Aus dem Gericht

Kinderschänder muss hinter Gitter

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Ein 37-jähriger Pullacher hat sich im Internet an junge Mädchen herangemacht. Schon zweimal war er wegen Missbrauchs in Haft. Jetzt muss er wieder hinter Gitter. Und er sagt: „Ich kann nicht garantieren, dass es nicht wieder passiert.“

Pullach Mit hochgezogenen Augenbrauen mustern die Schöffen die Bilder, die auf dem Richtertisch vor ihnen liegen. Die obszönen Posen von kleinen Mädchen mit erwachsenen Männern sind kaum zu ertragen. Ein kurzer Blick, dann schauen die Schöffen weg. Richter Markus Nikol blättert schnell durch die Unterlagen. Es ist ruhig im Sitzungssaal des Ebersberger Amtsgerichtes. So ruhig wie der 37-jährige Angeklagte aus Pullach selbst, gegen den an diesem Tag verhandelt wird. Er hat sich von den Zuschauern weggedreht.

Auf seinem Computer hat die Polizei im April 2016 kinderpornografische Bilder von Mädchen gefunden, das jüngste gerade einmal fünf Jahre alt. Ein 14-jähriges Mädchen hat ihm per Mail Bilder von sich geschickt, er schickte diese über seinen Google-Account weiter an Jemanden in Österreich. Das Bundeskriminalamt habe daraufhin Hinweise von einer US-Behörde erhalten: Sein Google-Konto ist wegen besagter Bilder gesperrt worden. Vor Gericht räumte der Angeklagte alles ein. Über seinen Strafverteidiger ließ er verlesen, dass er es bereue, und er zur Tatzeit in einer „schwierigen Lebensphase“ gewesen sei. Er habe „an Selbstanzeige“ gedacht, diese dann aber wieder verworfen, erzählt der Angeklagte im Laufe des Prozesses.

Deshalb saß der Täter bereits im Gefängnis

Der Beschuldigte ist kein unbeschriebenes Blatt. Wegen schweren Kindesmissbrauchs verurteilten ihn das Landgericht Regensburg und Landshut 2004 und 2012 zu mehrjährigen Haftstrafen. Eines der Mädchen, an dem er sich damals verging, ist die Tochter seiner Halbschwester. Seit 2013 ist der 37-Jährige wieder frei, steht seitdem unter sogenannter Führungsaufsicht. Den Kontakt zu minderjährigen Mädchen hat ihm ein Gericht bis 2018 verboten und er muss regelmäßig in eine Therapie. Dennoch schrieb der 37-Jährige im Frühjahr 2016 mehrmals im Internetchat Mädchen im Alter von elf bis 16 Jahren an. Richter Nikol fragt nach, wie es dazu kommen konnte: „Aus Langeweile“, sagte der Angeklagte. Er habe Urlaub gehabt, viel Zeit zu Hause verbracht, und dann begonnen mit Mädchen zu chatten und kinderpornografisches Material aus dem Netz zu laden. „Ich kann nicht garantieren, dass es nicht wieder passiert“, gesteht er ein.

„Sie sind ein potenzieller Kandidat für die Sicherheitsverwahrung“

Die Staatsanwältin vergleicht den Beschuldigten mit Männern, die früher auf Spielplätzen mit Süßigkeiten Kinder angelockt hätten. Jetzt verlagere sich dieser Raum ins Internet. Sie forderte eine Haftstrafe von drei Jahren und zwei Monaten, Raum für Bewährung gebe es nicht. Das sieht auch das Schöffengericht so: Der 37-Jährige wird zu zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Richter Nikol sagt in seiner Urteilsbegründung, weder Therapie noch Auflagen hätten verhindert, dass der Angeklagte wieder straffällig wurde. „Sie sind ein potenzieller Kandidat für die Sicherheitsverwahrung.“ Dazu seien die in diesem Prozess vorgeworfenen Taten aber noch zu „wenig massiv“, sodass es für eine Sicherheitsverwahrung keine rechtliche Grundlage gebe.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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