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Setzen ein Zeichen: die Autoren in Pullach.

Lesung gegen Fremdenfeindlichkeit in Pullach

Kratzer im Bild des "liberalen Urbanlers"

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Pullach - Sechs Autoren und ihre Geschichten: Sie lesen gegen Fremdenfeindlichkeit.

Lesen gegen Fremdenfeindlichkeit: In der Pullacher Charlotte-Dessecker-Bücherei sind sechs Autoren aufgetreten und haben aus dem Buch „Fremd“ vorgetragen. Herausgeber Fridolin Schley, „der gute Geist der Münchner Independent-Literatur-Szene“, wie ihn Bücherei-Leiterin Eveline Petraschka begrüßte, führte durch die Lesung. 

Solche Abende – die Veranstalter hatten auch vier Flüchtlinge aus dem Senegal und aus Syrien eingeladen, die ein wenig aus ihrem Leben erzählten – seien nötig, „das müsste den meisten klar sein, die die Nachrichten verfolgen“, sagte Schley. Er verwies auf aktuelle Zahlen, nach denen tätliche Angriffe gegen Ausländer seit 2015 enorm zugenommen haben: Drei seien es umgerechnet pro Tag. 

Er hoffe, sagte Fridolin Schley dem Publikum in der gut besuchten Bücherei, mit der Lesung „einen kleinen Beitrag gegen Fremdenfeindlichkeit und Ignoranz leisten zu können“. Die acht Euro Eintritt pro Besucher bekommt der Pullacher Flüchtlings-Helferkreis. 

Schley und die Autoren Jürgen Bulla, Sandra Hoffmann, Katja Huber, Margarete Moulin, Steven Uhly und Andreas Unger verzichteten auf ein Honorar. Das Buch „Fremd“ (P. Kirchheim Verlag) ist 2015 in Zusammenarbeit mit dem Literaturportal Bayern entstanden und beinhaltet ganz unterschiedliche Texte: 18 Autoren gehen, auch humorvoll, in Geschichten, Gedichten, Satiren, Analysen, Bekenntnissen, Utopien und Plädoyers für Weltoffenheit, diversen Fragen nach: Warum macht das Fremde manchen Menschen solche Angst? Wo sind wir selbst fremd? Wie gehen wir mit eigenen Vorurteilen um? 

Manche Gedanken mögen dem ein oder anderen Besucher gar nicht fremd vorgekommen sein. Etwa Andreas Ungers „Der Pegide in mir“. Er beobachte häufig, dass er eigene Vorurteile habe, die in bestimmten Situationen „hervorkriechen“. Lacher erntete Unger für eine Wirtshausszene mit der osteuropäischen Kellnerin. „Ich denke: Habt’s ihr denn keine bayerischen Bedienungen?’ Der Niederbayer in mir sähe es offenbar gern, wenn das Reinheitsgebot auch auf Kellnerinnen ausgeweitet würde.“ Er, der Anti-Pegida-Demos besuche und einige Monate in Afrika gelebt hat, sei „erstaunt über das, was ich denke. Es ist, als beleidige es mich selbst. Es zerkratzt mein Bild von mir, dem geerdeten, liberalen Urbanler.“ 

Auf eine Umfrage unter Freunden in Berlin, ob sie ähnliche Gedanken hätten, habe nur einer geantwortet. Er habe weiter gefragt und „besonders spannende Antworten“ von Leuten mit Migrationshintergrund bekommen. „Zum Beispiel von einer rumänisch stämmigen Frau, die nicht in Obersendling wohnen möchte, weil dort so viele Ausländer rumlaufen. Sie sagt: ,Ich darf das sagen, ich bin selber Ausländer.’“ 

Beim Skifahren kam Sandra Hoffmann die Erinnerung an Orhan Kutlucan, den Türken in dem katholischen Kindergarten in Schwaben, den sie als kleines Mädchen besucht hat. „Der Körper vergisst nicht“ habe sie festgestellt, als sie nach 30 Jahren wieder auf Skiern gestanden habe. „Und interessanterweise fiel mir dann, noch im Skilift, Orhan Kutlucan ein.“ 

Denn ähnlich, wie sie das Skifahren nicht verlernt habe, habe sie ein Erlebnis verinnerlicht. „Ich weiß noch, wie meine streng katholische Oma sagte, ,Das sind doch Türken!’ Und meine Mutter antwortete ,Ja und?’.“ Für dieses „Ja und?“ sei sie ihrer Mutter bis heute dankbar. „Weil ich glaube, es ist so etwas Ähnliches wie mit Hunden. Hat die Mama Angst vor Hunden, hat es auch das Kind. Hat die Mama Angst vor Menschen anderer Herkunft ...und so weiter."

Bernadette Heimann

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