+
Ehrengast Ilse Aigner (2.v.l.) schenkt die erste Mass Bier aus.

70 Jahre CSU-Ortsverband Pullach

Ehrengast Aigner im Nockherberg-Modus

  • schließen

Die CSU Pullach hat jetzt ihr 70-jähriges Bestehen gefeiert – mit Ansprachen und einer „Zeitreise“. Nachdem zum 60. Geburtstag Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel als Ehrengast ans Isarhochufer gekommen war, gab sich diesmal Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner die Ehre.

PullachDie ehemalige Bundeslandwirtschaftsministerin spannte in ihrer Ansprache einen „großen Bogen“ vom Münchner Süden über Bayern in Richtung der „teils etwas aus den Fugen geratenen Welt“. Der Freistaat, so der Tenor, stehe bestens da, brauche aber, damit es so bleibt, eine funktionierende Welt.

Rund 200 Besucher waren gekommen, sie saßen an weiß gedeckten langen Tischen. Links von der Bühne ein Plakat, das schemenhaft eine junge Frau im ärmellosen Kleid zeigte: Werbung für die Frauenunion. Gemeinderätin Caroline Voit führte charmant durch den Abend, dessen offizieller Teil gut zwei Stunden in Anspruch nahm. Danach spielte die Blaskapelle Pullach, es gab Bier und Leberkäs. Wobei es sich gut fügte, dass Ilse Aigner, wie sie eingangs gemeint hatte, noch ein wenig im Nockherberg-Modus war – ihr kam es nämlich zu, das Fass anzuzapfen. Was ihr souverän mit zwei Schlägen gelang.

Eröffnet hatte den Reigen der Grußworte Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne), die gleichmal anführte, dass auch ihr Ortsverband im nächsten Jahr Grund habe, das Glas zu erheben – dann werden die Pullacher Grünen nämlich 35. „Wir werden das auch groß feiern“, kündigte sie schmunzelnd an, um sich im nächsten Atemzug an die Zeit zu erinnern, als sie anfing, sich kommunalpolitisch zu interessieren. In Pullach habe man damals nur eine Gemeindewohnung bekommen, wenn man ein verheiratetes Paar war, erzählte sie. Und in Ermangelung eines Skaterparks traf sich die Ortsjugend eine Zeitlang gern bei einer Parkbank auf dem Kirchplatz. Die sollte dann glatt abmontiert werden – was dann doch nicht passierte, weil kurz vor der entscheidenden Abstimmung im Gemeinderat zwei CSU’ler sanft eingenickt waren. „Es war ja damals auch so stickig im Sitzungssaal, man durfte zu der Zeit noch rauchen“, erinnerte sich die Rathauschefin.

Ihr folgte am Rednerpult Kerstin Schreyer. Die Integrationsbeauftragte der CSU rief dazu auf, sich nicht nur dafür zu engagieren, dass Geflüchtete einen Platz in der Gesellschaft finden, sondern sich auch um Zuwanderer aus anderen EU-Ländern zu kümmern. Und Florian Leeb, der Ortsvorsitzende der Jungen Union, warb in seiner Rede dafür, das Jugendparlament, das es in Pullach schon einmal gab, wiederzubeleben.

Ilse Aigner würdigte das Engagement der Ortsverband-Gründer. Es sei damals, 1947, eine Leistung gewesen, schon wieder an bürgerliches Engagement zu glauben, sagte sie. Und in diesen „mit Sicherheit nicht leichten Zeiten“ eine Partei zu gründen.

Dass die Geschichte des Freistaats nach dem Krieg eine Erfolgsgeschichte sei – darauf ging die Wirtschaftsministerin dann ausführlicher ein. Allein nach 1990 seien in Bayern zwei Millionen Menschen zugewandert, inzwischen habe hier jeder vierte Migrationshintergrund. „Das fällt gar nicht so auf.“ Von den Geflüchteten der letzten Jahre habe man schon 60 000 in Arbeit gebracht. „20 000 hatten wir uns zunächst vorgenommen“, so die Politikerin.

Weil aber im Freistaat jeder zweite Arbeitsplatz vom Export abhängt, deshalb sei nicht nur Europa wichtig, sondern auch Amerika – Trump hin oder her. Schließlich stichelte Aigner noch ein wenig gegen Merkel-Herausforderer Martin Schulz (SPD) und seine Forderung, das Arbeitslosengeld zu verlängern: „Auch der Heilige Martin muss sich erst mal einen Mantel verdienen, ehe er zum Teilen schreiten kann.“ Ihre Rede beendet sie mit einer kleinen Stichelei in Richtung Rathauschefin Tausendfreund: „Wir freuen uns, wenn Sie auch in zehn Jahren mit uns feiern. In welcher Funktion, wird sich zeigen.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Schatzsucher entdecken „Hitlermühle“ in Wald bei Aying
München/Aying - Hobby-Schatzsucher haben eine äußerst seltene Verschlüsselungsmaschine im Wald entdeckt, die mehr als 70 Jahre dort versteckt war - jetzt kommt sie ins …
Schatzsucher entdecken „Hitlermühle“ in Wald bei Aying
Autobahnweiher verkommt zur Müllhalde
Der Fischereiverein „Hachinger Grund“ schlägt Alarm. Denn der Autobahnweiher in Taufkirchen wird immer mehr verdreckt. Auch die Tiere dort sind in Gefahr. 
Autobahnweiher verkommt zur Müllhalde
Berauschter Transporter-Fahrer baut Unfall
Unter Drogen hat am Mittwoch ein 30-jähriger Transporter-Fahrer in Grünwald einen Unfall verursacht. 
Berauschter Transporter-Fahrer baut Unfall
Zwei Drogensünder am Steuer erwischt
Zwei Drogensünder hat die Polizei am Mittwoch in Unterföhring und Ismaning erwischt. Ein Münchner gab zu, einen Joint geraucht haben. Doch etwas geflunkert hat er wohl.
Zwei Drogensünder am Steuer erwischt

Kommentare