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Die Pullacher Kita kämpft für das Flüchtlingsmädchen Fatema.

Junge Afghanin in Not

Unfassbar! Trump bremst Spendenaktion einer Pullacher Kita aus

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Eine Kita in Pullach gerät in die Mühlen der Weltpolitik! Die Spendenaktion für Flüchtlingskind Fatema, die im Iran festsitzt, wurde auf Druck der US-Regierung abgebrochen.

München - Es ist eine Geschichte, die viele Menschen in Deutschland berührt hat: Das afghanische Flüchtlingskind Fatema wartet im Iran seit vier Jahren vergeblich darauf, zu ihrem nach Deutschland geflohenen Vater Asim kommen zu dürfen. Am 12. Juli schluckte die inzwischen 16-Jährige in Selbstmordabsicht Tabletten, da sie keine Hoffnung mehr sah, ihren Vater und ihre Geschwister je wiedersehen zu können. Die Pullacher Kinderkrippe, in der der 41-jährige Afghane als hauswirtschaftliche Hilfskraft arbeitet, startete eine Hilfsaktion und sammelte binnen 14 Tagen 14.250 Euro. Und die Kita-Kollegen legten zusammen, damit der Vater zu seiner Tochter nach Teheran fliegen kann.

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Doch mit dieser Hilfsaktion geriet die kleine Pullacher Kita in die Mühlen der großen Weltpolitik! Denn die Spenden wurden über die Internet-Plattform GoFundme gesammelt, eine 2010 in den USA gegründete Online-Plattform für private Hilfsaktionen. Der US-Mutterkonzern von GoFundme bekam wegen der Spendenaktion für Fatema massiven Druck von der US-Regierung unter Donald Trump: Die Kampagne verstoße gegen die Iran-Sanktionen!

Das deutsche Tochterunternehmen gab dem Druck nach: Die für Fatema gespendeten Gelder wurden ohne Angaben von Gründen an die Gönner zurücküberwiesen. „Wir sind bestürzt, machtlos und verärgert“, sagt Bettina Knitter, Leiterin der Pullacher Kinderkrippe. „Kein Cent dieser Gelder wäre in den Iran gegangen.“ Kleiner Trost: Die Spenden der tz-Leser gingen auf ein normales Sparkassen-Konto und sind vom US-Boykott nicht betroffen. So könnte zumindest der Flug Asims und Fatemas nach Deutschland bezahlt werden.

Flüchtlingskind Fatema: Warum die Zeit jetzt davon läuft

Denn hier in München wartet Hilfe für die 16-Jährige, die nach dem Selbstmordversuch mit Tabletten zwei Tage lang im Koma lag und jetzt unter neurologischen Ausfällen und Lähmungen leidet: Das Benedictus-Krankenhaus in Tutzing, die Haunersche Kinderklinik und das Klinikum Dritter Orden haben sich bereit erklärt, das Mädchen zu behandeln – und gegenüber der Botschaft in Teheran hat der Geschäftsführer der Tutzinger Klinik die medizinische Dringlichkeit der Behandlung zum Ausdruck gebracht. Denn in Teheran wurde das schwer kranke Mädchen nach nur zwei Tagen aus der Klinik rausgeworfen – ohne Geld, ohne Behandlung... Bekommt das Mädchen nicht rasch Hilfe, drohten medizinische Folgeschäden, heißt es im Brief der Klinik an die deutsche Botschaft.

Die Zeit läuft aber auch deshalb davon, weil Fatemas vom Iran ausgesteller Pass am 16. August abläuft – einen neuen zu beantragen, würde Monate dauern. Und das Visum ihres Vaters gilt nur bis zum 10. August – spätestens dann muss er zurück nach Deutschland.

Dank der seit 1. August geltenden Gesetzesänderung, wonach es wieder Familienzusammenführung für subsidiär Schutzberechtigte gibt, könnte Asim eigentlich darauf hoffen, seine Tochter nach Pullach holen zu dürfen – doch die Warteliste in den Botschaften in Teheran oder Beirut ist lang, und mehr als insgesamt 1000 Angehörige pro Monat dürfen laut Gesetz nicht kommen. Ob Fatema eine dieser 1000 Glücklichen sein wird, weiß im Moment keiner. Die Teheraner Botschaft ließ entsprechende Fragen unsererseits dazu unbeantwortet. 

Auch lesenswert: Nach der Trennung von ihren Eltern im Zuge der sogenannten Null-Toleranz-Politik sind in den USA 522 Flüchtlingskinder wieder mit ihren Familien vereint worden.

Wer Fatema helfen will Das - von Trump-Sanktionen unberührte - Spendenkonto lautet: Stadtsparkasse München, DE24 7015 0000 1004 2113 46, Stichwort Fatema

Klaus Rimpel

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