohner Lärmbelästigungen mit sich bringt, schon gewundert, wie konstruktiv die Jugendlichen, die auch in die Sitzungen kamen, dort ihre Anliegen vortrugen. Sie wollten natürlich die Anlage erhalten. Sie hatten immer einen Sprecher bestimmt. Der zählte dann die Argumente auf, die für das Areal in zentraler Lage sprechen. Und meinte dann auch jeweils, seine Freunde und er würden gern helfen beim Dämmen der Rampen, bei Arbeiten, die sich sonst ergeben. Sogar bei einigen Anliegern haben sie später noch geklingelt und unter ihnen eine kleine Umfrage gemacht.

Bei all dem wurden die Jugendlichen freilich von Patrick Garcia und seinen Kollegen des Kreisjugendrings unterstützt. Man bekam den Eindruck, dass die jungen Erwachsenen von Pullach eigentlich schon ziemlich erwachsen sind.

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