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Noch ist es eine Simulation: So soll die Wohnanlage einmal aussehen.  

An der Heilmannstrasse

Bürgerentscheid soll Wohnbau stoppen

  • vonAndrea Kästle
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Es gibt wieder mal Ärger um die Heilmannstraße 53 und 55 in Pullach. Die Gemeinde will das Grundstück mit Sozialwohnungen bebauen, die WiP ist dagegen. Und strengt jetzt einen Bürgerentscheid gegen das Projekt an.

PullachAm Montag wurden dafür die nötigen Unterschriften eingereicht, 745 Leute haben das Ansinnen der Fraktion unterstützt. Nur 675 wären nötig gewesen, erläuterte Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund, Grüne, bei der ersten Gemeinderatssitzung nach den Ferien am Tag drauf – weshalb es auch schon egal ist, dass 31 Leute unterzeichnet haben, die wohl nicht in der Gemeinde wohnen.

Erläutert wurde das Vorgehen von den Initiatoren nicht, nur Reinhard Vennekold stellte gleich zu Beginn der Sitzung den Geschäftsordnungsantrag, die Beratung über die Heilmannstraße, die an dem Abend weitergehen sollte, von der Tagesordnung zu nehmen. Aber außer seinen Mitstreitern war niemand dafür.

Dabei ist noch überhaupt nicht klar, ob es zum Bürgerentscheid kommen wird. Der Gemeinderat werde darüber in der nächsten Sitzung befinden, stellte Rathauschefin Tausendfreund klar. Die ist am 17. Oktober. Allerdings, der Städtetag wie auch der Anwalt der Gemeinde hätten ihr schon signalisiert, dass es Zweifel gibt, ob die Initiative zugelassen werden kann. Weil in der Begründung wichtige Informationen ausgespart würden. „Bürgerbegehren werden heutzutage nicht mehr so leicht genehmigt“, erklärte die Grünen-Politikerin, die selbst Juristin ist.

Zum Beispiel, führte sie dann aus, werde in dem Begleittext, den die WiP den Pullachern an die Hand gibt, nicht aufgeführt, was eigentlich der Fall ist, wenn die Planungen jetzt abgebrochen werden. Fördergelder in Höhe von drei Millionen Euro seien dann verloren, ebenso der Vorschuss über 1,1 Millionen, den die Gemeinde an die Baugesellschaft München-Land bereits geleistet hat. Auch die Kommunalaufsicht im Landratsamt hat die Bürgermeisterin schon kontaktiert, von ihr hat sie aber noch keine schriftliche Stellungnahme.

Derweil sei die Fragestellung selbst, die lautet: „Sind Sie dafür, dass das Grundstück Heilmannstraße 53/55 als Vorratsfläche erhalten bleibt und in naher Zukunft nicht bebaut wird?“, „wenig konkret“ formuliert. Tausendfreund monierte, es stehe nicht dabei, was eigentlich genau von der Gemeinde erwartet wird. Ob man dann die bereits mit der Baugesellschaft geschlossenen Verträge einfach aufkündigen solle? Um Schadensersatzforderungen werde man in dem Fall nicht herumkommen.

Im Gemeinderat: Schweigen. Eine Diskussion über den Vorstoß der WiP ergab sich nicht. Nur Grünen-Gemeinderat Fabian Müller-Klug kritisierte, dass von „Wir in Pullach“ bewusst „Emotionen geschürt“ würden. Die Fraktion verhalte sich, indem sie nicht „transparent“ informiere, „unlauter“. Dabei sei gerade die Bebauung der Heilmannstraße so wichtig, „die Wohnungen sind Renditeobjekte. Jede Verzögerung würde das Vorhaben torpedieren“.

Doch das Gremium ging dann doch zur Tagesordnung über und ließ sich von Architekt Markus Linsmayer, der längst angefangen hat zu arbeiten, in Computerdarstellungen zeigen, wie sich das fünfstöckige, terrassenförmig ansteigende Gebäude einfügt in die Umgebung. Wie die großen Balkone bepflanzt werden könnten. Und wie sich die Laubengänge machen, mit denen die Wohnungen im Erdgeschoss und im ersten Stock verbunden sind.

Errichtet werden insgesamt 20 Ein- bis Vierzimmerwohnungen. Kosten wird das Anwesen samt Tiefgarage und Freiflächengestaltung übrigens 8,2 Millionen Euro. Und nicht den „zweistelligen Millionenbetrag“, von dem im Bürgerbegehren der WiP die Rede ist.

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