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Künstler schaffen sich neue Auftrittsmöglichkeit: Märchen im Radl-Kino

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Von: Andrea Kästle

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„Die Leute sind alle total begeistert“: Hedwig Rost und Jörg Baesecke und ihr, wenn man so will, kleinstes Kino der Welt.
„Die Leute sind alle total begeistert“: Hedwig Rost und Jörg Baesecke und ihr, wenn man so will, kleinstes Kino der Welt. © andrea kästle

Pullach – Der Kirchplatz in Pullach im Dunklen. Bunte Glühbirnen leuchten an einem Radl, irgendwann fängt es an, ein wenig zu rauschen - und auf einer Mini-Leinwand, befestigt am Korb des Radls, tut sich was.

Da läuft ein kleiner Film, der eine Geschichte erzählt, ein „Weihnachtsmärchen aus Belarus“. Die beiden Pullacher Künstler Hedwig Rost und Jörg Baesecke, die auch 2021 wieder viele Auftritte aus ihrem Terminkalender streichen mussten, haben sich eine neue Auftrittsmöglichkeit verschafft. Sie zeigen die Filme, die sie seit der Pandemie von ihren Stücken zu drehen begannen, auf ihrem Radl-Kino.

In die Pedalen treten und den Beamer anknipsen

In München haben sie das hin und wieder schon gemacht, in der Adventszeit auch zweimal auf dem Markt in Baierbrunn, am Stand des rührigen Vereins „Mittendrin in Baierbrunn“. Jetzt sind die beiden zum ersten Mal in Pullach mit dem Kino auf zwei Rädern, Jörg Baesecke strahlt. Hedwig Rost steht daneben und freut sich auch. Die Zuschauer: allesamt begeistert, manche sehen sich das Märchen dreimal hintereinander an. Zwei kleine Kinder wünschen sich, dass auch nochmal das Stück „Der Handschuh“ gezeigt wird, in dem es um einen Handschuh geht, den ein Großvater im Wald verloren hat – und in dem dann verschiedene Tiere einziehen, ohne einander aufzufressen. „Das ist eigentlich eine Sozialutopie“, meint Hedwig Rost und lächelt. Erzählt wird die Geschichte anhand von Scherenschnittfiguren.

Neues Stück „Der Handschuh“ erzählt eine Sozialutopie mit Scherenschnittfiguren

Jörg Baesecke ist ohnehin ein Tüftler, zusammen mit seiner Frau und Künstler-Partnerin hat er sich auch in die Filmtechnik ziemlich eingearbeitet. Schon im März 2020 fingen sie an, ihre Filme auf ihre Webseite zu stellen, eigentlich als Trostpflaster für all die, die jetzt nicht mehr in ihre Vorstellungen kommen konnten – aber auch als eine Art Beruhigungsmittel für sich selbst. „Wir machen das mit Hausmitteln“, meinte Hedwig Rost anfangs immer, aber längst sind die beiden auch beim Filmemachen über Amateurniveau hinaus.

Coronasicher draußen auftreten

Letztlich können sie in ihrem Radl-Kino, das mit einem Beamer funktioniert, den Baesecke an seinem Lenker befestigt, freilich jeden ihrer Filme zeigen. Aber sie können jetzt auch wieder das machen, womit sie vor vielen Jahren ihre künstlerische Laufbahn begonnen haben – Theater nämlich. In der von ihnen begründeten „Kleinsten Bühne der Welt“, die praktischerweise so klein ist, dass man sie auch vor dem Radllenker befestigen kann. Auch damit lässt sich dann Corona-sicher draußen spielen, von beiden Seiten ist die winzige Bühne ja zugänglich.

Manche Besucher wollten trotz empfindlich kalter Temperaturen einfach nicht mehr gehen. Aber irgendwann machte der erste Akku schwach – und nach doch einigen Durchgängen knipste Jörg Baesecke den Beamer dann aus. Jetzt strahlten nur noch der Christbaum und die Kirche, Baesecke, der erklärte, dass man mit dem Radl-Projekt an „alte Traditionen aus dem japanischen Papiertheater“ anknüpfe, meinte: „Im Moment sind eigentlich nur noch Auftritte in Schulen möglich.“ Aber immerhin, ihr umfangreiches Stück über Schöpfungsmythen aus verschiedenen Ländern, das „Wie die Welt auf die Welt kam“ heißt, konnten die beiden im Dezember noch zeigen. Im Pullacher Bürgerhaus, das freilich nur Corona-eingeschränkt besetzt werden konnte.    

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