1. Startseite
  2. Lokales
  3. München Landkreis
  4. Pullach

Isartrail-Friedenspakt in Gefahr

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Andreas Sachse

Kommentare

null
Die unbefestigten Trails entlang der Isar sind eine beliebte Route für Mountainbiker. Naturschützern ist das allerdings ein Dorn im Auge. Mit einem neuen Konzept sollen Naturschutz- und Freizeitinteressen vereint werden. © Martin Becker/Archiv

Freizeitspaß für Mountainbiker contra Naturschutz: Nach jahrelanger Auseinandersetzung einigten sich Naturschützer und Radsportvereine auf ein Konzept naturverträglicher Nutzung des Isartals. Nun droht der Plan allerdings am Widerstand von Grundstückseigentümern zu scheitern.

LandkreisMountainbiker schätzen die anspruchsvollen Trails zwischen der Dürnsteiner Brücke und der Großhesseloher Eisenbahnbrücke. Nicht jeder Radsportler hält sich an vorgegebene Routen und Wege. Naturschützer schlugen Alarm: Teile der Isarauen sind als Schutzzonen für Flora und Fauna als FFH-Gebiet ausgewiesen.

Um so größer war die Freude, als beide Seiten sich im vergangenen Herbst auf das Konzept „Natur-Erholung im Isartal im Süden von München“ verständigten. Der Landkreis ist bereit, die gemeinsame Erklärung als Projektträger zu unterstützen, besteht jedoch darauf, dass die Stadt München sich als einer der Grundstückseigentümer ebenfalls der Vereinbarung anschließt.

Auch zum Thema: Ein Münchner Mountainbiker ist auf der sogenannten „Isartrail Grünwaldrunde“ gestorben. Spaziergänger fanden ihn nach einem Sturz von der Sprungschanze, doch er verstarb. Nur wenige Tage später verunglückte auf den Isartrails nun ein 13-jähriger Junge. Er hatte die Kontrolle über sein Mountainbike verloren und sich überschlagen.

Ostseite des Isartals problematisch

Das Konzept sieht ein 78 Kilometer langes Wegenetz für Mountainbiker vor, ein gutes Drittel davon als echte Trails auf unbefestigten Wegen. Das Konzept schreibt vor, wo Wege und Trails entlangführen dürfen. Im Gegenzug werden von Mountainbikern „wild“ geschaffene Trails der Natur überlassen. Gebietsbetreuer überwachen die Vereinbarung. Das Landratsamt ist bereit, einen Gebietsbetreuer zu stellen. Sportvereine und Naturschützer sehen sich außer Stande, die Regeln für Mountainbiker und den Zustand der Wege zu überwachen. Ein zweiter Gebietsbetreuer müsste von der Stadt München in die Isarauen entsandt werden. Als Grundstückseigner wäre München als Projektträger für die Isar-Ostseite prädestiniert. Eine Zusage der Stadt liegt noch nicht vor, ist wohl aber nicht mehr allzu fern. Eine Sprecherin des Landratsamts informierte die Fraktionen im Umweltausschuss des Kreistags, dass die Dritte Bürgermeisterin, Christine Strobl (SPD), lediglich um etwas Geduld bittet. Offensichtlich befasst sich das Referat für Stadtplanung und Bauordnung bereits mit der Angelegenheit.

Mit München als Projektträger für Isar-Ost und dem Landkreis auf dem Westufer wäre eine wichtige Voraussetzung für eine baldige Umsetzung des Konzepts „Natur-Erholung im Isartal im Süden von München“ erfüllt. Gerade die Ostseite ist prekär, wo zwischen Grünwalder Brücke und Tierpark ein gutes Stück Hang abzurutschen droht. Um eigene Haftungsrisiken auszuschließen, bestehen Grundstückseigner wie die Uniper Kraftwerke auf einem Vertrag mit einem Projektträger. Das Landratsamt sichert sich gegen Unfälle und Unglücke bei der Versicherungskammer Bayern ab. Eine Anfrage läuft.

Uniper fürchtet Wertminderung

Damit sollte eine weitere Voraussetzung für die Umsetzung des Konzepts erfüllt sein. Uniper Kraftwerke aber spielt nicht mit. Die GmbH fürchtet eine Wertminderung ihres Grundstücks durch Mountainbiker. Gegenwärtig bemüht sich die Gemeinde Pullach um die 100 Hektar große Fläche. Sollte Uniper nicht verkaufen oder am Ende sogar Pullach ein Veto gegen Mountainbiker einlegen, wäre eine zehn Kilometer lange Umgehung unumgänglich.

Nicht wenigen Kreisräten geht das Gezeter zu weit. Brunnthals Bürgermeister Stefan Kern (CSU), der als Naturliebhaber und überzeugter Mountainbiker zwei Herzen in seiner Brust vereint, ist den Streit leid: „Laut Grundgesetz, Bayerischer Verfassung und nach meiner Rechtsauffassung sind öffentliche Wege frei – lasst Euch nicht ins Bockshorn jagen!“

Auch interessant

Kommentare