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Der Kirchplatz mit einer der Rundbänke: Die sollen durch Modelle aus Holz ersetzt werden – aus heimischem Holz. 

Hitzige Diskussion im Gemeinderat

Lieber kein Tropenholz für Pullacher Bänke

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Der Pullacher Gemeinderat diskutiert über neue Holzbänke für den Kirchplatz. Warum er sich trotz Expertenrat gegen Tropenholz entschied.

Pullach – Erst diesen Sommer ist die Gemeinde Pullach ganz offiziell zertifiziert worden als Fair-Trade-Gemeinde – und hat sich jetzt bei der letzten Sitzung im Kommunalparlament den Kopf darüber zerbrochen: Ob es wohl passend wäre, sich den Kirchplatz, das „Schmuckkästchen“ des Ortes, mit Bänken aus Tropenholz zu möblieren? Nach spannender Diskussion kam die Mehrheit zu dem Schluss, dass man das besser bleiben lässt.

Aufgekommen ist das Thema überhaupt auf Anregung der CSU, die vor einiger Zeit den Antrag gestellt hat, die gute Stube der Gemeinde ein wenig aufzuhübschen. Hier noch Blumen zu pflanzen, dort noch ein wenig Schminke aufzutragen. Im Eifer des Gefechts hatten die Konservativen auch vorgeschlagen, den Brunnen auf dem Kirchplatz abzubauen, der sich in ein neues, schöneres Ortsbild dann nicht mehr gut einfügen würde. Die Sache mit dem Brunnen wurde abgelehnt – der Rest wurde damals vom Gremium bewilligt.

Metall soll Holz weichen

Jetzt also wartete die Verwaltung mit diversen Vorschlägen auf für neue Sitzmöglichkeiten am zentralen Platz in der Kommune. Zwei Rundbänke aus Metall stehen dort, die jetzt durch Modelle aus Holz ersetzt werden sollen. Dabei hatten Experten im Vorfeld der Gemeinde erklärt: Tropenholz wäre die bessere Wahl. Weil man es besser verarbeiten, aus ringförmigen Teilen zusammensetzen kann. Haltbarer ist es auch. Bernhard Rückerl vom Umweltamt, sicher nicht dafür bekannt, den Gedanken der Nachhaltigkeit zu vernachlässigen, sagte dem Gremium, ehe das in die Beratung einstieg: „Ich hab mich überzeugen lassen. Tropenholz ist die bessere Lösung. So leid es mir tut.“ Auch Tropenhölzer würden außerdem zum Teil ökologisch verträglich produziert – und „heimische“ Hölzer kämen ja oft aus Südosteuropa. Auch nicht der nächste Weg.

Dem mochten sich die versammelten Kommunalpolitiker aber nicht anschließen. Auch Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund, Grüne, hatte sich in ihrer Stellungnahme unentschieden gezeigt. Marianne Stöhr, ebenfalls Grüne, argumentierte dann, es sei besser, der Kirchplatz bekomme ein traditionelles Gesicht, geprägt von Hölzern aus der Esche, der Akazie. „Warum in die Ferne schweifen?“ Andreas Most, CSU, schloss sich ihr an, allerdings aus anderen Gründen. Er habe schlicht keine Lust auf die Diskussion, die in der Gemeinde, wenn man sich nun fürs exotische Material entscheidet, unweigerlich aufkomme. „Dann hält die Bank halt nur zehn Jahre, vielleicht wollen wir dann eh was anderes.“

Angelika Metz von der WiP wiederum plädierte dafür, die Bänke gleich wieder aus Metall fertigen zu lassen. „Dann haben wir das Problem gar nicht.“

Viele Argumente für das Material aus weiter Ferne

Letztlich war es in der Diskussion nur Johannes Burges, FDP, der die Gremiumskollegen ermunterte, sich doch an die Experten zu halten. „Warum befragen wir die denn?“ Zimmerermeister Korbinian Buchberger hatte es dem Gemeinderat doch eingangs erklärt: Vom Tropenholz brauche man für die Bänke nur die Hälfte an Material. Am Ende sei die Öko-Bilanz mit dem Rohstoff aus dem Regenwald, so der Tenor, nicht die schlechteste. Burges sagte auch, er sehe sich durchaus in der Lage, Bürgern, die die Gemeinderatsentscheidung hinterfragen, seinen Standpunkt auseinanderzusetzen. Bei der Abstimmung votierten fünf weitere Kommunalpolitiker mit ihm, unter ihnen Arnulf Mallach (SPD) und Johannes Wülleitner (Grüne). Beide sind Architekten. Die Krux ist nämlich, dass die Tropenholz-Bank schöner ist als die aus heimischen Hölzern.

Beschlossen wurde auch noch, die Bank vor dem kleinen Café gegenüber der Hofpfisterei jedenfalls teilweise auch mit Lehnen zu versehen – dort scheine schließlich die Sonne so schön hin. Und: Letztlich wurde die Verwaltung ermächtigt, ein Modell auszuwählen. Kostenpunkt: um die 20.000 Euro. 

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