Das Pullacher Gymnasium ist ein, so der Architekt Christian Lechner, „herausragendes Beispiel des sogenannten Brutalismus“ – des Bauens mit Sichtbeton also. Besonders an der Schule ist auch die dort umgesetzte Kunst am Bau mit vielen Farbflächen.
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Das Pullacher Gymnasium ist ein, so der Architekt Christian Lechner, „herausragendes Beispiel des sogenannten Brutalismus“ – des Bauens mit Sichtbeton also. Besonders an der Schule ist auch die dort umgesetzte Kunst am Bau mit vielen Farbflächen.

Gemeinderat denkt über Umnutzung des Otfried-Preußler-Schule nach

Gymnasium Pullach: Neubau im Gespräch

  • VonAndrea Kästle
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Die Gemeinde Pullach überlegt, einen neuen Gymnasiumsbau zu errichten. Der Platz reicht hinten und vorne nicht.

Pullach – In der Dauer-Diskussion um die Pullacher Schulen sind ganz neue Aspekte aufgekommen. In der Gemeinde wird überlegt, das architektonisch besonders wertvolle Gymnasium für die Mittelschule zu nutzen und dafür dann eine neue zum Abitur führende Schule zu errichten.

Persönliche Befindlichkeiten?

Aber klar: Pullach wäre nicht Pullach, wenn schon Entscheidungen getroffen worden wären. Erst einmal wurde diese Möglichkeit im letzten Gemeinderat vorgestellt, von der sogenannten „Schulgruppe“, der Kommunalpolitiker aller Fraktionen angehört haben und die in den letzten Monaten mehrfach getagt hat. Jedoch wurde inhaltlich im Gremium dann kaum etwas besprochen. Es ging etwa zwei Stunden lang vorwiegend darum, wer wann innerhalb der Gruppe unter Umständen vernachlässigt worden ist. Letztlich kündigten zwei Leute aus der Gruppe an, deren Ergebnisse nicht mitzutragen.

Zusammenschluss zu Schulcampus

Dabei ist, was die Gruppe angedacht hat, womit sie offenbar einen Vorschlag der Verwaltung aufgriff, durchaus nicht ohne. Demnach würden Gymnasium und Mittelschule zu einem Schulcampus zusammengezogen, die Sportstätten für beide Schulen würden verlegt auf die Kuhwiese. Dann könnte auf den jetzigen Sportplätzen ein neues Gymnasium hochgezogen werden. Das jetzige Gebäude, ein laut dem Pullacher Architekten Christian Lechner, der vor kurzem erst ein Konzept im Gremium vorgestellt hatte für eine Sanierung und Erweiterung des Gymnasiums, „herausragender Bau“, würde dann der Mittelschule und dem Gymnasiums-Ganztag zur Verfügung gestellt.

Einige stehen dem Neubau sehr skeptisch gegenüber

Einer der wenigen, der inhaltlich zu diesen Möglichkeiten Stellung nahm, war Johannes Schuster von der WiP. Er sagte: „Mich verwirrt es sehr, dass jetzt fürs Gymnasium von einem Neubau die Rede ist.“ Der Gemeinderat sei von Lechner, als der die Sanierung vorstellte, „beschworen“ worden, das bestehende Gymnasium, entworfen von Werner Fauser, nicht abzureißen. Lechner hatte damals gemeint, das Gebäude würde locker weitere 30 bis 50 Jahre überdauern. Gleichzeitig meinte Schuster, er fände es nicht günstig, die Grundschule schon auf dem Mittelschul-Gelände zu planen, solange noch gar nicht klar sei, wo eine neue Mittelschule hinkommen könnte. Auch das hatte die Schulgruppe vorgeschlagen. Auch seine Fraktionskollegin Angelika Metz meinte, die dargelegten Vorstellungen seien „überzogen“, man müsse nicht immer „höher, größer, weiter“ planen.

Kein Standort kann gesondert betrachtet werden

Inzwischen ist nach den jahrelangen Überlegungen die Frage, welche der drei öffentlichen Pullacher Schulen wo wie neu gebaut oder in welcher Form saniert werden könnte, unglaublich verworren. Kein Schulstandort kann gesondert betrachtet werden, weil ja, wie es jetzt aussieht, keine Schule bleibt, wo sie ist. Letztlich streckte das Gremium vor dem Riesenknoten, der da entstanden ist mit der Zeit, die Waffen und stimmte mit elf zu neun dem Antrag von Michael Reich, FDP, zu, das Ganze zu vertagen.

Von Abriss nicht die Rede

Derweil sind sämtliche Optionen weiterhin offen – auch eine Verlagerung der Mittelschule nach Baierbrunn ist, wie Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne) sagte, „noch im Feuer“. Vom Abriss des Gymnasiums, sagte sie zu Schuster, sei allerdings „keine Rede“. Auf die Idee einer weiteren Schul-Rochade sei man gekommen, weil dem Landkreis die von Lechner projektierte Sanierung/Erweiterung des Gymnasiums für 93 Millionen (inklusive Container während der Bauzeit) zu teuer ist. Vergeblich ermunterte die Rathauschefin später ihre Kollegen, sich zu einer Entscheidung durchzuringen: „Wir müssen keine weitere Schleife drehen.“

Wie es jetzt weitergeht? Man darf gespannt sein. Verena Hanny, erst seit dieser Wahlzeit im Gemeinderat, meinte bei der Sitzung irgendwann genervt: „Wir drehen uns andauernd nur im Kreis. Wir finden auch keine Einigkeit, wenn wir uns nochmal treffen.“ Man solle sich zu Entscheidungen durchringen: „Wir machen uns sonst nur lächerlich.“

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