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Hier an der Heilmannstraße sollen 22 Sozialwohnungen entstehen. 

Ein Stimmungsbild

Diskussion um Wohnbau an der Heilmannstraße spaltet Pullach

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  • Andrea Kästle
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Vor dem Bürgerentscheid in Pullach ist mancher vielleicht ratlos, weil er noch nicht weiß, wo er sein Kreuzerl machen soll am kommenden Sonntag. Andere zucken die Schultern, weil sie merken, wie die Bevölkerung sich an der Frage entzweit, ob die Heilmannstraße bebaut werden soll oder nicht.

Pullach– So geht zum Beispiel in der katholischen Pfarrgemeinde das Thema „quer durch den Pfarrgemeinderat und andere Gremien“, wie Pfarrer Wolfgang Fluck berichtet. Von Spaltung würde er zwar noch nicht sprechen, von einer „Belastung“ für alle Beteiligten aber schon. Der bevorstehende Bürgerentscheid sei überall präsent. „Die Meinungen gehen verständlicherweise auseinander. Das ist eine Herausforderung für die Menschen.“ Man könne die eigene Meinung auch „kraftvoll vertreten, manchmal kämpferisch und emotional besetzt“, sagt Fluck, wichtig ist ihm, „dass die Meinungen im Respekt vor der jeweils anderen Person geäußert werden“.

Der Bürgerentscheid ist auch in der Pullacher Gemeindebibliothek deutlich präsent. „Es ist ein intensives Thema“, sagt Leiterin Eveline Petraschka, „es begegnet einem in Pullach gerade an jeder Ecke“. Es seien vor allem die Leser ab 50 Jahren, die sich gezielt im Vorfeld des Bürgerentscheids informieren wollten. „Die Leute stürzen sich auf die Publikationen, die in der Bibliothek ausliegen.“ Die Tageszeitungen und der Isar-Anzeiger, der in der Bücherei immer einen Tag früher zu haben ist, seien derzeit besonders gefragt.

Derweil ist der evangelische Pfarrer Martin Zöbeley der Meinung, das Thema „Heilmannstraße“ reiße unnötig Gräben auf und polarisiere, obwohl es anders hätte laufen können. „In meinen Gesprächen habe ich gemerkt, dass viele nicht wissen, was sie wählen sollen, weil sie die Argumente von beiden Seiten verstehen.“ Zöbeley ist offen für Diskussion, „auch für politische Kämpfe, wenn es sein muss. Aber dieses Thema wird verspätet und inhaltlich überzogen debattiert“, sagt er: „Im Gemeinderat gab es die ausführliche Debatte doch längst und auch eine Abstimmung. Urnengänge, die von frustrierten Parteien angeregt werden, brauchen wir nicht. Wenn ich der Demokratie nicht mehr trauen darf, brauche ich die Demokratie gar nicht mehr.“ Er vergleicht den Bürgerentscheid mit der Fernseh-Sendung „Wer wird Millionär“: „s ist in Pullach gerade so, als wenn bei Günter Jauch alle Joker für eine Frage verwendet worden wären und dann auch noch das Publikum zu genau derselben Frage befragt würde.“

Auch im Bürgerhaus wird freilich darüber, ob sich die Gemeinde 22 Wohnungen für einkommensschwächere Bewohner leisten soll oder eben nicht, momentan viel geredet. Hannah Stegmayer, Leiterin des Kulturzentrums, bekommt immer wieder Argumente von Befürwortern wie auch von Gegnern des Projekts zu hören. „Die Leute sind gut informiert“, so ihr Eindruck. Allerdings seien jedenfalls die Besucher ihrer Konzert- und Theaterveranstaltungen nicht willens, Polarisierungen, wie sie eben auch passieren, zu folgen. „Es ist einfach nicht der Punkt, ob in der Heilmannstraße beheizbare Handtuchhalter vorgesehen sind oder nicht. Den Leuten ist klar, dass, wenn die Gemeinde baut, sie sich dann orientiert an dem, was der übliche moderne Standard ist.“ Wer Sozialneid schüren wolle, der habe jedenfalls bei ihrem Klientel, meint Stegmayer, keine Chance. Im übrigen hätten viele die Entscheidung über das Projekt durchaus dem Gemeinderat zugetraut.

Dabei ist seltsamerweise dort, wo der Neubau hinkommen soll, in der Grundelbergsiedlung, die Stimmung am wenigsten aufgeregt. Man kann sich dort mit Bewohnern unterhalten, die sich hüten, auch nur anzudeuten, in welche Richtung ihre Meinung geht. Und man darf sie dann nichtmal mit dieser Nicht-Aussage zitieren. Tenor: Jeder müsse selbst entscheiden, was er von dem Projekt hält. Und geredet werde darüber in der Nachbarschaft sowieso nicht.

Auch bei der Siedlervereinigung Pullach ist die Heilmannstraße kein großes Thema. Vorsitzender Hans-Dieter Wolf unterhält sich über den umstrittenen Wohnungsbau hin und wieder beim Einkaufen, er sagt: „Die Gemeinde wäre dumm, wenn sie sich die Chance, hier bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, entgehen lassen würde.“

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