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Liegen im Weg, und zwar mit voller Absicht: Der Forstbetrieb München blockiert mit Baumstämmen die bei Mountainbikern so beliebten, aber verbotenen Isartrails. Ein Radfahrer war dort tödlich verunglückt.

Nach schweren Unfällen

Isartrails: Forstbetrieb versperrt Mountainbikern die Fahrt

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Nach zwei schweren Unfällen musste etwas passieren: Die bei Mountainbikern beliebten, aber illegalen Abfahrten an den Isarhängen sind nun blockiert.

Landkreis – Schwere Unglücke von Mountainbikern auf den Trails in den Isarauen haben jetzt den Forstbetrieb München auf den Plan gerufen. Wie berichtet, hatte sich im Oktober ein Mountainbiker (13) schwer verletzt. Er hatte sich überschlagen. Wenige Tage zuvor starb gar ein 39-jähriger Mann in einem Waldstück unterhalb des Burgweges in Pullach.

Die Forstbetriebsmitarbeiter haben jetzt die kleine Passage am Steilhang, an dem der tödliche Unfall stattgefunden hat, beseitigt. Sie fällten großkronige Buchen und nutzten sie als Sperrriegel für die Mountainbiker. Die Stämme liegen jetzt auf den Sprungschanzen und Pfaden.

Quer durch das Brutgebiet des Uhus

Überall, wo solche illegalen Trails existieren, werden die Bayerischen Staatsforsten aktiv. Im Falle der Hesseloher Leite wusste der Forstbetrieb zunächst nicht Bescheid, bis es zu dem tödlichen Unfall am Steilhang kam. Das Mountainbikefahren sieht Forstbetriebsleiter Wilhelm Seerieder hier kritisch, da ein großer Schaden für den Naturhaushalt entstehe. Das Gebiet tendiert seiner Beschreibung nach in Richtung einer urwaldartigen Struktur, der Uhu brütet dort. Deshalb sind die Forstmitarbeiter dort auch nicht sehr häufig unterwegs. Man überlässt diese steilen Hänge sich selbst. Problematisch wird es laut Seerieder, wenn die Radler unterhalb der Nagefluh-Felsen vorbeifahren genau an den Stellen, wo die seltenen Nachtvögel brüten.

Streng genommen ist das Mountainbiken im FFH-Gebiet komplett verboten. Das Dilemma des Forstbetriebes, er hat keinerlei hoheitliche Aufgaben und kann daher nicht einschreiten. Die zuständigen Behörden wiederum verweisen auf Personalmangel und Überlastung.

Schock auf Isartrails: Mountainbiker (13) rast unkontrolliert Hügel hinab - dann überschlägt er sich

Dabei bestehe Handlungsbedarf. Gefragt um einzuschreiten wären etwa die Polizei oder die Untere Naturschutzbehörde.

Die bewaldeten Hänge sind nah an der Großstadt situiert und fungieren als ideales Mountainbike-Quartier – „für Leute, die sich am Abend noch einmal zwei Stunden austoben wollen“, sagt Seerieder. Gleichzeitig sei dieses obere Isartal „ein Naturschutz-Juwel“ und könne eine derart hohe Frequentierung nicht vertragen, ohne Schaden zu nehmen. Das Kreuz-und-Quer-Kurven nehme überhand, im schlimmsten Fall würden gefährliche Anlagen errichtet. Die Mitarbeiter des Forstbetriebes würden zwar auch künftig nicht extra nach Schanzen und Trails suchen. Denn der Forstbetrieb München kümmert sich um ganze 18 300 Hektar Wald. Allein das Revier Isartal umfasst über 2000 Hektar. Doch die Behörde verspricht umgehende Redaktion, wenn sie von solchen Anlagen Kenntnis erlangt. Der tödliche Unfall ereignete sich im kleinsten Staatsforstdistrikt mit sechs bis sieben Hektar, einem schmalen Streifen zwischen Isar und Steilhang.

Die Hilfe kam zu spät: Münchner Mountainbiker stirbt nach Sturz an Isar - Spaziergänger fanden ihn schwerverletzt

Laut der Pressesprecherin des Landratsamtes Christine Spiegel ist es das erklärte Ziel aller Beteiligten, attraktive Routen durch das Isartal zu schaffen und damit klare Abgrenzungen vorzunehmen, auch um die Fauna und Flora im Isartal in den umliegenden Bereichen zu schützen. Dazu haben sich die Parteien in einer Art Friedenspakt bereits 2017 geeinigt.

Isartalverein fordert Ranger-Patrouillen

Der Vorsitzende des Isartalvereins, Erich Rühmer, ist über die Entwicklung nicht glücklich. „Seit zehn Jahren diskutieren wir über diese neuen Mountainbike-Trails, die wir ja mit 78 Kilometern im Landkreis München festgelegt haben.“ Dabei wachse die Anzahl Jahr für Jahr proportional zur Einwohnerzahl. Fatalerweise gelte in in Bayern die Regelung: „Da wo ein Weg für mich geeignet ist, darf ich radfahren.“ Da sage sich der Mountainbiker: „Auch da wo er 40 Zentimeter breit ist, ist er für mich tauglich.“ Zwar sei diese Interpretation rechtlich fragwürdig, aber wer überwache das Ganze? Rühmer in patrouillierenden Rangern im Auengebiet. Die Stadt München habe inzwischen immerhin einen Gebietsbetreuer bestimmt – für 78 Kilometer Mountainbikeroute. Das sei aber viel zu wenig. „Sie können sich vorstellen, wie erfolgreich das ist.“

Ärger um Mountainbiker im Isartal: „Die Natur kommt unter die Räder“

Der Drang nach Süden ist ungebremst. Zur Haftungsfrage und Projektträgerschaft für ausgewiesene Trails ist noch keine Entscheidung gefallen. Rühmer würde sich wünschen, dass schnell eine Entscheidung falle. Eine Bewachung müsste dann forciert werden. Zwei Gebietsbetreuer reichen aus seiner Sicht nicht aus. „Sechs benötigen wir mindestens, die ganztags unterwegs sind.“

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