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Auch erfahrene Kanu-Fahrer können die Situation  bei Hochwasser nicht immer kontrollieren. 

Video der Feuerwehr polarisiert

Retter appellieren an Vernunft: Lebensgefahr bei Kanu-Fahrten auf Hochwasser-Isar 

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Die lang anhaltenden Regenfälle der vergangenen Tage haben die Isar in einen reißenden Fluss verwandelt. Trotzdem wagen sich einige Paddler und Kanu-Fahrer auf die Isar. Das zeigt ein Video der Freiwilligen Feuerwehr Pullach. Die Retter appellieren an die Vernunft der Fahrer, sich und die Einsatzkräfte nicht in Lebensgefahr zu bringen. 

Landkreis – Trübes Wasser schießt den Flusslauf hinab, dazwischen immer wieder Treibgut, teilweise auch ganze Bäume, die von den Fluten mitgerissen werden. Trotzdem wagen sich einige Paddler und Kanu-Fahrer auf die Isar. Das zeigt ein Video der Freiwilligen Feuerwehr Pullach. 

Die Feuerwehr selbst kommentierte die Situation mit den Worten: „Das ist kein purer Leichtsinn mehr, sondern gelebte Einfältigkeit. Wer hier in Wassernot gerät, bringt auch die Retter von Feuerwehr und Wasserwacht oder DLRG in Lebensgefahr!“

Daraufhin entwickelte sich eine kontroverse Debatte. Die einen, die die Unvernunft der Paddler scharf kritisieren, die nicht nur sich, sondern im Ernstfall auch Rettungskräfte in Lebensgefahr bringen. Dagegen die anderen, die die Sportpaddler in Schutz nehmen mit dem Argument, sie wüssten schon, was sie tun.

Profi sagt: „Die wissen, was sie tun“

Christof Waldecker ist so ein Profi. Der Gilchinger gehört dem Kanu-Verein „Bayerische Einzelpaddler“ an und ist dort Ausbilder. Er sagt: „Ich würde bei der Wassersituation vielleicht auch nicht ins Kanu steigen, aber es gibt sicher viele, die das gut beherrschen. Um die muss man sich dann auch keine Sorgen machen.“ Auf dem Video der Feuerwehr erkennt er ganz klar Wildwasser-Kajaks. Waldecker geht daher davon aus, dass es sich um Sport-Paddler handelt. „Für die sind das optimale Bedingungen.“

Von Fahr-Verboten auf der Isar hält er generell nichts. Dann müsste man auch Motorradfahren oder Bergsteigen verbieten, findet er. Jeder könne selbst entscheiden, welchem Risiko er sich aussetzt oder nicht. Für Sport-Kanu-Fahrer sei die Situation auf der Isar im Moment „das Höchste“. Das sei wie der Sturm für den Windsurfer. „Da warten die drauf“, sagt Waldecker. Der Gefahren sei er sich durchaus bewusst. Gerade wenn unkontrollierbares Treibgut im Fluss schwimmt. „Und wenn doch mal einer kentert, dann kann man sich in der Gruppe gut in der Regel selbst helfen, da braucht auch keine Feuerwehr oder Wasserwacht eingreifen“, findet er. Das wolle ja auch niemand, dass sich die Rettungskräfte in Gefahr bringen.

Reißende Strömung kann zur Gefahr für Retter werden

Ganz so einfach ist die Sache aber nicht, sagt Sebastian Blask von der Freiwilligen Feuerwehr Unterföhring. „Wenn jemand im Wasser treibt, sehen wir von Weitem ja nicht, ob das ein Sport-Paddler ist, der sich selbst helfen kann. Im Ernstfall ist jedes Menschenleben wichtig für uns.“ Die reißende Strömung kann dann auch zur Gefahr für die Retter werden. „Und gerade das finde ich unverantwortlich.“ Er appelliert an die Vernunft der Kanu-Fahrer: „Einfach vorher mal darüber nachdenken, ob man wirklich für jeden Nervenkitzel sich und andere in Gefahr bringen muss.“

Pullacher Kommandant: „Gefahr lauert unter der Wasseroberfläche“

Denn mitnichten haben Sport-Paddler die Situation immer unter Kontrolle. Das weiß Harald Stoiber, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Pullach, aus Erfahrung. „Auch wir haben schon geübte Kajak-Fahrer aus dem Wasser gezogen.“ Es gehe ihm nicht darum, den Wassersport als solches zu verunglimpfen. Aber Hochwasser auf Flüssen sei eben nicht mit Wildwasser-Flüssen zu vergleichen. Wenn zehn Meter lange Baumstämme samt Äste auf einmal „wie ein Walfisch aus dem Wasser auftauchen“, dann helfe eben auch kein Helm, keine Schutzweste und keine Erfahrung mehr. „Das Gefährliche ist das, was man nicht sieht – nämlich unter der Wasseroberfläche“, sagt Stoiber. Das könne niemand kontrollieren. „Für die Kanu-Fahrer sind die Wasserbedingungen sicherlich reizvoll, für uns als Retter bedeutet es im Ernstfall ein Einsatz unter Lebensgefahr.“

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