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Müssen Abschied nehmen: Die Wirtsleute Ingrid und Andreas Hanisch mit ihrer Tochter Jenny (Mitte).

Pachtvertrag beendet

Investor kauft Traditions-Wirtshaus: Aus für Betreiber-Paar

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Ingrid und Andreas Hanisch haben sich im Brückenwirt in Pullach kennengelernt, ihre Hochzeit gefeiert und jahrzehntelang gearbeitet. Nun müssen sie aufhören.

Pullach – An den Wänden hängen Bilder von früher, im Gang Plakate von Musikgruppen, die hier aufgetreten sind, von den Pullacher Rabenrittern, die hier immer Fasching feiern. Dazwischen Porzellanfiguren, selbst gebastelte Drachen. Der Brückenwirt in Pullach hat sich in den letzten Jahrzehnten nie geändert hat. Demnächst macht er aber zu – das denkmalgeschützte Anwesen wurde verkauft, wird rundum saniert und soll mit neuem Konzept und neuem Pächter nächstes Jahr wieder öffnen.

Ansicht von heute: Idyllisch am Isarhang situiert, kehren in dem denkmalgeschützten Haus auch Floßfahrer ein.

Ingrid und Andreas Hanisch, die hier ihr halbes Leben verbracht haben, die Traditionsgaststätte seit acht Jahren eigenständig führen, werden am 22. Dezember zum letzten Mal in dem Lokal auftischen. Ab Januar übernehmen sie die „Schützenlust“ in Solln. Die Hanischs hätten den Brückenwirt gern selbst gekauft. In ihm haben sie sich kennengelernt, ihre Hochzeit gefeiert, ihre Tochter Jenny ist in dem Haus aufgewachsen. Doch mit dem anderen Bieter konnten sie nicht mithalten.

Das Paar sitzt zur Mittagszeit an einem Tisch im Vorraum. Alle paar Minuten geht die Tür auf, die meisten grüßen sie mit Namen. Fröhlich sind die beiden nicht gerade, aber sie machen auch keinen unglücklichen Eindruck. „Wenn man 31 Jahre hier ist...“, hebt Ingrid Hanisch an und unterbricht sich selbst: „Meinem Mann ist das hier ein Herzensprojekt gewesen.“ Andreas Hanisch wurde als junger Koch aus Niederösterreich vom damaligen Pächter Erich Müller geholt. Und blieb am Isarhang, fast in Spuckweite vom Isarkanal.

Das Wirtspaar blieb Bewährtem treu

Der Brückenwirt ist ein Anachronismus. Moderne Einrichtung? Besonderheiten auf der Karte? Sucht man hier vergebens. Noch immer ist die Ente die Spezialität des Hauses, wie schon immer. Noch immer ist der Brückenwirt vor allem ein Ausflugslokal, außerdem ein Zuhause für diverse Vereine, die hier Theater spielen wie das Ensemble Lampenfieber, oder auch für die Schlierseer Almmusi, die hier alle Jahre wieder im Advent Programm macht. Teils 14 Mal hintereinander.

Historische Einblicke in die Pullacher Traditionsgaststätte auf einer Postkarte von früher.

Das Wirtspaar habe zwischenzeitlich mal versucht, Einrichtung wie Speisekarte ein wenig aufzumöbeln, habe mal „mehr sein“ wollen, wie Ingrid Hanisch sagt. Jedoch: „Der Berg ist immer ein Hindernis.“ Will heißen: Das Lokal kann so modern sein, wie es will, wenn es regnet, kommt trotzdem niemand hier herunter. Also kehrten die Hanischs immer wieder zum Bewährten zurück.

Floßfahrer bringen Freud und Leid

Sie mussten ja auch mit den Schwankungen leben, die die Lage am unteren Ende von Pullach mit sich bringt. An manchen Tagen, das sagen sie ganz offen, da saßen sie in ihrer Idylle mehr oder weniger allein. Wenn das Wetter aber passte, brach zwischen Gaststube, Saal und Biergarten oft die Hölle los. „Da sind wir zu sechst kaum nachgekommen.“ Erst recht nicht mehr, wenn dann auch noch ein Floß anlegte, was oft vorkam und oft Verwirrung stiftete. Weil dann gut 50 Leute einfielen ins Lokal, erst mal aufs Klo stürmten. Nicht selten halbnackert und angetrunken. Aber es gab auch nette Situationen mit den Ausflüglern, die auf dem Wasserweg anreisten. Manchmal, wenn im Brückenwirt eine Hochzeitsgesellschaft gastierte, spielte die Bordkapelle des Isarfloßes fürs Brautpaar Hochzeitslieder. „Es war Freud und Leid“, sagt Ingrid Hanisch.

Als ihr Mann schon drei Jahre in der Wirtschaft direkt bei der Brücke kochte, fing sie dort 1991 als Bedienung an. Seither ist das Lokal für die beiden mehr als nur ein Arbeitsplatz. Eine Weile wohnten sie sogar in dem Haus. Der damalige Pächter Müller war schnell ein Freund, mehr sogar. „Wir waren wie eine Familie.“

Ansicht von früher: Alte Postkarte des Brückenwirts, erbaut 1848 vom „Steinmetz des Königs“, Franz Höllriegel.

Promis von Jochen Schweizer bis Lothar Matthäus zu Gast

Wieder ein Nicken und Lächeln Richtung Tür. Die Hanischs sagen mit Blick auf ihre Gäste, für sie sei der „Herr Doktor“ nicht anders gewesen als der Handwerker, der hier gern seine Mittagspause verbringt. Zu den Stammgästen gehörte auch Jochen Schweizer, „der findet es lustig“, sagt Andreas Hanisch, „wenn ich gradraus mit ihm rede“. Auch Lothar Matthäus fühle sich hier wohl, einmal habe der Fußballprofi sogar einen Beitrag für eine seiner Fernsehsendungen in der Küche gedreht. „Das war schon eine Sensation.“

Heute sagen die Hanischs sie hätten abgeschlossen mit dem Brückenwirt. Sie konzentrierten sich auf die Zukunft. Mit vielen seiner Gäste aber ist das Wirtspaar befreundet. Es gibt im Brückenwirt schon seit vielen Jahren einen Fußballer-Stammtisch. Nur: Seine Besucher können altersbedingt nicht mehr kicken. „Mit ihren Kindern hab ich im Hof Schneeballschlachten gemacht“, sagt der Wirt. Und inzwischen feiern von manchen schon die Enkel ihre Familienfeste in dem Lokal. Aber nur noch bis kurz vor Weihnachten, dann ist Schluss. Die Hanischs verabschieden sich mit einem lächelnden und einem weinenden Auge vom Brückenwirt. Sie sind ja noch jung, 48 und 52 Jahre alt.

Brückenwirt Pullach: So geht es weiter

Gekauft hat den Brückenwirt ein Investor: die Lacher GmbH & Co. Die Hanischs sagen, sie seien erst „schwer enttäuscht“ gewesen, dass nicht sie den Zuschlag bekommen haben. Und dann hatte der Investor auch kein Interesse, mit ihnen als Pächter weiter zusammenzuarbeiten. Doch am Isarkanal soll sich nicht alles ändern. Joachim Stahl, der den Gebäudekomplex für den neuen Eigentümer renoviert, kündigt an, dass der Theatersaal wohl erhalten bleibt. Das Ensemble Lampenfieber wird hier weiter seine drei Stücke im Jahr aufführen können. Die Rabenritter wiederum werden den Hanischs ins neue Domizil nach Solln folgen für ihre Faschingsgaudi, auch die Schlierseer Almmusi wird in der neuen Schützenlust, die dann „Hofbräuhaus-Stubn Solln“ heißen wird, ihre bewährten besinnlichen Advent-Abende bestreiten.

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Ein Dorf mitten in Bayern macht mit einem YouTube-Video auf sich aufmerksam. Und das mit gutem Grund. Nach dem Tod des Dorf-Wirtes ist die Situation alles andere als gut.

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