Flüchtlingsunterbringung

Anlieger wollen keine Container

Pullach - Anlieger der Margarethenstraße und der Grundelbergwiese in Pullach haben in der jüngsten Gemeinderatssitzung ihren Unmut darüber geäußert, dass in ihrer Nachbarschaft Container für Flüchtlinge aufgestellt werden sollen. Sie befürchten mehr Kriminalität.

Gemeinderäte haben bei ihren Sitzungen momentan mehr Publikum als sonst. Die Leute kommen in die Bürgerfragestunden, um Stellung zu nehmen zu den aktuellen Entwicklungen beim Thema Asyl. So auch in Pullach, wo Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne) irgendwann die Besucher ermahnte: Die Fragestunde sei ein „Entgegenkommen der Gemeinde“ – und nicht zum Meinungsaustausch da. Die Anlieger der Margarethenstraße und der Grundelbergwiese wollen nicht, dass in ihrer Nachbarschaft Container für Flüchtlinge aufgestellt werden. Das äußerten sie in der Bürgerfragestunde. 

Daraufhin entbrannte unter den Gemeinderäten noch einmal eine Diskussion darüber, wie der entsprechende Gemeinderatsbeschluss am 2. Februar überhaupt zustande gekommen war. Als CSU, FDP und WiP sich schon im Vorfeld auf drei Standorte für Flüchtlingsunterkünfte geeinigt hatten – und die dann durchsetzten mit der Mehrheit, die sie hatten. Ideen der Verwaltung wurden gerade noch zur Kenntnis genommen, aber nicht mehr überlegt. „Das war ein Bruch mit sämtlichen parmlamentarischen Verfahrensregeln“, kritisierte Odilo Helmerich (SPD), „die Ergebnisse haben mit dem Prozess der Diskussion nichts zu tun“.

 „Warum“, wollte einer der Bürger wissen, der am Grundelberg wohnt, „werden die Flüchtlinge nicht fair und gerecht verteilt?“. Gegen die Container auf der Grundelbergwiese, in denen 40 Ankömmlinge ein Zuhause auf Zeit finden sollen, haben inzwischen Anlieger, wie eine Frau berichtete, 240 Unterschriften gesammelt, „es werden noch mehr werden“. Sie befürchte, sagte sie, dass in der Gegend die Kriminalität ansteigen wird – „und wir haben nichtmal eine Polizei in Pullach“. Tausendfreund versuchte, sie zu beruhigen: „Die Kriminalitätsstatistik spricht gegen Ihre Aussage“, nirgends seien im Umfeld von Asylbewerberheimen die Straftaten signifikant angestiegen. 

Auch Nachbarn der Margarethenstraße waren zur Sitzung gekommen. Auch dort sollen Container aufgestellt werden für 40 Zuzügler. Weshalb es eng werden könnte auf dem Areal, das einerseits an den BND grenzt, auf dem noch die Fußballwiese und der Skaterpark sind – und vor allem die Krippe Mäuseburg, die ihr Gebäude demnächst ausbaut. „Der Standort ist absolut ungeeignet, das geht in meinen Augen nicht“, ärgerte sich ein Vater. „Wir können jederzeit andere Grundstücke in Erwägung ziehen, aber dafür brauchen wir eine neue Gemeinderats-Entscheidung“: Die momentane Beschlusslage zu verteidigen, überließ Rathauschefin Tausendfreund damit den daran beteiligten Fraktionen. Von denen Andreas Most, CSU, meinte: „Integration findet nicht in einem eng umrissenen Terrain statt.“ Reinhard Vennekold, WiP, kündigte an, demnächst einen „offenen Brief“ zu schreiben an die Bürger. Und Alex Beth von der FDP sagte schließlich: „Irgendwo müssen wir die Leute unterbringen, wir können es nicht allen recht machen.“

Andrea Kästle

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