Fliegerbombe Pullach
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Der Sprengmeister Roger Flakowski und seine Mitarbeiterin Janine Strobl mit dem ausgebauten Zünder.
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Sprengmeister Roger Flakowski vor der entschärften Bombe.
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Einsatzleiterin und Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund.
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Vor der Container-Wand, die zum Schutz vor Detonationssplittern vorsichtshalber aufgebaut worden war: (v.l.) Michael Filips, Janine Strobl (beide Mitarbeiter des Sprengmeisters), Bürgermeisterin und Einsatzleiterin Susanna Tausendfreund und Sprengmeister Roger Flakowski.

Entwarnung in Pullach

Fliegerbombe im Chemie-Gelände entschärft 

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Die Fliegerbombe an der Dr. Gustav-Adolph-Straße im Gewerbegebiet Pullach ist am Sonntagvormittag erfolgreich entschärft worden. Schon nach 28 Minuten hatte der Sprengmeister den Zünder ausgebaut.

Pullach–  Um 10.55 Uhr klingelte  das Mobiltelefon von Susanna Tausendfreund, das die Bürgermeisterin an diesem Sonntagmorgen nicht aus der Hand legte:  Die mögliche Katastrophe ist abgewendet.  Roger Flakowski meldet die erfolgreiche Entschärfung der Weltkriegsbombe. Tausendfreund lacht erleichtert und gratuliert dem erfahrenen Sprengmeister.

 Umgehend lässt sie die Straßensperren aufheben. Die etwa 50 evakuierten Bürger können zurück in ihre Wohnungen. Der Einsatz, den die Bürgermeisterin mit aller Umsicht vorbereitet und geleitet hatte, war schneller beendet als erwartet. „Ich bin sehr zufrieden mit dem glücklichen Verlauf“, sagt Tausendfreund.

Bereits am Donnerstag um 8.50 Uhr hatte ein Baggerführer die Fliegerbombe in der Dr. Gustav-Adolph-Straße in nur 1,5 Meter Tiefe entdeckt. Bei der Entschärfung des 250 Kilo schweren Monstrums zeigte sich, dass die Scheibe, die als Sicherungselement die über Federn vorgespannte Zündnadel zurückhält, bereits abgebrochen war. Auch das Gewinde des Zünders war verzogen. „Da die Bombe flach aufgetroffen ist, war das Gewinde gestaucht und schwierig zu lösen“, erklärt die Mitarbeiterin des Sprengmeisters, Janine Strobl. 

Im Umkreis von 300 Metern evakuiert 

Im Umkreis von 300 Metern waren zuvor alle Gebäude evakuiert und die Straßen gesperrt worden. 102 Mitarbeiter der Feuerwehr sowie 58 Polizeibeamte schirmten ab 8 Uhr den Sperrkreis ab und klärten geduldig uneinsichtige Autofahrer über die Sicherheitsvorkehrungen auf. Helfer von Feuerwehr und Polizei gingen in der Früh von Haus zu Haus, klingelten und klopften und versicherten sich, dass alle betroffenen Wohnungen geräumt waren. Die kontrollierten Gebäude wurden versiegelt, ebenso die Eingänge der rund 150 Firmen. „Die Leute haben die Evakuierung mit großer Gelassenheit aufgenommen“, sagt Einsatzleiterin Tausendfreund. 

Hubschrauber der Polizei kreist über der Sperrzone

Schließlich kreiste kurz vor 10 Uhr noch ein Polizei-Helikopter über der Sperrzone. Die Piloten kontrollierten, dass sich im Sperrbereich niemand aufhielt. Außer den drei Personen, die sich um 10.27 Uhr ans Werk machten: Sprengmeister Roger Flakowski und seine beiden Mitarbeiter. 

Währenddessen nahmen 20 Personen, darunter Flüchtlingsfamilien, das Angebot der Gemeinde wahr und machten es sich mit zwei Ehrenamtlichen des Helferkreises in der Turnhalle an der Gistlstraße gemütlich, wo ein Aufenthaltsquartier eingerichtet war. 

Seecontainer als Sicherheitsmaßnahme im Chemie-Gelände

Weil die Gemeinde schon am Freitag je drei Seecontainer im Quadrat um die Bombe aufgetürmt hatte, konnte die Sperrzone verkleinert werden. Im Falle einer Detonation hätten die Stahlquader die Ausbreitung der Druckwelle gemildert und Splitter abgehalten. In Zusammenarbeit mit Landratsamt, Polizei, Feuerwehr und weiteren Stellen hatte die Gemeinde sich für diese aufwendige Vorsichtsmaßnahme entschieden, die den benachbarten Anlagen der Linde AG und des Chemieunternehmens United Initiators geschuldet war, wo hochexplosive Gase und Flüssigkeiten hergestellt werden.

 Dank der Containerwand wurde aber auch gewährleistet, dass die S-Bahn während der Entschärfung fahren konnte, allerdings hielt die S7 nicht in Höllriegelskreuth. Die entschärfte Bombe wird nun in einen Zerlegebetrieb nach Ingolstadt transportiert. 

Wie Swantje Schütz, Pressesprecherin der Gemeinde, vermutet, war sie am 19. Juli 1944 von den Amerikanern abgeworfen worden. Schon damals gab es eine Chemiefabrik in Pullach, weswegen das Gebiet besonders bombardiert wurde. „Es wird wohl nicht die letzte Fliegerbombe gewesen sein, die wir hier finden“, vermutet Schütz.


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