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Markus Bachmeier von der Linde AG in Pullach erklärt, warum Wasserstoff-Autos eine echte Alternative sein können.

Interview

Wasserstoff-Auto als Alternative: „Bald gibt es keine Grenzen mehr“

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In drei Minuten tanken und eine Reichweite von bis zu 600 Kilometern schaffen – mit einem Elektromotor? Die Brennstoffzelle macht es möglich. Auf Deutschlands Straßen fahren momentan 400 Wasserstoff-Autos, die an 43 Tankstellen zapfen können. Die Firma Linde in Höllriegelskreuth entwickelt und baut die Wasserstoff-Tankstellen. Im Interview erklärt Markus Bachmeier, Chef der „Hydrogen Solutions“, warum Wasserstoff-Autos eine echte Alternative sind. 

Höllriegelskreuth– In Deutschland gibt es eine Gemeinschafts-Gesellschaft zwischen Shell, Total, OMV, Linde und Daimler mit dem Ziel, Wasserstoff-Tankstellen aufzubauen. Markus Bachmeier aus Deisenhofen ist bei Linde mit drei Aufgabengebieten betraut: Forschung und Entwicklung zu Wasserstoff-Tankstellen. Außerdem kümmert er sich um den Aufbau der Tankstellen und in neue Märkte vorzustoßen.

-Herr Bachmaier, wie sehen die Wasserstofftankstellen aus?

Die Abfolge lautet: Speichern, Verdichten, Tanken. Zum einen hat der Endverbraucher die Zapfsäule – ähnlich wie beim Dieselkraftstoff. Schlauch und Kupplung wie beim Erdgas. Wir haben verschiedene Techniken, um den Wasserstoff auf 700 Bar hochzuverdichten und auf Minus 40 Grad Celsius abzukühlen, womit er im Fahrzeug ankommt. So stellen wir sicher, dass auch bei der kurzen Betankungszeit von unter fünf Minuten die Temperatur des Tanks nicht zu hoch wird, wenn sich der Wasserstoff erwärmt.

-Wo rund um München gibt es Wasserstofftankstellen.

Die OMV in der Erdinger Allee am Flughafen bietet bereits Wasserstoff an. In München selbst unter anderem eine bei Allguth an der Kreillerstraße in Trudering oder bei Total in der Detmoldstrasse. Demnächst wird eine Tankstelle bei OMV an der Ottobrunner Straße in Perlach eröffnet. Wir hoffen, dass wir in den nächsten Jahren auch im Landkreis welche aufbauen können. Ziel ist es bis Ende 2019 in Deutschland 100 Tankstellen zu haben – in Ballungsräumen und auf den Verbindungsachsen.

-Was tanke ich denn da jetzt genau?

Wasserstoff in einer extrem hohen Reinheit (99,999 Prozent). Das ist gefordert, damit die Brennstoffzellen rein und hocheffizient bleiben und die Leistung nicht zurückgeht.

-Stellen Brennstoffzellen eine Konkurrenz gegenüber dem Elektromotor dar?

Die beiden Technologie ergänzen sich. Auch ein Brennstoffzellen-Auto hat einen elektrischen Motor. Beim Batterie-Auto kommt die Antriebsleistung vom Akku, beim Wasserstoff-Auto aus der Brennstoffzelle. Hier reagieren Wasserstoff und Sauerstoff zu Wasser, wobei Strom erzeugt wird. Jedes Wasserstoffauto hat auch eine kleine Puffer-Batterie drin, um Leistungsspitzen abzufangen und um die Bremsenenergie zurückgewinnen zu können.

-Ist bei einem Unfall nicht eine große Explosion zu erwarten?

Im Wasserstoff steckt eine Menge Energie, deshalb ist es so ein guter Treibstoff. Alles ist aber gut abgesichert. Im Feuerfall gibt es an den Tanks Schmelzsicherungen. Die Autohersteller machen die gleichen Crash-Tests wie bei herkömmlichen Benzinern und bestehen diese regelmäßig mit Bravour.

-Was sind die Vorteile der Technologien?

Sie sind beide lokal komplett emissionsfrei. Beim Wasserstoffauto kommt Wasserdampf aus dem Auspuff. Es ist sehr leise, man hört nur die Reifen- und Windgeräusche, den Motor fast gar nicht. Der Vorteil für die Anwohner ist gigantisch.

-Es besteht die Skepsis beim reinen Batterie-elektrischen-Auto, dass die Umweltbilanz gegenüber dem Benziner nicht so günstig ausfällt. Ist da die Brennstoffzelle ein Fortschritt?

Ebenso wie beim Batterieelektrischen-Auto kommt es beim Wasserstoff-Auto darauf an, wie es produziert wurde. Stammt der Wasserstoff aus erneuerbaren Energien, ist die Umweltbilanz äußersst positiv. Was aber sicher ist: Wasserstoff-Autos benötigen nicht die große Masse an Batterie, kein Lithium und Kobalt. Ein großer Kostenblock bleibt die Platinbeschichtung der Brennstoffzellen. Ziel der Autohersteller ist es, das Edelmetall auf eine Größenordnung zurückzubringen wie im Katalysator. Platin kann im Übrigen recycelt werden im Gegensatz zu vielen Bausteinen in der Batterie.

-Linde hatte ein Car-Sharing-Projekt am Laufen, warum wurde es eingestellt?

Bee Zero wurde nach zwei Jahren Laufzeit Ende Juni beendet. Ziel war es, das Thema der Wasserstoffmobilität bekannter zu machen. Es richtete sich an Menschen, die weiter weg fahren wollten, an den Chiemsee oder in die Berge. Wir hatten 50 Autos für 3000 aktive Nutzer, ein Erfolg also. Die Anzahl der Betankungen hat dadurch in München stark zugenommen und wir konnten viel lernen.

-Welches sind die führenden Wasserstoff-Auto-Hersteller auf dem Markt?

Toyota und Hyundai. Den Hyundai Nexo können Sie in Sauerlach kaufen. BMW ist engagiert, wird aber er noch einige Zeit benötigen bis ein Modell für den Endkunden im Schauraum steht. Einen Mercedes können Sie wohl ab der zweiten Hälfte des Jahres mieten.

-Haben Sie selbst ein Wasserstoffauto.

Nein, ich fahre einen Hybrid, bin aber mit den oben genannten Herstellern im Gespräch, um beim nächsten Kauf ein Wasserstoffauto zu bestellen.

-Eine Urlaubsreise nach Italien, geht das?

Für diese wenigen Wochen im Jahr würde ich mit dann ein konventionelles Auto mieten. Wasserstoff-Tankstellen gibt es zwar schon in Innsbruck und Bozen. Die in Bozen produziert Wasserstoff aus der Wasserkraft in Südtirol. Bis Verona würde ich also schon heute kommen, und dann wird es eine Frage des Mutes. Aber bald, da bin ich sicher, gibt es keine Grenzen mehr.

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