Markant am Huther-Haus sind seine blauen Fensterläden.
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Markant am Huther-Haus sind seine blauen Fensterläden.

Pullacher Gremium entscheidet knapp

Krimi um das Huther-Haus: Ältestes Anwesen Pullachs bleibt nun doch in Gemeindehand

  • VonAndrea Kästle
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Äußerst knapp, mit elf zu neun Stimmen, hat der Gemeinderat Pullach beschlossen, das Huther-Haus doch zu behalten.

Pullach - Das älteste Anwesen in der Gemeinde, denkmalgeschützt und im Zentrum, hatte zwischendurch verkauft werden sollen an die Eltern der letzten Mieterin, die dort wohnt. Michaela Keune hat eine Trachtenschneiderei, auch ihr Atelier ist in dem Anwesen. Sie war mit den Eltern, außerdem mit Michael Graeter, dem Leute-Kolumnisten der Abendzeitung, in die Sitzung gekommen.

Graeter und auch die Mutter von Keune meldeten sich, als die Abstimmung durch war, dann auch zu Wort; als sie nicht drangenommen wurden, riefen sie in die Sitzung hinein. Graeter stand auf, stellte sich vor und meinte, es sei „Diktatur und Willkür“, wenn etwas erst beschlossen und dann wieder verworfen werde. Die Mutter von Keune, der die Gemeinde ursprünglich das Mietverhältnis gekündigt hatte, die aber dann gerichtlich durchsetzen konnte, dass sie bleiben darf, wollte wissen: Ob der Gemeinderat einfach solange abstimme, „bis es passt“?

2017 von der Gemeinde gekauft

Damit geht ein kleiner Krimi zu Ende; lang ist um das 200 Jahre alte Anwesen mit den taubenblauen Fensterläden gerungen worden. Die Gemeinde hatte es 2017 gekauft, dann, nachdem sich rausstellte, dass es für öffentliche Zwecke kaum zu nutzen sein wird, wieder abstoßen wollen. Die Agenda 21 und das örtliche Geschichtsforum zeigten sich entsetzt darüber, dass damit ein Teil des „kulturellen Erbes“ von Pullach dem Markt zum Fraß vorgeworfen werden sollte; letztlich wurde in nicht öffentlicher Sitzung entschieden, der Familie der Trachtenschneiderin mit prominenter Kundschaft den Zuschlag zu geben.

Umdenken um Gemeinderat

Unterdessen hatte in Teilen des Gemeinderats aber ein Umdenken stattgefunden. Während Holger Ptacek, SPD, schon immer der Ansicht gewesen war, die Gemeinde müsse das Haus, „ein Schaufenster in die Vergangenheit“, behalten, sagte jetzt Renate Grasse für die Grünen: „Es ist Aufgabe der Gemeinde, die in Stein ersichtliche Geschichte des Ortes zu erhalten.“ Man habe das Ganze erst falsch eingeschätzt. FDP, CSU und WiP dagegen wollten weiterhin den Keunes das Haus verkaufen. „Alles Gute kommt aus privater Initiative“, sagte Michael Reich von der FDP, „Perfektion“ in der Renovierung sei ohnehin für das Haus „nicht passend“. Alexandra Metz, WiP, legte nach: „Wir wären schön blöd, würden wir uns diesen Klotz ans Bein binden“, man könne sich ja in jedem Fall, so die Ansicht ihrer Fraktion, das Vorkaufsrecht sichern.

Eine Besonderheit sind die barocken Details des Hauses.

Die Spannung darüber, wie die Abstimmung ausgehen sollte, war in der Sitzung mit Händen zu greifen. Ein Grünen-Vertreter fehlte, Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne) fürchtete bereits einen Patt. Aber dann kam alles anders – Sebastian Westenthanner von der CSU stimmte mit Grünen, SPD und Pullach Plus dafür, das Haus zu behalten.

Pullach wird also nun das alte Anwesen, dessen Böden bedenklich durchhängen und in dem auch der Brandschutz nicht mehr gewährleistet ist, selbst renovieren. Und Keune? Die kann langfristig natürlich drinbleiben. Sie bekommt während der Sanierung eine Ersatzwohnung von der Gemeinde vermittelt.

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