+
Geehrte mit Bürgermeisterin: Gerhard Hoheneder, Peter Wolff, Monika Stiegler, Heike Burges, Johannes Schuster, Susanna Tausendfreund, Hermann Popp, Alfred Seelmann (v.l.). Nicht auf dem Bild sind Regina und Christian Guhde.

Neujahrsempfang

Pfarrer sieht in AfD „Mutter aller Probleme“

  • schließen

Was man sich vorgenommen hat im neuen Jahr, in dem sich, da hatte es noch gar nicht richtig angefangen, schon 100 Millionen Euro in Schall und Rauch auflösten, weil sie verpulvert worden waren fürs Feuerwerk? Mit solchen Fragen befassten sich die Pullacher beim traditionellen Neujahrsempfang im Bürgerhaus.

Pullach – Der Rahmen: wie immer sehr festlich, auf der Bühne im großen Saal schöne, große Blumengestecke. Die musikalische Umrahmung besorgten Kinder der Musikschule, die wirklich beeindruckten mit ihren Darbietungen, außerdem das Ensemble von Irmi Mallach, La Rose Pauillac. Nach dem offiziellen Teil kam man zwischen den Stehtischen, an denen sich angeregt unterhalten wurde, kaum durch, so voll war es. Trotzdem war heuer etwas anders: Der Ton der Redebeiträge, gehalten von Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund und dem evangelischen Pfarrer Martin Zöbeley, war besorgter beziehungsweise bissiger als in den Vorjahren. Es ging um den Klimawandel, es ging aber auch um den Wandel des politischen Klimas in Deutschland, es ging, man kann es so sagen, ums Ganze.

„Alle Prognosen sagen, wir müssen jetzt aktiv werden, wenn wir unseren Planeten nicht so hinterlassen wollen, dass er unbewohnbar wird“, meinte die Grünen-Rathauschefin in ihrer Ansprache. „Die Fakten kennen wir seit Jahren.“ Soweit, dass die viel zitierten Kippmomente eintreten, nach denen die Klimaerwärmung unumkehrbar wird, dürfe man es auf keinen Fall ankommen lassen. „Es lohnt sich, um jedes Zehntel Grad zu kämpfen.“ Es sei, meinte Tausendfreund, „ein gutes Zeichen, dass die

jungen Leute aufs Thema aufmerksam machen“.

Des Pfarrers Rede war zugespitzt

Zöbeleys Rede war noch ein bisschen zugespitzter, auch politischer. Er war ziemlich erkältet und blieb deshalb nicht lange, aber einige Leute kamen auf ihn zu und dankten ihm für seinen Beitrag. Immer wieder hörte man später Besucher, die über das, was er gesagt hatte, redeten. Der rote Faden seiner Ausführungen: „Was wird aus unseren guten Vorsätzen anlässlich der Bedrohung, der wir alle ausgesetzt sind?“ Von allen Seiten sei unsere Freiheit bedroht, auch wenn man in Pullach dem Gang der Dinge recht gelassen zusehen könne: Man befinde sich ja am Isarhochufer. „Wollen wir bleiben, was wir sind?“, fragte der Geistliche die Versammelten – um dann die Pullacherinnen und Pullacher zu ermuntern, sich mit der Tatsache anzufreunden, „wie divers wir alle sind“.

Dritte Toilette überflüssig

Es sei, meinte er schmunzelnd, absurd, nachzudenken über eine dritte Toilette für das diverse Geschlecht an der neu zu bauenden Grundschule in der Gemeinde. Er glaube, alle Kinder könnten wirklich ohne Probleme ein gemeinsames Klo nutzen. Er sagte sinngemäß, die Unterscheidung in männlich, weiblich, drittes Geschlecht sei schlicht sinnlos. „Die Schöpfung ist auf Diversität angelegt, wer mal links schreibt, mal rechts, braucht ja auch keinen dritten Handschuh.“ Viel wichtiger sei, unsere Kinder anders zu erziehen, als es momentan gerade Sitte ist. Sie nicht stark machen zu wollen für die schwierigen Zeiten, die sie vielleicht mal durchmachen müssen. Sondern sie sensibilisieren für die Schwäche, die Buntheit, das Anderssein, das letztlich uns alle ausmacht.

AfD Mutter aller Probleme

„Ich schäme mich, weil ich so schlecht verzichten kann“, meinte der Pfarrer, „im kollektiven Freiheitsrausch unserer Generation ist es mir doch egal, wo der Müll landet.“ In den Ausführungen versteckt: ziemliche Spitzen gegen amtierende Spitzenpolitiker. Die AfD, hatte Zöbeley gemeint, sei, in Anspielung von Seehofers Worten von der Migration als der „Mutter aller Probleme“, die wirkliche „Mutter aller Probleme“ bei uns mit der „braunen Brühe“, die aus ihren Äußerungen fließe. Und: „Wenn der Verkehrsminister bleiben will, was er ist, dann hilft in dem Fall nur noch Beten.“ Sodann: die üblichen Ehrungen, Musik, Essen, Gespräche.

Lesen Sie auch:Miteinander statt Polarisierung

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Flugblatt warnt vor Rechts-Rapper in „Nazi-WG“ - Staatsschutz sucht Autoren
Ein rechtsextremer Rapper ist nach Sauerlach im Landkreis München gezogen. Dort ist er nicht willkommen. Ein Flugblatt warnt nun eindringlich vor der „Nazi-WG“.
Flugblatt warnt vor Rechts-Rapper in „Nazi-WG“ - Staatsschutz sucht Autoren
Weil fast 2 Millionen Euro im Haushalt fehlen: SPD wirft Bürgermeister „Schlamperei“ vor
Die Gemeinde Oberschleißheim hat ein großes Loch im Haushalt. Ihre fehlen fast zwei Millionen Euro, mit denen sie gerne kalkuliert hätte. Schuld ist für die SPD der …
Weil fast 2 Millionen Euro im Haushalt fehlen: SPD wirft Bürgermeister „Schlamperei“ vor
Kommunalwahl 2020: Alle Infos zu den Podiumsdiskussionen des Münchner Merkur
Bei vier Podiumsdiskussionen des Münchner Merkur stehen Bürgermeisterkandidaten Rede und Antwort. Alle Termine gibt‘s hier. Außerdem verraten Teilnehmer, wie sie sich …
Kommunalwahl 2020: Alle Infos zu den Podiumsdiskussionen des Münchner Merkur
SPD Brunnthal stellt sich für die Kommunalwahl auf
Die SPD Brunnthal-Hofolding hat ihre Kandidaten für die Gemeinderatswahl vorgestellt. Christine Zietsch und Gemeinderätin Anouchka Andres führen die Liste der zwölf …
SPD Brunnthal stellt sich für die Kommunalwahl auf

Kommentare