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Ausräumen im Probenraum: Die TuneD-Musiker (v.l.) Patrick Schlösser, Bernhard und Gaby Kölbel sowie Martin Hoffmann von den Wednesday Wolves. Sie wären alle lieber hier geblieben.

Wegen Sanierung im Gewerbepark Höllriegelskreuth

Bands verlieren Probenraum: Hier spielt die Musik nicht mehr

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Auf dem Boden stehen noch ein paar Plastikkisten voller Kabel, rechts ist noch ein kleiner Kasten. Patrick Schlösser streckt sich zur Decke, er sagt, der Raum sei halt auch nicht hoch, die Akustik quasi perfekt gewesen. Aber es hilft alles nichts. Die drei Bands, die im Gewerbepark Höllriegelskreuth seit Jahren geprobt haben, müssen raus. Das Areal wird saniert.

Höllriegelskreuth – Das kleine Gewerbegebiet zwischen Isar und Kanal ist wahrscheinlich die am idyllischsten gelegene Ansammlung von Büros und Handwerksbetrieben, die sich rund um München finden lässt. Auf dem Weg dorthin trifft man Radler und Spaziergänger, die sich wundern über die Bebauung hier unten im Landschaftsschutzgebiet. Neben dem Isar-Kraftwerk. Vor zehn Jahren hat der Energiekonzern Eon begonnen, Anwesen, die nicht mehr gebraucht wurden, zu vermieten, und zu den ersten Mietern gehörten eben die Musiker der Partyband „TuneD“. Dann hat, vor sieben Jahren, die Gemeinde Pullach das 55 000 Quadratmeter große Areal, das eigentlich auf Baierbrunner Gebiet liegt, gekauft. Es war von Anfang an klar, dass die Gebäude dort teils baufällig sind und hergerichtet gehören. Und jetzt, nach mehreren auch hitzigen Diskussionen im Gemeinderat, ist es eben soweit.

Nur, leider: Während die Betriebe, die sich hier unten angesiedelt haben, die Spenglerei und die Möbelschreinerei, der Installations- wie der Elektrobetrieb, die kleine Gärtnerei und der Weiße Rabe, bleiben können, hat die Gemeinde Ende Juli den Musikern ihren 40-Quadratmeter-Raum gekündigt. Weil sie Ausweichflächen braucht, um die jeweils von der Sanierung betroffenen Firmen vorübergehend umsiedeln zu können.

„Schon klar, die Kündigung war innerhalb der vereinbarten Frist. Aber wir wären gern geblieben“, sagt Martin Hoffmann, als er und die Kollegen ihre restlichen Sachen abholen. Mit ziemlicher Wehmut, das merkt man allen an. Denn ihnen hat es hier gut gefallen. „Die Lage, die Lage, die Lage“, antworten sie dann auch als erstes, wenn man sie fragt, was sie am meisten vermissen werden, wenn sie bald an Höllriegelskreuth zurückdenken.

Es ist schon eine schöne Vorstellung, dass, wenn die Schreiner und Spengler, die Gärtner und Angestellten des Kunststeinhandels am Abend nach Hause gegangen sind, weiter Leben war in diesem völlig abgelegenen Teil von Pullach. Dass hier dann aus den alten Gemäuern Musik nach draußen drang, Songs von „Toto“, Robbie Williams oder „Journey“, wenn TuneD geprobt hat, beziehungsweise Chicago-Blues, wenn die Wednesday Wolves zusammen geübt haben. Die dritte Band, die hier regelmäßig spielte, heißt Sigi Großstadt.

„Im Sommer haben wir immer die Tür offengelassen“, erzählen Patrick, Gaby, Bernhard und Martin. Manchmal machten sie Pause und setzten sich auf die Bierbank auf der Grünfläche mit Wäschespinne zwischen den Häusern. Manchmal kamen Freunde vorbei, zweimal haben sie hier unten auch ein Sommerfest gefeiert. „Das Schöne war einfach, wir wussten immer, dass wir niemanden stören.“ Hin und wieder schauten Mitarbeiter vom Weißen Raben-Waldprojekt vorbei, einer von ihnen ist selbst auch Hobby-Schlagzeuger und spielte ab und an eine Runde mit.

Das ist nun vorbei. Die Bagger rücken an. Angefangen wird mit der Sanierung beim großen Gebäude gleich links, wenn man auf das Gelände kommt. Bei allen Anwesen müssen die Dächer gerichtet werden, überall sind Maßnahmen nötig, um die modernen Brandschutzauflagen zu erfüllen. Auch die zwei Wohnungen über dem Probenraum werden wieder hergerichtet. Knapp fünf Millionen Euro wird das alles kosten, inklusive einer neuen Brücke über den Kanal.

Schon im August 2017 hatten die Musiker mal Kontakt aufgenommen mit der Gemeinde bezüglich ihres Mietvertrags. Damals hat ihnen niemand gesagt, dass sie den Probenraum nicht mehr allzulang behalten werden können. „Jetzt hatten wir grade mal vier Wochen Zeit, um einen neuen Raum zu suchen.“ Letztlich hatten sie Glück im Unglück. Sie haben eine neue Unterkunft gefunden, in einem Keller in Taufkirchen, Allerdings, mit der Idylle drumherum ist es im neuen musikalischen Zuhause vorbei.

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