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Panini-Bildchen tauschen: Eine Angelegenheit, die viel Organisation erfordert.

Panini-Tauschbörse in der Buchhandlung Isartal

Europameister im Sammeln

Pullach - Am Freitag beginnt die Fußball-EM, und in Pullach ist das Fußballfieber schon voll ausgebrochen. Der Beweis: Ein Besuch bei der Panini-Tauschbörse in der Buchhandlung Isartal.

Pullach – Zwischen den Büchertischen ist kein Durchkommen mehr. Die Kinder sitzen oder knien am Boden, gebeugt über ihre Sammelhefte, über ihre Bildchen oder über Listen, die sie zuhause angefertigt haben, mit den Nummern, die ihnen noch fehlen. Andere Buben und Mädchen flitzen herum, auf der Suche nach den Fußballern, die sie unbedingt noch brauchten. Um wenigstens schon mal eine Mannschaft komplett zu haben.

Und einen Tisch weiter hinten sitzen Drei, die das Gewimmel dann doch ziemlich überragen: Thomas Hengst, Wolfgang und Markus, drei Väter, die zwar vorgeben, nur ihren Kindern helfen zu wollen, dafür aber ziemlich passioniert klingen: „Den Müller hattest Du nicht, gell?“ „Den normalen oder den in Aktion?“ „224: brauchst Du den?“ „Die 77, den Albaner, hast Du“. Und dann wird Wolfgang unruhig: Keiner hat Mesut Özil für ihn.

24 Mannschaften spielen mit bei der EM. 680 Bildchen haben Platz im Stickeralbum von Panini, neuerdings gibt es einzelne Spieler nicht nur im Portrait, sondern eben auch in Aktion, beim Fußballspielen. Außerdem Bilder von Mannschaften, wie sie jubeln über ein Tor. Und natürlich die bereits bekannten Aufkleber von Pokalen und von Vereinswappen.

„Mein Mathelehrer hat gesagt, man muss etwa 500 Euro reinstecken, um das Album vollzukriegen“, erzählt der zehnjährige Paul und schaut dabei hochzufrieden aus. Er hat das Heft an diesem Nachmittag voll bekommen. 20 Euro, sagt er, hat er investiert. Er hat viel getauscht, auch gezockt. Und seit zwei Monaten gesammelt. Fünf Bildchen sind in einer Tüte. Die Tüte kostet 70 Cent. Kommentar am Vätertisch: „Eins der besten Geschäftsmodelle, die man haben kann.“ Dieses Album ist das zehnte zu einer Europameisterschaft, das Panini aufgelegt hat.

Bis zum Schluss hat Paul nur noch die Nummer 178 gefehlt, der Russe Fedor Smolov. Sein Freund Jonas meint, ihm würden noch 30 Sticker fehlen. Er hat viele geschenkt bekommen, an diesem Nachmittag etwa 20 getauscht.

Erstaunlich viele Mütter sind ebenfalls in die Buchhandlung gekommen. Eine hat die Liste der Nummern, die ihr Kind noch braucht, auf dem Smartphone abfotografiert – um jetzt Verhandlungen aufzunehmen mit den anderen Sammlern. Gastgeberin Sophie von Lenthe ermittelt derweil die Gewinner des Fußballrätsels, das sie und die Mitarbeiterinnen zusammengestellt haben, und verlost im Anschluss die Gewinne.

„Wenn Du den Özil besorgen kannst, dann bist Du echt stark“, macht Wolfgang seinem fünfjährigen Buben Moritz am Vätertisch Mut. Nur nicht aufgeben! Emma, die Tochter von Thomas Hengst, tobt derweil mit ihren Freundinnen herum. Eine Besucherin erzählt von einer Mutter, die sich schon Sorgen macht – weil ihr Kind eben keine Panini-Bildchen sammelt.

Sophie von Lenthe schaut sich in ihrem Laden um und freut sich sichtlich: „Ist doch toll, oder?“ Um 18 Uhr wollte sie eigentlich zumachen. Aber um 18 Uhr liegen immer noch stapelweise Bildchen auf dem Boden ihrer Buchhandlung herum. Um 18 Uhr sitzen die Väter noch immer vertieft am Tisch, und um kurz nach 18 Uhr ergattert Wolfgang für seinen Moritz endlich – Mesut Özil.

Andrea Kästle

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