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Der rote Schal wie auf diesem Foto an seinem Grab war das Markenzeichen von Odilo Helmerich.

Beisetzung

Bewegender Abschied von einer Pullacher Legende

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Mit einer bewegenden Trauerfeier ist am Dienstag Odilo Helmerich beerdigt worden. Sehr viele Freunde, politische Wegbegleiter wie auch Berufskollegen nahmen von dem beliebten SPD-Gemeinderat und pensionierten Lehrer Abschied, der letzte Woche überraschend mit nur 68 Jahren gestorben war.

Pullach – Er selbst, Ehemann von Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund, Grüne, hatte sich sein Begräbnis genau so gewünscht: mit einem Gottesdienst in der katholischen Kirche vorneweg. Auch die Lieder, die gesungen werden sollten und die dann ein Chor von Lehrern des Gymnasiums Pullach vorgetragen hat, hatte er sich noch selbst ausgesucht. „Blowin in The Wind“ war darunter, „Yesterday“ von den Beatles und: „What a Wonderful World“.

Der Trauerzug mit dem Sarg auf dem Weg zum Grab. 

Wie engagiert Helmerich gewesen ist in sozialen Belangen und für den Frieden, dass er ein großer Menschenfreund war mit viel Humor, außerdem im Gemeinderat der „ungekrönte König des Zwischenrufs“: all das wurde nach dem von Pfarrer Wolfgang Fluck gehaltenen Gottesdienst noch in der gesteckt vollen Kirche von verschiedenen Rednern betont. Holger Ptacek, SPD-Gemeinderat, erzählte, wie sein Fraktionskollege Anfang der 70er Jahre mit dem VW-Bus über Land getuckert war, um Wahlkampf zu machen für Willy Brandt, dessen Leitspruch „Mehr Demokratie wagen!“ für ihn den „Aufbruch in die Moderne“ bedeutet habe.

Er habe Helmerich, berichtete Ptacek, 2000 kennengelernt, als der schon „eine lebende Legende“ war, „er wusste immer alles, war überall dabei gewesen“. Als Helmerich dann auch selbst mal fürs Bürgermeisteramt kandidierte, „da schienen ihn, wenn er da mit seinem roten Schal auf dem Kirchplatz stand, alle zu kennen. Zum Einzug in die Stichwahl reichte es dann nicht“. Der Wahl-Pullacher, der letztlich 34 Jahre im Kommunalgremium saß, sei streitfreudig gewesen, „er konnte stur sein“ und habe manchmal Reden gehalten, „bei denen legte man die Ohren an“. Ptacek regte an, für Helmerich, dem der kommunale Wohnungsbau immer ein großes Anliegen gewesen ist, an der Hans-Keis-Straße, wo die Gemeinde gerade ein Wohnhaus errichtet, einen Baum zu pflanzen.

„Seine hohe Bildung, die menschliche Wärme, sein Humor und die Zuverlässigkeit“: diese Eigenschaften würdigte der dritte Pullacher Bürgermeister Alex Betz, FDP, an dem Verstorbenen. „Nichts und niemand war ihm egal“, sagte er, „Frieden und Freiheit“ seien seine Themen gewesen. Sein Engagement für Regimekritiker in der DDR habe Helmerich sogar eine Stasi-Akte eingebracht, „auf die er vielleicht ein bisschen stolz gewesen ist“. Landrat Christoph Göbel, CSU, beschrieb Helmerich, den er seit Anfang der 90er Jahre kannte, wiederum als einen „rundum liebenswerten, gütigen, belesenen Mann, dessen Augenzwinkern ich nicht vergessen werde“.

Schließlich berichtete Sabine Simon, Deutsch- und Geschichtslehrerin am Gymnasium Pullach, von den „unzähligen Klassenfahrten“, die ihr ehemaliger Kollege mitgemacht und durchgestanden habe. In den 80er Jahren fuhr Helmerich mit den Schülern sogar auch mal nach Berlin. Sie behalte ihn, der 1978 an die Schule gekommen war, als „Freund, Gesprächspartner, Zuhörer und großartigen Erzähler der Geschichte“ in Erinnerung. Einmal lud er die anderen Geschichtslehrer ein für ein Wochenende nach Würzburg, wo er aufgewachsen war und wo jetzt die Landesausstellung stattfand. Unvergesslich seien ihr auch, meinte Simon, die Grillabende in der Kagerbauerstraße.

In seiner Predigt war derweil Pfarrer Fluck eingegangen darauf, dass Helmerich ein Kind der frühen Nachkriegszeit gewesen ist, die „Nachwirkungen der Diktatur“ seien damals noch zu spüren gewesen. Sein Vater war in Krieg und Gefangenschaft, Teile der Familie hatten die Bombardierung Würzburgs er- und überlebt. „Das war prägend für sein Leben.“ Helmerich sei ein zugewandter Lehrer gewesen, er habe sich erzählen lassen, dass ihn manche Schüler auch mit „Herr Odilo“ ansprachen. Nach dem Tod seiner ersten Frau, Uta Krause-Helmerich, die auch Lehrerin gewesen war, habe er, als er dann Susanna Tausendfreund heiratete, wieder Lebensfreude bekommen.

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