Neujahrsempfang

Pullach und der Blick in die weite Welt

Pullach - Mit recht nachdenklichen Ansprachen und viel Musik ist der Neujahrsempfang in Pullach über die blumengeschmückte Bühne im Bürgerhaus gegangen. Wobei Freitag ja der 13. war. „Hoffentlich sitzt hier niemand, der abergläubisch ist“, sagte Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne). Um dann anzufügen: „Für mich sind diese Tage immer Glückstage – so auch heute.“

Nach dem offiziellen Teil, bei dem heuer die Festansprache der katholische Pfarrer Wolfgang Fluck gehalten hat und zu dem noch die Ehrung von fünf besonders verdienten Pullachern gehörte, standen die rund 300 Besucher ausgiebig zusammen bei Wein und kleinen Speisen. Unterhielten sich und ließen sich unterhalten, gegen 23 Uhr war das Foyer noch immer gut gefüllt. Die ein oder anderen hatten sogar zur flotten Musik vom Salonorchester La Rosette Pauillac unter der Leitung von Irmi Mallach ein Tänzchen gewagt.

Erstmal ging Susanna Tausendfreund, ehe sie den Blick dann weitete auch über Pullach hinaus, auf die Querelen ein, die es im Gemeinderat in den vergangenen zwölf Monaten immer wieder gegeben hat. Wenn sich wieder drei Fraktionen zum Block zusammenschlossen, dann querschossen oder Dinge durchdrückten, die schlicht nicht realisierbar waren. „Ich kann Sie beruhigen“, meinte die Rathauschefin dazu nur und klang sehr gelöst, „wir arbeiten alle für das Wohl der Gemeinde, manchmal dauert es eben ein wenig länger“. Im übrigen seien es ja auch sie gewesen, die Pullacher, die das Gremium in der Konstellation gewählt haben. Aber: Die erzielten Ergebnisse „können sich sehen lassen“, Effekt: „Viele Gemeinden beneiden uns darum, was Pullach ausmacht.“

Die Anschläge von Nizza, München, in der Türkei, zuletzt dann auch noch auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin, die auch 2016 fortsetzten, was schon 2015 so schlimm gemacht hatte, rütteln, sagte Tausendfreund „an den Pfeilern unserer freien Gesellschaft“. Aber: „Wir dürfen uns unser Leben und unsere freie Gesellschaft nicht einschränken lassen.“

Sie führte dann noch auf, was 2017 unter Umständen „besser werden kann und soll“. Die Integration der derzeit 48 Geflüchteten vor Ort etwa, die aber ohnehin schon bestens läuft dank hochengagiertem Helferkreis. Leider nicht gelungen sei, für alle unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die im Frühjahr rausmüssen aus der Burg, Nachfolgequartiere zu finden in der Gemeinde. „Nur ein Teil der Betroffenen kann in Pullach bleiben.“ Dabei werde der Flüchtlingsstrom vermutlich nicht abreißen, es werde sich zeigen, ob die Gemeinde auch weiterhin ohne Sammelunterkunft auskommt. Ansonsten: nehme Pullach teil am „Projekt demenzfreundliche Gemeinde“ und feile weiter am Ortsentwicklungsplan, um „eine solide Basis für vorausschauende Entscheidungen“ zu bekommen.

Tausenfreund schloss mit einem Gedicht von Goethes Mutter Katharina Elisabeth, die fand, zu einem guten Tag gehörten „ein Teil Arbeit und zwei Teile Frohsinn und Humor“, außerdem Optimismus, Toleranz, „ein Körnchen Ironie und eine Prise Takt“; am Ende, ganz wichtig, „wird das Ganze sehr reichlich mit Liebe übergossen“.

„Der Mensch hat die Begabung, Dinge zu verändern“: Pfarrer Fluck, der auch auf die bedenklichen politischen Tendenzen in Russland und Amerika anspielte, ohne die Länder zu nennen, versuchte bei aller Misere weltweit, auch Mut zu machen. Er ermunterte die Besucher: „Denken wir uns gemeinsam Geschichten aus“, Geschichten „können uns helfen, dass Ruhe entsteht“. Er kam dann auf den großen Max Mannheimer zu sprechen, der 2016 gestorben ist und sich immer verstanden hat als „Reisender in Sachen Humanität“, und zitierte schließlich noch den israelischen Schriftsteller Amos Oz, der mal gemeint hat, dass, wenn irgendwo ein großes Feuer ausbricht, man davonlaufen kann, protestieren – oder aber versuchen, die Flammen zu löschen. Und wer keinen Eimer zur Hand hat, der nimmt eben einen Teelöffel.

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