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Fesch in Tracht: Ein letztes Mal waren die Abiturienten als Schüler in ihrem Gymnasium. Jetzt geht es ins Leben hinaus.

Abiturfeier am Otfried-Preußler-Gymnasium

Das Leben findet nicht nur am Strand statt

Pullach - Draußen, auf dem Pausenhof, standen schon die Sektgläser bereit und blitzten in der Sonne. Drinnen, unter einer Decke voller Luftballons, die später in den Himmel entlassen wurden, ging im Otfried-Preußler-Gymnasium in Pullach erstmal die offizielle Verabschiedung der 84 Abiturienten über die Bühne. Mit Reden und Musik.

In Tracht saßen die künftigen Ex-Schüler unten in den ersten Reihen; wer Turnschuhe anhatte zur Lederhose oder statt eines Hemds ein Sweat-Shirt trug, fiel schon auf. Man fächelte sich mit dem Programm ein wenig Luft zu, die Eltern fotografierten fleißig und suchten zwischen den bereitstehenden Lebkuchenherzen, die jeder Abiturient bekam, und den Saunatüchern der Gemeinde, die später den 32 Abgängern mit einem Einserschnitt überreicht wurden, den besten Blickwinkel. Den Reigen der Ansprachen eröffnete Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne), die zu einer Zeit, da die Schule noch nicht nach einem Kinderbuchautor benannt gewesen ist, hier selbst fürs Leben gelernt hat. Allerdings, meinte sie schmunzelnd in Anspielung auf den einen Kandidaten, der das Gymnasium in sieben Jahren durchlaufen hat, so schnell sei sie nicht gewesen. In den 70er Jahren war es nicht besonders en vogue, ehrgeizig daherzukommen. „Ich kann Ihnen prophezeien, dass die Kontakte, die Sie hier aufgebaut haben, ein Leben lang halten“, sagte sie den Anwesenden, und: „Ich hoffe, dass Sie Ihren Weg finden werden.“ 

Derweil nahm die Schulleiterin an diesem Vormittag, der „Abschluss wie Anfang“ zugleich markiere, Bezug auf den Namensgeber der Schule und einem seiner Werke. Dem vom „Räuber Hotzenplotz“, der ja eigentlich bei aller nach außen zur Schau gestellter Kaltschnäuzigkeit ein „empfindsamer Mensch“ gewesen sei. Am Ende kratzt er, was die inneren Werte angeht, deshalb die Kurve, weil die Dorfgemeinschaft „ihm die Hand entgegenstreckt“. Entsprechend ihr Appell: „Nutzt Eure Ausbildung, um Euch zum Wohl der anderen einzusetzen.“ In der Abirede, gehalten von Hanna Hengst und Federico Rizzo, stellten die beiden das schulintern wohl nicht unumstrittene Jahrgangs-Motto „Abikini“ ins Zentrum ihrer Ansprache, weshalb es dann bisweilen leicht bemüht darum ging, dass man ab jetzt die Bademode selbst erwerben müsse, dass einige viel, vielleicht zuviel Zeit am Strand verbracht hätten in den letzten Jahren. Schließlich bedankten sich die zwei bei Eltern und Lehrern, insbesondere bei den Oberstufenkoordinatoren Elisabeth Greif und Brigitte Meinhard und dem engagierten Mathelehrer Markus Martini. Letzter Satz der Rede, nachdem wenigstens auch einmal Kafka zitiert worden ist („Wege entstehen dadurch, dass man sie geht“): „Packt die Badehose ein und genießt den Sommer!“

Andrea Kästle

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