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Treffpunkt Garten: Auch Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (stehend 3.v.l.) schaute beim Mieterfest vorbei. Organisiert hatte die Feier Marianne Stöhr (stehend 7. v. l.), die in der Hausnummer 48 wohnt. 

Pullacher Siedlung feiert

Mieterfest: 50 Jahre Hans-Keis-Straße

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Alte Anekdoten, neue Bekanntschaften und ein großes Fest: Die Mieter der Hans-Keis-Straße 38 bis 54 feiern 50 Jahre Nachbarschaft.

Pullach – Früher haben sie sich zugewunken von Balkon zu Balkon, sind im Treppenhaus beieinander gestanden, um zu ratschen. Heute ist alles ein wenig anonymer geworden in den Häuserblocks an der Hans-Keis-Straße in Pullach. Aber am Wochenende haben die Mieter dort wieder gemeinsam gefeiert – weil die Gebäude 38 bis 54 heuer 50 Jahre alt geworden sind.

Organisiert hat die kleine Feier auf der Grünfläche zwischen Haus 48 und 50 die Grünen-Gemeinderätin Marianne Stöhr, die selbst im Haus Nummer 48 wohnt und dort 1967 eingezogen ist. Damals stand das Gymnasium gegenüber noch nicht, und das Hallenbad, das bald nicht mehr da sein wird, hat es auch noch nicht gegeben. Man konnte vom Balkon aus rüberschauen zum Waldrand und abends der Sonne beim Untergehen zusehen. „Die Gemeinde hat dort auf der Wiese im Winter manchmal einen Eisplatz angelegt, unsere Kinder sind dort Schlittschuh gelaufen“, sagt Stöhr.

An Biertischen sitzen an diesem Nachmittag ehemalige und derzeitige Bewohner mit ihren ehemaligen und derzeitigen Nachbarn zusammen. Auch türkische Familien sind gekommen, junge Leute wie alte. Manche haben sich eine Brotzeit mitgebracht. Später kommt eine Frau vorbei mit Fleischpflanzerln und einer großen Schüssel Kartoffelsalat.

Jochen Kranich, der im Haus 48 aufgewachsen ist, erzählt, sie seien damals 28 Kinder gewesen, nur in diesem einen, vierstöckigen Anwesen. Sie hätten mit den Kindern von gegenüber nicht viel zu tun haben wollen, „da war totale Feindschaft“. Die Buben und Mädchen trafen sich schon vor der Schule beim Sandkasten hinterm Haus, nachmittags spielten sie dort „Ochs am Berg“ und „Räuber und Gendarm“. Und es gab Fußballspiele gegen die Kinder der Grundelbergsiedlung. Und an diesen einen schlimmen Nachmittag, als plötzlich ein kleiner Bub verschwand. Er wurde schließlich im Nachbarkeller gefunden, wo er eingeschlafen und versehentlich eingesperrt worden war. Die Linde, die dort steht und jetzt bis zum Hausdach reicht, war damals „ein kleiner Baum“.

Derweil mussten die Erwachsenen die Treppen abwechselnd noch selber putzen – inzwischen hat die Baugesellschaft München-Land dafür eine Fremdfirma engagiert. Die Mütter waren in der Regel zuhause und haben „ständig für Ordnung gesorgt“, erzählt Stöhr. Man kümmerte sich zusammen um die Außenanlagen. „Das hat sich verändert, die Mieter fühlen sich weniger zuständig.“ Auch deswegen habe sie das Fest organisiert. Damit nicht alles auseinanderfällt.

Sie schaut sich ein wenig um und sagt, es gefalle ihr, wieviel Abstand die Häuser zur Straße haben. Wieviel Grünflächen es gebe zwischen den Blöcken, die mal parallel zueinander stehen, mal im rechten Winkel. Etwa 30 Gebäude gehören zur Siedlung, die sich die ganze Straße runterzieht. Richtung Süden sieht man einen gelben Kran in den blauen Himmel ragen – dort wird anstelle einer vormaligen Garagenzeile ein weiteres Haus gebaut mit 20 Wohnungen, eine davon für eine WG mit Behinderten und Nichtbehinderten. Elf Euro pro Quadratmeter zahlen Mieter, die neu einziehen, ältere Verträge verlangen im Schnitt einen Quadratmeterpreis von 8,60 Euro.

In den 1980er Jahren, bekommt man zu hören, wurde es dann plötzlich recht ruhig in der Anlage. Die Kinder waren groß geworden und zogen aus. „In den Sandkästen wuchs schon Gras“, erzählt Marianne Stöhr. Bis wieder junge Familien, darunter auch manche aus der Türkei, nachzogen – und das Gras aus dem Sand verschwand.

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