Kabarettist Martin Frank philosophiert in Pullach

Die Oma hat ihn abgehärtet

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„Ob wir humortechnisch überhaupt zammpassen.“ Das hatte Martin Frank beim Kabarett-Abend der Pullacher SPD erst einmal abchecken wollen bei einem „Warm Up“ mit dem Publikum.

Pullach– Letztlich kam man an dem fast dreistündigen Abend bestens miteinander zurecht. Die 120 Besucher amüsierten sich prächtig bei dem aktuellen Programm des jungen Kabarettisten, der ausgebildeter Schauspieler ist und seit neun Jahren auch Unterricht nimmt in klassischem Gesang.

„Alles ein bisschen anders: vom Land in d’Stadt“ heißt dieses Programm, das sich um einen jungen Menschen dreht, Martin, der im Bayerischen Wald vorwiegend von der Oma erzogen worden ist, was heißt: Er wurde von ihr abgehärtet. Fürs Landleben hat er sich dennoch als nicht tauglich erwiesen, da zu wenig mit technischem Verständnis ausgestattet. Weshalb ihn die Familie quasi hinauskomplimentiert hat aus dem heimischen Hof: „Geh mit Gott, aber geh!“ Und jetzt ist er in der großen Stadt München, kennt sich überhaupt nicht aus. Weiß nicht, warum in der U-Bahn keiner den anderen grüßt. „Keiner will mit mir reden!“

Daran machten sich fast alle Witze fest an dem Abend: An dem Kontrast zwischen Stadt und Land, an Momenten, in denen dörfliche Naivität abprallt an weltmännischer Lässigkeit. „Ich habe nicht gewusst, dass in München ,Grüß Gott‘ nichts zur allgemeinen Stimmung beiträgt.“ Dabei wird Martin Frank kaum politisch, nur einmal berichtet er, wie er einen Mann, auch in der U-Bahn, gleich mal den Taliban zugerechnet habe, nur weil der einen Turban trug und einen dichten Bart. Letztlich entpuppte sich der Typ als Bayer – nun gut. Man hatte in dem Moment kurz den Eindruck, die Zuschauer würden sich jetzt über ein paar lockere Bemerkungen zur Flüchtlingspolitik freuen. Die kamen aber freilich nicht.

Entsprechend war das Programm ein harmloses Vergnügen, aber auf jeden Fall eben ein Vergnügen. Dem 25-Jährigen merkt man den Spaß, den er am eigenen Auftritt hat, sehr an. Er scheint vor Lust am Spielen schier zu platzen. Sehr schön ist auch, dass er zwischendurch auch immer mal wieder singt, und zwar Opernarien, die er mit neuen Texten versehen hat, was bestens ankommt. Ansonsten bekamen die Pullacher im Pfarrheim Heilig Geist weitere Zoten von der Oma erzählt, die mit heiklen Leuten absolut nichts anfangen kann („die kommen bei ihr gleich nach der AfD“), die auch den Enkel früh mit Bauernregeln bekannt gemacht hat, eine davon: „Erst kommt’s Rindvieh, dann kommst Du!“ Während sich das Landei in der Stadt nur wundern kann, dass hier die Leberkäs-Semmel 2,90 Euro kostet: „Dafür zahl’ ich im Bayerischen Wald ein Darlehen ab.“ Und auch längst mit einem Jutebeutel durch die Gegend schlendert, wie das die Hipster um ihn herum ja auch tun. Nur leider, seinen hat er von der Oma, und es ist ein ziemlich uncooler Werbespruch der niederbayerischen CSU aufgedruckt.

Bester Moment der Vorstellung war aber klar die Szene mit der sogenannten „Hendl-Beerdigung“, als solche auch schon abrufbar auf Youtube. Martin, übrigens „frustrierter Single, seit ich 18 bin“, berichtet darin von norddeutschen Urlaubsgästen im Bayerischen Wald, die sich nicht damit abfinden wollen, dass Hühner halt einfach irgendwann „verrecken“. Und die die toten Viecher auch keinesfalls einfach auf dem Misthaufen wiederfinden wollen, sondern sie lieber beerdigt sehen würden. Die Folge: „Ich habe eine Marktlücke entdeckt, ich ganz allein“. Er, Martin, bietet jetzt Bestattungen für verendete Haushühner an. „Seither scheißen wir auf den Milchpreis.“ Dann sang er eine Arie über totes Federvieh – nach einer Melodie von Händel. Sehr witzig.

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