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Urbane Seilbahnen wie hier in Berlin sind auch im Landkreis München denkbar.

Landkreis prüft mögliche Verbindungen

Mit der Seilbahn raus aus dem Dauerstau

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Die Seilbahn scheint sich als echte Ergänzung eines Verkehrskonzepts für den Landkreis München durchzusetzen.

Landkreis –  Der Vortrag über ökonomische und strategische Vorteile der urbanen Seilbahn überzeugte die Kreisräte in der jüngsten Sitzung des Mobilitätsausschusses. Der Referent, Professor Harry Wagner, von der Technischen Hochschule Ingolstadt gilt als Experte in Sachen visionärer Mobilität.

Mit sichtbarem Interesse lauschten die Kreisräte den Ausführungen von Professor Wagner. Für Ingolstadt hatte Wagner seine Studenten eine sechs Kilometer lange Seilbahn-Route im Rahmen eines Masterstudiengangs entwickeln lassen. Die eingangs des Jahres vorgestellten Ergebnisse überzeugten die Stadtväter und erregten internationale Beachtung. Das Projekt scheiterte letztlich im Ingolstädter Stadtrat.

Als es im Sommer darum ging, Perspektiven für den öffentlichen Nahverkehr zu erarbeiten, hatte das Landratsamt die Seilbahn bereits als Variante ins Gespräch gebracht. Auch wenn die Kreisräte der bislang eher mit der Überwindung von Höhenunterschieden in Verbindung gebrachten Seilbahn den Stellenwert eines urbanen Exoten zubilligten – den Kreistagsbeschluss vom 24. Juli nahm das Landratsamt als Auftrag, verschiedene Routen auf ihre Seilbahntauglichkeit hin zu prüfen.

Ihr Augenmerk richtete die Verwaltung vor allem auf fehlende, tangentiale Verbindungen zwischen den S-Bahnachsen. So könnte der Dauerstau im Isartal, wo sich der Verkehr zwischen Pullach und Grünwald über eine Brücke quält, entschärft werden. Von Gräfelfing bis Germering existiert bis heute keine direkte Nahverkehrsverbindung – und wird es wohl auch nie geben, wie Landrat Christoph Göbel (CSU) bemerkte. Oberhachings Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) könnte sich eine Seilbahn nach Aschheim vorstellen. Markus Büchler (Grüne) sieht Seilbahnen vor allem Ortsteile oder ganze Regionen erschließen, die für die U-Bahn zu kostspielig wären. Laut Professor Wagner funktioniert das Konzept nur, wenn die Seilbahn nicht in Konkurrenz zu Bus oder Bahn betrachtet wird. „Die Seilbahn kann nur Teil eines umfassenden Verkehrskonzepts sein.“ In jedem Fall müsse man die Menschen mit einbeziehen. Eine Seilbahn über bewohntes Gebiet ist laut Wagner nicht durchsetzbar: „Der Bürger will in seinem Garten nicht alle 15 Sekunden von einer Gondel beschattet sein.“ Ansonsten scheint nichts gegen eine urbane Seilbahn zu sprechen. Mit gut 20 km/h bewegen sich die Gondeln im Stadtverkehr schneller als die Tram (19 km/h), sind nur unwesentlich langsamer als Autos. Und während ein Bus-Kilometer 20 Millionen Euro kostet, U-Bahn sogar bis zu 250 Millionen Euro, werden für die Seilbahn nur acht Millionen Euro fällig. Der Bund finanziert zudem Maßnahmen anteilig mit bis zu 50 Prozent, die sich sinnvoll in den Nahverkehr integrieren. Wann das Landratsamt konkrete Seilbahnverbindungen ins Auge fasst, ist aber noch unklar.

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